Jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge. Deshalb gibt es natürlich zwei Artikel über München. Einen von Simone, einen von Tobias. Viel Freude beim Lesen!

 

Simone:

Was ein dreimonatiger Aufenthalt werden sollte, wurden plötzlich zu fünf Jahren. Wie es halt immer ist: die Ereignisse überschlagen sich, jobtechnisch läuft es wunderbar und man lernt tolle Leute/Freunde kennen. Und plötzlich fühlt man sich so heimisch, dass man ganz vergessen hat, dass man eigentlich schnell wieder weiter wollte… Ich kam nach einem längeren New York City Aufenthalt nach München (die nördlichste Stadt Deutschlands, in der ich zu der Zeit jemals war :)). Natürlich sind diese Städte nicht miteinander vergleichbar, aber was mich anfangs doch sehr irritiert hat: war es in NYC ein Leichtes mit Menschen in Kontakt zu kommen, musste ich feststellen, dass die Münchner nicht so einfach für neue Bekanntschaften zu gewinnen waren. Also fühlte ich mich erstmals ein wenig einsam. Vor allem, weil ich vier Geschwister habe und es gewohnt war, wenig Privatsphäre zu haben. Von der hatte ich plötzlich aber Unmengen. Aber wenn du dann mal in den „inner circle“ aufgenommen wirst, bist du drin.

Und am Ende habe ich definitiv Freunde fürs Leben gefunden.

Und nicht nur das, obendrauf habe ich auch noch eine neue Sprache gelernt: Hochdeutsch. Bei meinem ersten Bewerbungsgespräch wurde ich gefragt: „Sprichst du auch Hochdeutsch?“. „Natürlich“, war meine voreilige Antwort. In der Tat hat es eine Weile gedauert, bis man sich daran gewöhnt hat. Schnell habe ich bemerkt, dass sich mein österreichischer Dialekt nicht Eins zu Eins ins Hochdeutsch übersetzen lässt. Für bestimmte Wörter gibt es einfach keine schönere Alternative zum österreichischen: Sackal (Tüte), Mistkübel (Mülleimer), Schlagobers (Sahne), Trafik (Kiosk), Topfen (Quark), …

Hier ein paar Beispielsätze – einmal auf Österreichisch und einmal auf Deutsch…

Sackal vs. Tüte:

 

Mistkübel vs. Mülleimer:

 

Schlagobers vs. Sahne:

 

Trafik vs. Kiosk

 

Topfen vs. Quark

 

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Es war eine tolle Zeit, aber München hat für mich leider ein paar Nachteile, weswegen ich immer den Gedanken mit mir herum getragen habe:

„Das kann’s noch nicht gewesen sein“.

Viel zu hohe Mietpreise, sehr Karriere fixierte Menschen und die Stadt an sich ist einfach ein bisschen zu „fertig“ für meinen Geschmack. Ich habe zuvor in Wien gelebt und musste irgendwann mit Erschrecken feststellen: sooft dir in Wien Punks über den Weg laufen, so wenig (oder gar nicht) passiert dir das in München. Alles ist sauber und aufgeräumt – und das gilt wohl auch für die Punks, die in dieses Bild wohl nicht allzu gut passen. Wer weiß, wo die alle sind. Vielleicht ist die Stadt einfach zu teuer für Subkulturen.

Nach fünf Jahren gibt es unzählige Dinge, die man toll fand, hier meine TOP 3 Locations in München:

1. Freiluftkino im Viehhof

Hier gibt es das beste süße Popcorn der Stadt! Mein erster Kinobesuch dort startete mit einer bizarren Frage meiner Freundin: „Auf welches Popcorn hast du Lust?“. Ich war etwas erstaunt, kannte ich bislang aus Österreich, das diesen Trend wohl verschlafen hat, nur eine Sorte: Popcorn mit Salz: „Wie meinst du das, welches Popcorn?“ Auch sie war offensichtlich irritiert und amüsierte sich köstlich, als sie feststellte, dass ich tatsächlich nicht wusste, was sie meinte. „Süßes oder salziges Popcorn – was ist los mit euch Österreichern?“ – voller Risikofreude bestellte ich mir süßes Popcorn und war anfangs mehr als irritiert. Aber je mehr ich davon aß, desto besser schmeckte es. Seitdem bestelle ich nur noch süßes Popcorn!

2. Pizzeria „La Fabbrica“

Einer der wenigen Läden in München, die diesen „urban“ Flair haben und somit auch den Geruch der Großstadt trägt. Hier wird die Pizza nicht rund und für jeden einzeln, sondern auf einem Holzbrett in „Metern“ serviert!

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3. Club „Pimpernel“

Hier gehst du hin, wenn sonst nichts mehr offen hat und du noch auf einen „Absacker“ gehen möchtest. Mit diesem Laden verbinde ich so einige längere Nächte…

 

 

Tobias:

Groß ist des Vorurteils bindende Kraft (Johann N. Nestroy)

München. Die nördlichste Stadt Italiens. Die teuerste und sicherste Deutschlands. Die “Weltstadt mit Herz”. Die Stadt mit den arrogantesten Leuten, mit einem unterdurchschnittlichen Szene-Leben, mit dem schönsten Park. Die Stadt mit den teuersten Autos, den nervigsten und gelangweiltesten Polizisten, die Stadt mit dem kompliziertesten Wohnungsmarkt und dem besten Volksfest der Welt. Und so weiter und so weiter. Es gibt viele Vorurteile über München. Manche sind wahrer als die anderen – wie immer im Leben sollte sich jeder selbst ein Bild machen!

Ich bin im Dezember 2004 von Südtirol nach München gezogen. Mit nichts in der Hand außer einem Praktikantenvertrag bei der ProsiebenSat1 Media AG. Und der Zusage, in der Wohnung meines besten Freundes einen von drei WG-Plätzen zu bekommen. Immerhin, ein Dach über dem Kopf ist ein guter Anfang.

Südtirol und Bayern – im Herzen verwandt

Als Südtiroler hat es nicht lange gedauert einige Landsleute in der bayerischen Hauptstadt kennen zu lernen. Und über die Arbeit nette Leute aus Deutschland. Überhaupt war die Zeit in der Fernsehbranche sehr spannend, vielseitig und ich habe viele interessante und verrückte Leute kennen gelernt. Nach meiner Zeit als Redakteur und Redaktionsleiter für zahlreiche TV-Shows habe ich den weltweit bekannten Satz

„There is no business like show business“

(aus dem Song von Irving Berlin) im positiven wie im negativen Sinne am eigenen Leib erleben dürfen. Und ich würde ich es jederzeit wieder tun! Aber irgendwann kehrte die Routine ein und ich habe die ganze Branche hinterfragt, ich hatte einfach keine Lust mehr darauf. Etwas musste sich ändern und ich habe mich erfolgreich selbstständig gemacht.

In all diesen Jahren (mehr als zehn, Wahnsinn!) habe ich mich in München sehr wohl gefühlt. Klar, jeder hat seine Durchhänger und manchmal wollte ich lieber gestern als heute die Stadt verlassen, aber grundsätzlich mag ich München. Die Lebensqualität ist sehr hoch. Die Nähe zu den Alpen sowie unzählige, schnell erreichbare Seen bieten ein riesengroßes Freizeit- und Sportangebot. Von Skifahren über Langlaufen, Mountainbiken oder Rennradfahren bis zu Surfen am Eisbach kann man die allermeisten Sportarten problemlos ausüben.

Die weitläufigen Naherholungsgebiete im Englischen Garten und an der Isar sind mit dem Rad innerhalb von wenigen Minuten erreichbar. Grillen, Chillen und Sonnenbaden sind von Shoppen, Essen und Arbeiten nur durch wenige Meter getrennt.

Was ist an München dann nicht so toll?

„Die Stadt ist sehr teuer!“ Das ist der erste Satz, der bei so einer Diskussion fällt. Und der zweite: „Man braucht Monate, um eine schöne und passende Wohnung zu finden!“ Beides trifft wohl zu. Die Urbanisierung ist in vollem Gange und die Stadt platzt aus allen Nähten. Auch, weil die bayerische Wirtschaft speziell in der Landeshauptstadt brummt. Mit BMW, Siemens, Microsoft, Linde, Allianz und Co. sind potente Arbeitgeber vertreten, die für die nötige wirtschaftliche Stabilität sorgen. Auch viele innovative mittelständische Unternehmen bieten attraktive und gut bezahlte Jobs. Das wiederum ist sehr positiv!

Wos wuisdn, Zipfi, ha?

Ein negativer Aspekt sind die grundsätzlich eher verschlossenen Leute. Es gibt viele Freundeskreise, die in sich geschlossen sind. Dort als Einzelner hinein zu kommen ist ziemlich schwierig. Das liegt nicht am sturen, bayerischen Einheimischen (den es im Münchner Zentrum sowieso kaum noch gibt… nur der kann übrigens die vorangegange Überschrift fehlerfrei aussprechen), sondern an den satellitenförmig angeordneten Freundeskreisen und der grundsätzlich skeptischen Haltung gegenüber neuen Gesichtern.

Ich hatte das Glück, durch meine Kontakte von Anfang an in unterschiedlichste Kreise von Leuten rein zu kommen, und dort vereinzelt gute Freunde kennen zu lernen. Einige Freundschaften halten bis heute. So fiel es mir leicht, mal hier und mal dort Anschluss zu finden. Durch die Vernetzung haben sich ganz neue Gruppen gebildet und sich automatisch immer wieder auf natürliche Art und Weise erweitert oder verkleinert. Als komplett isolierter Neuling ist es in München auf jeden Fall viel schwerer Anschluss zu finden, als andernorts. Zumindest habe ich diese Erfahrung teilweise selbst gemacht und das Leid wurde mir in den vergangenen 10 Jahren wirklich häufig von „Zuagroasdn“ (Zugereisten) geklagt.

Ein Vorteil von München sind aber auf jeden Fall die international operierenden Arbeitgeber. Dadurch sind viele Nationalitäten in München vertreten. Ich habe zum Beispiel Freunde und Bekannte, die in Italien, Österreich, Südafrika, Mexiko, Venezuela, Brasilien, Spanien, Frankreich, Australien, USA, der Schweiz, (…) aufgewachsen sind.

Meine Freunde sind eine fantastische Bereicherung in meinem Leben

…und ein wichtiger Grund, warum ich so lange in München geblieben bin.

Ich dachte, in diesem Artikel geht es um München?

Ach ja, ich wollte dir noch einige persönliche Tipps und Empfehlungen für deinen kommenden München-Besuch geben. Wenn du dir einen Überblick über die Stadt verschaffen möchtest, geh’ zum Marienplatz und steige dort in nächster Nähe auf den ALTEN PETER.

Gleich in meinen ersten Monaten in München habe ich dort oben die gute bayerische Luft eingeatmet und langsam angefangen, die Stadt kennen zu lernen. Nach 306 Stufen stehst du 56m hoch oben und blickst auf die ameisengleichen, hektischen Menschen auf dem Marienplatz oder auf dem Viktualienmarkt. Lässt du deinen Blick in die Ferne schweifen, siehst du vom Justizpalast bis zum Friedensengel, von der Allianz Arena bis zur Wiesn (man sagt in Bayern übrigens „Wiesn“, nicht „Oktoberfest“!!)

Ein Mann am Steuer eines Wagens ist ein Pfau, der sein Rad in der Hand hält. (Anna Magnani)

Der Ausblick vom Alten Peter bringt mich gleich schon zum nächsten Tipp: von dort oben siehst du nämlich auch die BMW WELT.

Als großer Automobil-Fan, wie ich es einer bin, ist ein Besuch dort Pflicht. Allein die spektakuläre Architektur (vom Büro Coop Himmelb(l)au erdacht, was für ein bescheuerter Name) innen wie außen lassen auch Nicht-Auto-Fans staunen. In der BMW WELT kann man aktuelle Modelle anfassen, sich hineinsetzen, technische Versuche selber machen, oder natürlich die neuesten Autos Probefahren (mit Vormerkung). Ein Restaurant und eine Bar gibt es dort übrigens auch.

Macht’s nur so weiter! (Monaco Franze, Folge 8)

Als Naturbursche habe ich die Grünflächen in München so oft es ging genutzt. Monaco Franze, das größte Vorbild eines jeden Münchner Stenz’, wusste es damals schon ganz genau: die hübschesten Frauen findet man im Englischen Garten. Recht hat er. Aber es gibt nicht nur den allseits bekannten „E-Garten“ wie man im Volksmund sagt.

Im Frühling und Sommer (sofern es letzteres in München mal länger als eine Woche am Stück gibt) bin ich oft mit dem Rad zum FLAUCHER gefahren, um dort mit Freunden zu grillen. Die Isar fließt seelenruhig vorbei, man kann sich entspannt abkühlen und vom Stadtlärm gibt es dort keine Spur. Das Grillen ist am Flaucher erlaubt und es gibt viele kleine Sandbänke, auf denen sich die Leute gut verteilen.

Münchner Bier und Fleisch.
Was will man mehr an einem heißen Sommertag?

Alternativ ist das Naturbad MARIA EINSIEDEL in Thalkirchen ein guter Tipp. Es liegt etwas außerhalb und ist sehr groß, weshalb sich auch bei tropischen Temperaturen die Leute gut verteilen. Ein wirklich eiskaltes Fließgewässer sorgt für die nötige Abkühlung. Nur die Heroischen wagen sich in das wirklich kalte Wasser. Aber bei Außentemperaturen von über 30 Grad springt auch das letzte Weichei in die Fluten und lässt sich von der starken Strömung treiben.

Falsch: „Ein Mahs Bier bitte!“ – Richtig: „Eine Maß Bier bitte! („a“ kurz betont)

Stichwort Bier. In Bayern natürlich Grundnahrungsmittel. Die besten Biere kommen aus der Gegend, so viel steht fest. Es schmeckt einfach gut, auch mir. Am häufigsten wird bestimmt AUGUSTINER getrunken oder TEGERNSEER. Ich mag auch das CHIEMSEER sehr gerne. Eine Kopfwehgarantie bei mir persönlich: das LÖWENBRÄU. Probier dich selber durchs Angebot: Wie alles im Leben ist vor allem die Bierfrage eine Geschmackssache!

Pizza, Pasta und Amore

Gute Tipps für Bars und Clubs spare ich mir an dieser Stelle, aber einen gastronomischen, wertvollen Insidertipp habe ich noch für dich. Die beste und authentischste (italienische!) Pizza genießt du auf jeden Fall bei Mimmo. In der Nähe vom Goetheplatz führt er seine Pizzeria „MIMMO & CO.“ Optisch ist die Einrichtung vielleicht ein Eigentor, aber der Geschmack der Pizza ist unbestritten und in München einmalig.

Wenn ich mir den Artikel jetzt noch mal durchlese, sehe ich jede Menge Lücken und mir fallen aus dem Stehgreif weitere 20 Tipps ein. Nach über zehn Jahren in einer Stadt gibt es so viele schöne Plätze, Erinnerungen und besondere Momente, dass es mir wirklich schwer fällt, etwas davon hervor zu heben. Insofern sind diese Tipps ein sehr persönlicher, aber unvollständiger Streifzug durch „mein München“.

Wenn jemand über Biersorten streiten möchte oder mit einer anderen Aussage von mir nicht klar kommt: bitte melden!