Der Anflug nach Melbourne ist holprig. Zum ersten Mal schüttelt es uns bei einem unserer Flüge ordentlich durch und die Luftlöcher bescheren uns einen flauen Magen. Bei Sonnenschein und 30 Grad empfängt uns Ben mit einem Lächeln am Flughafen. Was für ein Service! Ihn und seine französische Frau Raphaëlle haben wir am Titicacasee kennen gelernt. In ihrem Haus angekommen, untersucht Simone erstmal alles nach Spinnen und anderem womöglich giftigem Getier. Simone hat eine kleine Paranoia entwickelt und wird das in nächster Zeit noch öfter machen. Später lässt sie sich von Ben auch noch haarklein erklären, was man im Falle eines Schlangenbisses unternimmt. Wir belegen gemeinsam Pizza und machen uns einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher – in Melbourne finden gerade die Australien Open statt und ein paar Meter weiter spielt im Moment Djokovic live gegen Federer.

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Wenn die Frage aufkommt, welche australische Stadt die bessere ist, spalten sich die Meinungen. Sydney oder Melbourne. Melbourne gilt als Künstlerstadt, hier leben die Kreativen, wohingegen Sydney eher die Show Off Surferstadt ist. Welche uns besser gefallen hat, erfahrt ihr am Ende des Artikels… Am nächsten Tag erkunden wir die Stadt und landen in der Flinders Street, mitten im Zentrum.

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Zum Frühstück wollen wir in die bekannte Degraves Street, in der auch die Einheimischen morgens gerne ihren Kaffee trinken.

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Das Wetter ist leider bescheiden, generell ist es hier sehr wechselhaft. Aber die Melbournians, wie sie offiziell genannt werden, nehmen es mit Humor: „Hier kriegst du vier Jahreszeiten in einem Tag! Gestern sind es noch 40 Grad im Schatten, am Tag darauf hat es nur noch 19.“ Aber mal abgesehen davon, hat die Stadt wirklich eine Menge zu bieten und übt eine sehr inspirative Wirkung auf uns aus. Tolle Cafés, top gestylte Leute, viele Kunstprojekte, Veranstaltungen, Streetart.

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Melbourne weist übrigens die höchste Dichte von Restaurants und Cafés per Einwohner auf. Weltweit! Da fällt die Entscheidung schwer. Bevor wir uns ins Getümmel stürzen, wollen wir die Gelegenheit nutzen und das Gelände der Australian Open besichtigen. Die Chance hat man nicht alle Tage und wer weiß, vielleicht ergattern wir auch noch ein Ticket. Rund um die Rod Laver Arena gibt es einige Tennis-Courts für die Zuschauer bzw. finden dort Show-Matches statt, es gibt Shops, Restaurants, Spielmöglichkeiten für die Kinder und Entertainment für die Erwachsenen.

Die Tickets fürs Finale sind wie erwartet ausverkauft…

…und mit über 400€ pro Ticket sowieso nicht in unserem Weltreise-Budget.

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Mit der Tram fahren wir zurück ins Zentrum – wo sie übrigens gratis ist. Für jeden! Beim einsteigen treffen wir auf 20 Asiaten, die sich alle durch die Tür drängen. Bizarr dabei ist, wie sie selbst das einsteigen in die Tram mit ihren Smartphones auf Fotos und Videos festhalten. Und das ganze noch per Selfiestick. Natürlich, ist ja auch super spannend und kann man noch den Enkelkindern erzählen!

 Die Chinesen filmen wirklich ALLES.

Und am liebsten sich selbst. Tobias wird ungeduldig, er möchte einfach nur in diese ver&%$§/§ Tram… Da rutscht ihm ein italienisches „ma vaffanculo“ (so ähnlich wie unser „leck mich am Arsch“) raus, was der Asiate vor ihm doch tatsächlich versteht. Stolz lächelnd macht er Platz. Immerhin. Aber was lernen wir daraus? Vorsicht mit der Sprachwahl, man kann überall verstanden werden! Die anschließende Free Walking Tour ist interessant und wir lernen einiges über Melbourne, die vielleicht interessanteste Stadt Australiens, was Gesellschaft und Nachtleben angeht. Hier die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Melbourne war 26 Jahre lang (von 1901-1927) die Hauptstadt von Australien. Sydney war das gar nicht recht, so hat man sich irgendwann auf die Mitte geeinigt: Canberra.

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  • Nach Italien weist Melbourne die zweitgrößte Italien Community weltweit auf. Was die sehr ausgeprägte Kaffeekultur erklärt. Dasselbe gilt übrigens auch für die Griechen.
  • Melbourne hat das 4. größte Tram System der Welt.

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  • 1856 haben sich Melbournes Arbeiter erfolgreich für einen 8 Stunden Tag eingesetzt, der dann weltweit zum Einsatz kam.
  • Seit seinem Tod in Melbourne ist Ned Kelly ein Teil der australischen Folklore und Gegenstand zahlreicher Bücher und Filme geworden. Für manche ist er ein Volksheld, für andere ein brutaler Verbrecher, der allein nach persönlichem Gewinn strebte. Einige bezeichnen Ned Kelly als den Billy the Kid oder Robin Hood Australiens.

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  • Der Luna Park ist der älteste private Vergnügungspark der Welt.

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  • Melbourne leidet unter einer Opossumplage. Sie sind offiziell zur Tötung freigegeben.

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  • Melbourne hieß ursprünglich Batmania.
  • 1850 wurde Melbourne durch den Victorian Goldrausch zur größten und reichsten Stadt der Welt.

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Am Abend fahren wir zusammen mit Ben an die Küste. In Sandy Point besitzt Bens Tante ein Beachhouse, das wir netterweise nutzen dürfen. Fernab der Großstadt, circa zwei Stunden Autofahrt später, finden wir ein gemütliches, kleines Ferienhaus vor, welches Simone gaaaaanz schnell nach Spinnen absucht. Sicher ist sicher.

Das Häuschen liegt exakt drei Fußminuten vom Strand und vom Pazifischen Ozean entfernt. Traumhaft!

Der Strand ist riesig, extrem lang und die Wellen stark. Ben stürzt sich mit Neoprenanzug in das eiskalte Wasser und nutzt die Morgenstunden für ein paar Surfsessions. Uns ist das zu kalt und die Wellen für uns Anfänger eine Spur zu aggressiv. Wir spazieren kilometerweit durch den Sand und genießen die traumhafte Sonne.

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Die Abende werden zu exzessiven Spielabenden. Vor allem Siedler von Catan entwickelt sich zu einer Art sucht. Nebenbei trinken wir gemütlich australisches Bier und schwelgen in Reiseerinnerungen. Da hören wir plötzlich ein seltsames Geräusch.

Hmm, ein rülpsendes Schwein trifft es wohl am besten.

Bevor wir kapieren, was das ist, stürzt Ben aus dem Haus. Er ist auf der Suche nach einem Koalabären! Wir stürmen hinterher, aber er ist unauffindbar. Erst beim dritten Anlauf kann er das Gestöhne lokalisieren und wir finden den Koalabär in einem Eukalyptusstrauch hinter dem Haus, direkt auf Augenhöhe! Ein unglaublich schöner Anblick, so ein kuscheliges, und überraschend großes Tier in der Wildnis anzutreffen. Eifrig (für koalische Verhältnisse 🙂 mampft er Eukalyptusblätter und durch sein lautes Schmatzen duftet es frisch und gesund aus seinem Mund. Herzallerliebst!

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Am Sonntag verabschieden wir uns mit einem BBQ in der Sonne von unserem temporären Wochenendhaus zurück Richtung Melbourne. Simone und Tobi kredenzen am Abend als Dank für die Gastfreundschaft mal wieder die altbewährte österreichische Nationalspeise: Marillenknödel 🙂 Und auch in Australien kommt die Süßspeise sehr gut an, kein einziger bleibt übrig!

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Parallel verfolgen wir das Finale der Australien Open: Djokovic gewinnt souverän gegen Murray. Der Kroate schenkt einfach nichts her und ist brutal konsequent – verdienter Sieg!   Dank Ben und Raphaëlle haben wir uns die vergangenen Tage wie zu Hause gefühlt, jetzt ist es aber an der Zeit, das traute Heim gegen einen kuscheligen Campervan einzutauschen 🙂

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Bei Jucy holen wir unseren Toyota Tarago ab und machen uns auf den Weg nach St. Kilda. Ende der 70er war hier das Epizentrum des Punks und Nick Cave hat hier mit seinen Bands „The Boys next door“ und „Birthday Party“ gewirkt. Für Simone ein besonderes Highlight, da sie ihn als Mensch und Musiker grandios findet. Der Strand ist wunderschön und sehr nahe am Zentrum. Auch, wenn man hier noch die Nachwehen des Punks spürt und noch viele gescheiterte Existenzen/Drogenabhängige sieht. Melbourne bietet eine hohe Lebensqualität, auch wenn die Stadt alles andere als günstig ist. Am Strand angekommen benötigen wir einen Parkplatz, aber haben kein Kleingeld mehr, um das Ticket zu lösen. Wir pokern und wollen nur kurz zehn Minuten zum Beach, bevor wir sowieso Richtung Süden aufbrechen. Kein Ticket also, wird schon nix passieren!

Aber die australischen Parkplatzwächter sind hochmotiviert!

Als wir nach gefühlten 6 Minuten am Strand wieder zurück kommen, hängt schon ein Strafzettel an der Scheibe: 69 AUD (45 €), wenn man sofort bezahlt, oder 88 AUD (58 €), falls man nach zwei Wochen noch nicht überwiesen hat. Shit! Nach drei Roadtrips ohne Unfall oder Strafzettel musste wohl irgendwann was passieren…

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In den nächsten Tagen steht die Great Ocean Road auf dem Programm. Die berühmte 243 km lange Straße (nationales Denkmal) liegt im Südwesten Melbournes. Die traumhafte Kulisse direkt an den beeindruckenden Küsten Australiens entlang ist wunderschön. Jeder Kilometer eine Augenweide: die Steilküsten mit den farbenprächtigen Gesteinsformationen bauen sich vor uns auf.

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Von Ort zu Ort hangeln wir uns entlang. Vom Torquay Beach über den Leuchtturm Split Point Lighthouse fahren wir bis nach Lorne. Unsere erste Nacht auf dem Campingplatz. Simone ist von Anfang an begeistert, Tobias muss sich von der ganzen Sache erst überzeugen lassen. Wir bauen den Schlafplatz im hinteren Bereich des Autos auf, stellen die Klappstühle und den Tisch raus, um Abend zu essen, da regnet es auch schon. Super Start ins Camperleben! 🙂 Unter dem Vordach kauernd zieht das Gewitter aber schnell weiter und schneeweiße Kakadus mit grün-gelbem Kamm, sogenannte Gelbhaubenkakadus, besuchen den Campingplatz.

Die Vögel sind völlig verrückt, super laut und haben keine Angst vor Menschen.

Hauptziel: Futtersuche! Alles was auf dem Campingplatz zu finden ist, wird verspeist. Einige mutige Touristen füttern die Vögel und nehmen sie auf den Arm – bis sie mit den scharfen Krallen deren Haut blutig kratzen.

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Ein lustiges und lautes Spektakel, vor unserer ersten Nacht unter freiem Himmel. Wir schlafen erstaunlich gut!   Am nächsten Tag finden wir viele Koalas gelangweilt in Bäumen sitzend, während sie all die Touristen – und auch wir – anglotzen. Vor allem am Kenneth River gibt es sie zuhauf.

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Weiter geht’s zur Apollo Bay, dem Leuchtturm Otway und nach Port Campbell.

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Am Ende unserer kleinen Rundfahrt kommen wir zu den beeindruckendsten Formationen, die die Natur hier zu bieten hat:

London Arch und die Zwölf Apostel!

Große Gesteinsformationen, die wie Felsen aus dem stürmischen Ozean ragen. Ein majestätischer Anblick. Leider lassen sie Wind, Korrosion und der Zahn der Zeit Jahr für Jahr etwas kleiner werden und langsam verschwinden. Tragisch war es an der London Bridge (heute London Arch genannt), die im Jahre 1990 eingestürzt ist. Seitdem steht ein einzelner, großer Felsblock im Meer – ohne Brückenverbindung zum Festland.

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Für uns ist es an der Zeit, Richtung Norden aufzubrechen, schließlich wollen wir in vier Wochen in Brisbane an der Westküste sein, immerhin 2.200 Kilometer entfernt! Dieser Kontinent ist verdammt groß: Italien würde 25 Mal rein passen, Österreich sogar 91 Mal! Von West nach Ost sind es unglaubliche 3983 Kilometer Luftlinie, dabei hat Australien nur knapp 24 Millionen Einwohner.

Nächster Zwischenstopp auf dem Weg zu einem Nationalpark ist Frankston. Zum ersten Mal finden wir einen Campingplatz, der zu der Vereinigung „BIG 4“ gehört. Davon gibt es, nicht wie der Name vermuten lässt, nur vier Stück, sondern hunderte auf dem ganzen Kontinent verteilt. Im Laufe des Roadtrips finden wir heraus, dass die Plätze besonders sauber, gut geführt und einen hohen Standard bieten. Fast immer ist ein schöner Pool dabei, oft direkte Lage am Strand und viele andere Annehmlichkeiten. Auf einem Tennisplatz testen wir unsere eingerosteten Fähigkeiten und nutzen auch sonst die Sportangebote.

Wir gewöhnen uns schnell an das Nomadenleben… das ständige Weiterziehen bringt viel Abwechslung!

Nur nachts ist es manchmal nervenaufreibend, wenn man Geräusche hört, die man nicht zuordnen kann. Einmal ist es ein tiefes, röchelndes Schnaufen. Simone tippt auf einen perversen Nachbar oder Darth Vader von Star Wars, aber vom Fenster aus können wir nichts Ungewöhnliches entdecken. Dennoch, eine angenehme Nacht wird das schonmal nicht. Am nächst Tag stellt sich dank Google raus, dass es sich um ein Bushtrail Possum (zu Deutsch: Fuchskusu) handelt. Schön langsam werden diese australischen Tiergeräusche unheimlich.

Von Frankston aus gelangen wir zum eigentlichen Ziel: Wilsons Promontory einem großen Nationalpark an der Küste, genannt „The Prom“. Unglaublich schöne, verlassene Strände (Norman Beach und Whisky Bay Beach zum Beispiel) scheinen goldgelb in der Sonne, zahllose Hügel und dunkelgrüne Bäume säumen den Straßenrand. Hier ist Idylle pur angesagt, nur eine Straße führt hinein, viele Orte erreicht man nur zu Fuß.

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Zehn Autominuten vom Eingang entfernt gibt es einen Campingplatz, den wir für unsere Übernachtung aussuchen. Ein paar junge Franzosen sprechen uns an, ihr Auto lässt sich nicht mehr starten.

Wir überbrücken mit unserer Batterie und weiter geht’s! Gelebte Völkerverständigung 

Abends fahren wir zum Sonnenuntergang in den kostenlosen Nationalpark und entdecken sehr viele Kängurus, die am Abend aus ihren Verstecken rauskommen – und sich nicht weiter von den Menschen stören lassen. Hauptsache, sie können in Ruhe fressen.

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Simone entdeckt bei der Rundfahrt auch ihr – momentanes (!) – Lieblingstier: die Wombats! Warum?

  1. Sie sind abartig niedlich, fluffig und weich. Wie Teddybären.
  2. Sie watscheln eher als dass sie laufen. Obwohl sie bis zu 40 km/h schnell werden können, wenn sie wollen. Wollen sie aber nicht so oft.
  3. Sie kacken kleine Würfel. So können sie ihr Revier markieren, ohne dass die Kacke wegrollen kann.
  4. Sie haben einen Beutel, der nach hinten offen ist. So vermeiden sie, dass sie beim graben den Dreck in den Beutel schaufeln.
  5. Sie sind abartig niedlich, fluffig und weich.

Traurige Wahrheit: leider treffen wir auf den Straßen immer wieder auf totgefahrene Wombats und Kängurus. Die Straßen sind breit und führen mitten durch die Natur, da ist starker Wildwechsel unvermeidbar. Um das positive zu sehen: es gibt sehr viele Wombats und Kängurus, die Arten sind also nicht bedroht.

Der weite Weg nach Brisbane führt uns nach Lake Entrance, ein beschauliches Örtchen direkt am Wasser.

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Wieder steuern wir einen BIG 4–Campingplatz an und werden nicht enttäuscht. Auch unsere Nachbarn sind super nett: ein älteres australisches Pärchen, das ihre Rente genießt. Er stammt ursprünglich aus Irland und war Lehrer, sie gebürtige Australierin und Bürokauffrau. Wir unterhalten uns gut mit ihnen und zum Abschluss schenken sie uns noch ihren Stromverteiler! So nette Menschen 🙂 Beim Stadtbummel treffen wir auf einen Markt, der lauter lustigen Kram zu bieten hat. Tobi versteckt Simones Brieftasche, damit ihr Rucksack nicht noch voller wird, als er ohnehin schon ist. Eis essen, Sonne tanken, fürs BBQ einkaufen und das Leben genießen. Kurz in den Pool springen, am Abend draußen sitzen, ein Buch lesen (Tobi verschlingt die Biographie von Elon Musk. Simone paukt Italienisch) und einen gewaltigen Sternenhimmel inklusive deutlicher Milchstraße bewundern.

Australien, wie man es sich vorstellt!

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Einziger Nachteil: das Wasser im Ozean ist in diesen Breitengraden noch sehr zapfig, weshalb ein Bad nicht wirklich in Frage kommt. Dazu muss man sich weiter Richtung Norden, bis nach Queensland durchschlagen.   Nach zwei Tagen mit unseren netten Nachbarn verabschieden wir uns und verweilen eine Nacht in Eden, um am nächsten Tag auf der Fahrt das historische Dörfchen Tilba zu entdecken. Wenn man bei der jungen Geschichte von Australien überhaupt von historisch reden darf. 1873 gegründet ist es eine der ältesten Ortschaften Australiens. Tilba ist sehr klein, in jeder Hinsicht sehr gepflegt, total idyllisch und steht unter Denkmalschutz. Alle Häuser sehen wunderschön aus und man fühlt sich ein bisschen wie in Disneyland, so kitschig wirkt es auf uns.

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Die Tankstelle sieht aus wie in den 60ern und eine Telefonzelle ist in Zeiten der Handys und Tablets extrem auffällig.

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Hier in der Gegend gibt es zahlreiche Käsefabriken, so auch in dem kleinen Örtchen. An der Tanke (Benzin kostet übrigens nur 0,65 € pro Liter), spricht uns ein nuschelnder Australier an und erzählt uns, dass er in der Käsefabrik Schichtarbeit leistet. Er lehrt uns, dass er für die Herstellung von 1 Kilogramm Käse 10 Liter Milch benötigt und bereits 600.000 Liter Milch verarbeitet hätte – in seiner vergangenen Nachtschicht wohlgemerkt. Dass er nach Afrika fliegt, um seltene Tiere zu erlegen, finden wir nicht mehr so interessant und verabschieden uns vom redebedürftigen Schnauzbart-Träger. Dank seines Tipps finden wir aber eine nette Käserei im Ort, wo man alle möglichen Käsesorten probieren kann. Simone schnappt sich einen Zahnstocher, vergisst kurzerhand ihre Lactose-Intoleranz und probiert sich quer durch die Theke. Es schmeckt so gut! Tobi hält sie mit Mühe zurück und kauft ein Stück Käse, das wir auf der Parkbank in der Sonne genießen. Schmeckt super!

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Am frühen Nachmittag landen wir in Batemans Bay auf dem Campingplatz und lassen den Tag mit einer sehr guten Pizza und direktem Meerblick ausklingen. Das Camperleben gefällt uns immer besser!  

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Aus irgendeinem Grund fühlen wir uns in Batemans Bay allerdings nicht so wohl, die Leute sind irgendwie komisch und der Campingplatz bietet bisher die schlechteste Ausstattung. Deshalb ziehen wir schon am nächsten Tag weiter. Das ist der Vorteil, wenn man einen Camper hat – man ist an keinen Platz gebunden! Und jetzt heißt unser Ziel: Sydney! Wir freuen uns schon sehr auf die Stadt, die architektonisch mehr zu bieten hat als Melbourne und mit dem weltberühmten Opera House (Architekt Jørn Utzon, Fertigstellung 1973) natürlich auch einen absoluten Klassiker.

280 km später – für australische Verhältnisse wirklich gar nichts, die Distanzen sind hier unbegreiflich – erreichen wir die 4,6-Millionen Stadt. Wir machen den Fehler, dass wir zentral durch die Stadt fahren, um wenigstens einmal über die berühmte Harbour Bridge im Auto gefahren zu sein, weil wir einen Campingplatz im Norden Sydneys ansteuern. Großer Fehler!

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U-Bahn gibt es keine, die wird gerade gebaut, natürlich fahren alle mit dem Auto – der reinste Wahnsinn!

Und noch dazu sind die Verkehrsteilnehmer, im krassen Gegensatz zu Kanada, äußerst unfreundlich und ungeduldig. Keiner lässt dich die Spur wechseln, keiner lässt dich an der Kreuzung rein. Hier ist nix von der australischen laid back Mentalität zu spüren, hier riecht man den Stress, die Arbeit und das Geld. Nix mit Sonne, Surfen und Chillen. Tobi hat auch noch „rein zufällig“ einen Stunde vor Sydney einen Fahrerwechsel vorgeschlagen, weshalb Simone in dem Albtraum zurecht kommen musste. 🙂

Um mal etwas länger an einem Ort zu bleiben buchen wir fünf Nächte im Campingplatz Palm Beach. Mit dem Bus sind es 50 Minuten ins Zentrum und wir besuchen die Innenstadt in den nächsten Tagen mehrfach.

Sydney sieht sehr schön aus, hat eine tolle Skyline und die Atmosphäre ist trotz des Verkehrschaos irgendwie cool. Das Meer direkt vor den Toren der Stadt, das Opera House mit dem angrenzenden Royal Botanic Garden sowie die hohen Wolkenkratzer bilden eine perfekte Mischung. Tobi als Autofan fallen die Augen aus dem Kopf, weil er auf der gesamten Reise noch nie so viele exklusive und teure Sportwagen gesehen hat. In Sydney scheint das Geld auf Bäumen zu wachsen!

Die Georgestreet ist angeblich die älteste Straße Australiens…

…führt ins absolute Zentrum und fast direkt zum Circular Quay, wo die Fähren ablegen, welche direkt am Opera House vorbei schippern.

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Im Business District packt uns wieder die Lust zu arbeiten und voller Energie starten wir zum Observatory Deck im Sky Tower, damit wir einen Blick von oben erhaschen. Bei perfekter Wetterlage ein Muss!

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Das chinesische Neue Jahr ist vor kurzem angebrochen, es ist das Jahr des Affen. Wir kleben einen Wunsch an die Scheibe auf dem Turm und setzen uns dann im Darling Harbour in die Sonne, um Mittag zu essen. Das Leben als Backpacker ist echt schwer!

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Leute beobachten versüßt uns den Tag und nach kurzer Pause schauen wir uns Chinatown an. In einem Fake-Markt kauft sich Simone endlich eine neue Iphone-Hülle, die alte war nur noch ein ausgeleiertes Etwas.

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Am nächsten Tag entspannen wir am Campingplatz und gehen zum direkt angrenzenden Strand – irgendwie ist jeder Strand in Australien schön! Genauso, wie das Wasser: hellblau, türkis, dunkelblau, eine Mischung aus allem – und vor allem sauber!

Wir schwimmen, schnorcheln, surfen, springen in den Wellen und joggen am Strand entlang.

Relaxen ist hier echt nicht schwer! Und als ob es inszeniert wäre, kommt just in dem Moment ein Flugzeug mit Banner vorbei geflogen, auf dem „Make Love!“ zu lesen ist.

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Am Abend geraten wir in eine skurrile Männerrunde: drei von ihren Frauen geschiedene Männer sind mit ihren insgesamt sieben Söhnen fürs Wochenende auf dem selben Campingplatz wie wir. Während wir unser BBQ vorbereiten, lernen wir sie kennen, sie bieten uns Bier an. Es stellt sich heraus, dass die Ex-Frauen in einer Bar Geburtstag feiern und die Männer mit Kinder auf den Campingplatz geschickt wurden. Die Jungs lästern über ihre Frauen, schlimmer als in jeder Sex and the City Folge, es ist zum schreien komisch! Wir amüsieren uns sehr und verbringen den Abend in der Camp Kitchen.

Skydiving ist angesagt!

Für den Valentinstag haben wir uns etwas besonderes aufgehoben: wir springen aus einem Flugzeug! 🙂 80 km südlich von Sydney befindet sich die Zentrale von den Sydney Skydivers.

Schon auf der Fahrt dorthin, und als wir vor Ort das Geschehen live beobachten, sind wir nervös. Unsere Tandem-Instruktoren begrüßen uns, stecken uns in einen Anzug und legen uns die Gurte an. Dann erfolgt ein sehr kurzes Briefing, was wir machen sollen, bevor wir aus dem Flugzeug springen: Hände über Kreuz, Kopf nach hinten, Füße aus dem Flugzeug halten, alles andere macht der Instruktor. Klingt einfach, ist es vermutlich aber nicht 🙂

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Mit uns zusammen springt ein Paar aus Sydney. Er hat ihr als Überraschung den Sprung geschenkt, man kann ihre panische Angst in den Augen förmlich sehen. Aber sie ist tapfer und macht mit. Simone wird auserkoren, als erste aus dem Flugzeug zu springen, das verängstigte Mädel ist #2, ihr Freund #4 und Tobias muss folglich als #3 springen, was ihm sehr zu pass kommt. Mit seiner Höhenangst ist das ganze ohnehin etwas heikel für ihn. Wir zwängen uns in das super kleine, klapprige Flugzeug und bevor wir uns dessen bewusst sind, steigen wir schon in die Höhe. Ein mulmiges Gefühl schleicht sich von den Füßen immer weiter nach oben in unsere Körper, der Magen schwappt bei jeder Bewegung des Flugzeuges auf und ab, nervöse Blicke werden zwischen uns vier ausgetauscht. In den Augen ist zu lesen: „Machen wir das gerade wirklich? Wir sind verrückt!“ Tobias fragt seine weibliche Instruktorin ob er schon angeschnallt sei, weil sich seine Gurte so lose anfühlen. Sie antwortet nonchalant: „Machen wir gleich, entspann dich!“. Das ist leichter gesagt, als getan! Beim Blick aus dem Fenster, in die kilometerweite Tiefe, keine beruhigende Aussage. Für die Instruktorin ist es nach 11.000 Sprüngen nichts besonderes mehr, aber für uns ist es der erste! Alle haben eine Schutzbrille auf, nur Simone nicht, obwohl sie als erste springen muss. Auch ihr Tutor ist total cool und sagt, er würde ihr die Brille kurz vorher aufsetzen, keine Sorge. „Bist du nervös?“ will er wissen. Simone: „Nur ein bisschen“. Er: „Ich sehr.“ Das Spiel mit den Nerven hat begonnen, die Instruktoren wollen auch ihren Spaß haben. Auf 14.000 Fuß (ca. 4,2 km) stellt sich das Flugzeug in die Waagrechte, die Motorumdrehungen halbieren sich, es wird etwas leiser und wir gleiten langsam dahin. Innerhalb von wenigen Sekunden geschieht alles ganz schnell: die Seitentür geht auf, kalte Luft strömt herein, es wird noch lauter als es ohnehin schon war und jetzt gibt es wahrlich keinen Weg mehr zurück! Simone ist tapfer, streckt die Füße aus der Luke und innerhalb von einer halben Sekunde springt ihr Tutor mit ihr raus.

Der Luftsog verschluckt sie und in weniger als einem Augenblick ist sie weg.

Wie eine Plastiktüte. Für Tobias, der das von der Seite beobachtet, ein verrückter Anblick und die Gewissheit: eine Person vor ihm, dann ist er dran. Die blonde Dame blickt mit weit aufgerissenen Augen ihren Freund an, tapst langsam zur Luke und springt auch. Tobias ist an der Reihe, tastet sich langsam zur Luke, beim Blick in die Tiefe bleibt ihm fast das Herz stehen. Er hält sich am Holzrahmen fest, die Instruktorin verbietet es ihm aber, er steigt mit den Füßen auf eine kleine Treppe und fragt sich: „Was mache ich hier eigentlich?“ Seine Tutorin erinnert daran, die Hände zu überkreuzen und zwei Sekunden später überschlägt er sich mit einem Backflip seitwärts hinaus. Zuerst sieht er das Flugzeug, dann den blauen Himmel, dann die weite Landschaft unter ihm und am Horizont Sydney. Der Rest ist Schreien, Staunen, Atmen und ein noch nie gefühlter Adrenalinausstoß!!!

Spaß hoch zehn, der absolute W A H N S I N N!!! 🙂

Mit über 200 km/h fallen wir 30-40 Sekunden lang im freien Fall in die Tiefe, der Körper denkt, er stirbt, das Gehirn ist reizüberflutet und schüttet Adrenalin im Rekordtempo aus. Abartig cooles Gefühl! Irgendwann öffnet sich der Fallschirm, wir segeln nach unten, plaudern währenddessen mit den Tutoren, sind überglücklich und natürlich high. Simone soll den Schirm steuern und hält ihn verkrampft fest. „Jetzt bloß nicht loslassen“. Unten angekommen wollen wir gleich noch mal springen, wir kommen kaum runter, reden stundenlang über alle Details, die Erinnerungen kommen nur Schritt für Schritt zurück – eine super coole Erfahrung, die jeder ausprobieren sollte! Auf dem Rückweg zu unserem Campingplatz besuchen wir den legendären Bondai Beach am Stadtrand von Sydney. Er ist wie zu erwarten völlig überfüllt und kleiner, als gedacht.

Das Motto: „Sehen und gesehen werden“ … 

…scheint hier ganz hoch im Kurs, wir machen uns nach zwei Stunden aus dem Staub, uns gefallen verlassene, weitläufige Strände, die es in Australien hundertfach gibt, viel besser.

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Am Abend lernen wir zwei junge Hannoveraner kennen, ein Pärchen, das wie wir Skydiven war. Begeistert tauschen wir uns aus über die atemberaubende Erfahrung aus und reden bis spät in die Nacht über ihre und unsere Reise. Die beiden planen in den nächsten Jahren eine Weltreise, fragen uns darüber aus und wir geben ihnen Tipps mit auf den Weg.

Die nächsten Tage verbringen wir noch am Manly Beach, kurzer Stopp in Forster, in Bellingen essen wir auf der Durchreise in einem Bistro. Lange unterhalten wir uns mit dem Schweizer Koch, der vor 35 Jahren nach Australien ausgewandert ist.

In Coffs Harbour angelangt finden wir einen traumhaften Campingplatz – der beste des gesamten Roadtrips. Alles ist stilvoll und elegant gebaut, sehr sauber, top gepflegt und direkt am Strand gelegen.

Wir stellen unseren Campervan ab und 20 Meter neben uns grasen drei Kängurus. Wie im Bilderbuch 🙂

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Sofort fühlen wir uns hier wohl und verlängern eine Nacht. Am Strand gehen wir joggen, graben uns gegenseitig im Sand ein, essen gut und gesund, nutzen den Pool und das riesige Sprungkissen, um ein bisschen Sport zu machen. Einfach herrlich!

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Am Abend, auf dem Weg zu den Toiletten kommt Simone dann auch endlich mit einem giftigen Tier in Berührung. Diese liegt seelenruhig auf dem warmen Asphalt, als Simone einen riesen Schrecken bekommt und gerade noch drüber stolpert ohne auf sie draufzutreten. Tobi ist nicht sonderlich beeindruckt von der Geschichte, Simone war schon kurz davor sich das Bein abzubinden.

Langsam aber sicher nähern wir uns unserem Ende des Roadtrips: wir steuern auf Brisbane zu. Vorher aber machen wir natürlich an einem der legendärsten australischen Strände halt: Byron Bay, die östlichste Spitze Australiens. Sofort ist ein Hauch der alten Hippie-Zeit zu spüren: viel Surfer sind hier, viele hippie-mäßig gekleidete Leute, flirtende Menschen überall und generell herrscht eine tolerante, offene Atmosphäre. Es ist ein buntes Treiben, wir sind am Wochenende da und es ist überall was los: am Strand unzählige Surfer, Kitesurfer, Boogy Boarder, Jogger etc. In den Bars und Restaurants herrscht Hochbetrieb, die Shops sind voll mit Kaufwütigen. Simones Bikini ist nach den Strapazen der Reise am Ende seiner Lebenszeit angekommen, er muss einem neuen Modell weichen. Tobi kauft sich derweil ein Eis, aber es ist so heiß, dass die Hälfte davon auf seiner Hand zerfließt, ehe er es essen kann. Das sind Probleme! 😉 Wer in Byron Bay Ruhe sucht, wird es hier nicht lange aushalten.

Auch uns packt das Surffieber und wir leihen uns ein Boogy Board aus.

Es ist viel einfacher als das normale Surfen, macht aber genauso viel Spaß!

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Am Abend stellen sich zwei Mädels in ihrem Kombi neben uns und wir begrüßen die neuen Nachbarn freundlich. Als wir morgens aufwachen, erspähen wir einen Blick in das Innere des Wagens: eine der Damen liegt nackt neben einem Typen, den sie sich wohl gestern Nacht im Club aufgerissen hat. Auch das funktioniert in Byron Bay offensichtlich sehr gut! 😉 Für uns ist es der letzte Tag hier, wir fahren Richtung Brisbane. Aber nicht ohne vorher beim Leuchtturm vorbei zuschauen! Von hier hat man einen traumhaften Ausblick auf die kilometerlangen Strände rund um Byron Bay, das sollte man auf keinen Fall verpassen.

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Zu unserer allergrößten Überraschung sehen wir in den großen Wellen…

…mindestens 100 Delfine!

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Ein atemberaubender Anblick, die Delfine haben Spaß daran, mit den Wellen zu surfen, aus dem Wasser zu springen, sich gegenseitig zu jagen und einfach nur das Leben zu genießen. Ein unvergessliches Naturspektakel, hautnah und dank des extrem sauberen Wassers perfekt zu sehen!

Auf der Hälfte der Fahrt kommen wir in Gold Coast vorbei. Eine surreal wirkende Stadt, die sich entlang der Küste erstreckt, mit vielen Hochhäusern direkt am Wasser. Wir spazieren am Strand entlang und entdecken einen professionellen Sandkunst-Contest. Es werden nicht irgendwelche Sandburgen oder ähnliches gebaut, sondern die Figuren aus allen möglichen Animationsfilmen. Cooler Anblick, absolute Profis am Werk!

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In Brisbane angekommen bummeln wir durch die Stadt, trinken in Southbank in einer traditionellen Kneipe ein Bier und entscheiden spontan, nur eine Nacht in der Stadt zu bleiben (auch wenn der Flair und die Atmosphäre hier cool sind) und lieber noch die Tage an einem Strand zu verbringen.

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Tischnachbarn empfehlen uns glücklicherweise Noosa, was sich als absoluter Glückstreffer heraus stellen sollte.

Gesagt, getan: die 180 km fliegen an uns vorbei und schon sind wir im Norden von Brisbane in einer beschaulichen, sehr gepflegten Gegend angekommen. Viele Grünanlagen, ein großer Park, zahlreiche Strände, ein Hafengelände und tolle Cafés säumen die Straßen von Noosa. Hier lassen es sich offenbar auch einige Rentner gut gehen, das Leben neben den jungen Campern und Backpackern funktioniert reibungslos. Wir sind begeistert von den Wellen: sie kommen sehr regelmäßig an, brechen äußerst schön und sind ziemlich hoch und stark. Stundenlang springen wir in den Wellen, tauchen drunter durch, lassen uns darunter begraben und versuchen, sie ohne Hilfsmittel zu surfen. Ein Opa neben uns im Wasser macht es vor und surft fast jedes Mal 10-15 m Richtung Strand. Der hat’s drauf! Wir sind froh, wenn wir überhaupt 3-4 m weit kommen 🙂 Übung macht den Meister!

Am letzten Abend gibt’s eine Wochenschau, also Resteessen, wir müssen den Camper am nächsten Tag zurück bringen und wollen noch alle Lebensmittel verwenden. Ein goldroter Sonnenuntergang, in den hunderte, riesige Fledermäuse hinein fliegen, beschert uns ein sensationelles Abschiedsbild von Australien. Mit einem Glas Wein stoßen wir auf den fast vierwöchigen Roadtrip an.

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Campervan zurück bringen, chillen im Pool des Airporthotels und warten auf den Flug mit Tigerair nach Melbourne. Das ist alles, was wir an diesem Tag machen. Und wir schauen den guten, aber etwas gruseligen Film „The Prisoner“ mit Jake Gyllenhal und Hugh Jackman. Simone bildet sich ein, jemanden mit Flip Flops vor unserem Fenster zu wähnen, der vielleicht einbrechen möchte. Nach diesem Film hat sie Angst und steckt Tobias an, wir schlafen beide schlecht 🙂

In Melbourne erwarten uns erstaunlich warme Temperaturen, die Sonne scheint und wir schlendern ein letztes Mal durch die Innenstadt. Am Abend treffen wir uns mit unseren neuen Freunden Abir und Bobby, die wir am Machu Picchu kennen gelernt haben. Simone führt ihr neues Kleid aus und wir gehen in ein neues, afrikanisches Restaurant, in dem wir königlich speisen und viel lachen. Abir und Bobby bringen uns auf den neuesten Stand und wir erzählen von den letzten Reisemonaten. In einer Rooftop-Bar mit spektakulärem Blick auf alle Hochhäuser klingt der Abend aus und wir stoßen auf unser Wiedersehen und auf Australien an!

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Tobias stellt traurig fest, dass er ganz vergessen hat Känguru-Fleisch zu probieren. Wir waren in vielen Bistros oder Restaurants, aber darauf sind wir nie gestoßen. Tja, verpasst! Generell muss man sagen, dass es hier keine besondere Esskultur gibt. Im Gegenteil: in jedem Kaff gibt es einen McDonalds, KFC oder sonstige trashfood-Läden. Wer gesund und gut essen möchte, muss sich auf die Suche nach (teuren) Restaurants machen oder selber kochen.

Man kann eben nicht alles haben! Auf dem Weg zum Flughafen, der Skybus bietet wie in Neuseeland einen top Service mit Abholung, WLAN und äußerst freundlichen Mitarbeitern, endet das Abenteuer in „downunder“. Mit Malaysia Airlines (ja, deren Maschine MH417 im Jahr 2014 fast spurlos verschollen ist) heben wir ab Richtung Malaysia, wir freuen uns schon auf die asiatische Welt und Kuala Lumpur!

PS.: Des Rätsels Lösung: unsere australische Lieblingsstadt ist Melbourne 🙂