Diese Stadt ist wirklich etwas besonderes, sie steht auf einem extrem erdbebengefährdeten Gebiet. Das letzte Erdbeben mit großen negativen Auswirkungen ereignete sich im Februar 2011, mit einer Stärke von 6,3 auf der Richterskala. 185 Menschen mussten ihr Leben lassen. Schon jetzt kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass in naher Zukunft immer wieder große Erdbebenschäden in Christchurch auftreten werden. Die 380.000 Einwohner tragen es aber mit Fassung und haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden, mehr noch, für sie gehört es zum Alltag und zum Lifestyle dazu.

Immer wieder wackelt hier die Erde und die Häuser, für die Leute ist das aber relativ „normal“.

Das alles versteht man erst, wenn man sich die Zeit nimmt, die Stadt etwas genauer anzusehen. Wir haben das Glück bei Tobis Südtiroler Kumpel Daniel und seiner Freundin Johanna zu übernachten. Die beiden sind schon einige Jahre in der Stadt und kennen sich gut aus.

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Nachdem wir das Wochenende mit einem köstlichen BBQ, neuseeländischem Fleisch, rumänischen Köstlichkeiten und viel Wein eingeläutet haben, zeigen uns Daniel und Johanna ihre Stadt.

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Sofort fällt auf, dass es hier viel Kunst gibt: Streetart in Form von Graffiti, Kunstinstallationen oder Skulpturen sind überall zu finden. Ins Auge stechen auch die zahlreichen stählernen Schiffscontainer, die als Stütze verwendet werden, wenn ein Haus eingestürzt ist. Oder als Abgrenzung zu einem vom Erdbeben beschädigten Gebiet.

So kommt es, dass die Container das Stadtbild stark prägen und mitgestalten.

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Im Zentrum beispielsweise sind ganze Shops und Cafés in liebevoll gestalteten Schiffscontainer untergebracht. Ein einzigartiges und inspirierendes Flair! Wenn ein Gebäude zwischen zwei anderen eingestürzt ist, wurde der Bauschutt nicht nur einfach weggeräumt und der Bereich abgesperrt, sondern die Leute haben den Platz kreativ und positiv genutzt: sogenannte „gapfiller projects“ wurden ins Leben gerufen. Das können beispielsweise temporäre Kunst- oder Gastronomieprojekte sein. Oft auch von Vereinen oder Verbänden organisiert, die Leute arbeiten ehrenamtlich und verschönern gleichzeitig ihr Stadtbild. So haben viele Leute etwas davon.

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Ein weiteres Beispiel für die Kreativität, die in dieser Stadt zu spüren ist, sind die Verkehrshütchen. Aufgrund von den zahlreichen Baustellen, die das Stadtbild prägen und somit auch die Warnkojen, haben sich die Einwohner etwas besonderes ausgedacht. Anstatt der wie sonst üblich langweiligen, rot-weiß gestreiften Hütchen haben sie die Christchurcher in bunte, niedliche Plastik-Schäfchen verwandelt :-) Sieht doch viel cooler aus!

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Wir besuchen einen futuristischen Spielplatz für Jung und Alt und probieren ihn gleich mal aus. Es ist sehr viel los, das neue Angebot wird von den Bewohnern offenbar reg genutzt.

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Durch die Hintertür eines Restaurants entdecken wir eine Videothek inklusive altem Kino, die wir ohne Daniel und Johanna niemals gefunden hätten. Sehr liebevoll eingerichtet, die cineastische Atmosphäre ist sofort greifbar. Auch die Gastroszene in Christchurch blüht und wartet mit tollen Ideen auf: ein Lokal liefert Essen und Getränke mithilfe einer Rohrpost, mit dem eigentlich Post im Haus versendet wurde. Solche schräge Ideen gibt es zuhauf und lassen einen staunen, wie viel tolle, kreative Projekte es hier gibt!

Andernorts dient eine umfunktionierte, alte Nähmaschine als Wasserspender.

Am Nachmittag sind wir zu einem BBQ eingeladen, bei dem sich 30-40 Leute treffen. Alles Freunde von Daniel und Johanna. Wir fahren zum Liquorstore, um eine Flasche Wein als Präsent mitzubringen, allerdings haben wir keinen Ausweis dabei. Wer in Neuseeland Alkohol kaufen will, muss den Ausweis vorzeigen. Mehr noch, alleine das betreten eines Liquorstores ist ohne Ausweis illegal. Daniel springt für uns ein und kauft die Flasche, wir Ausweislosen verlassen unauffällig das Gebäude. Beim BBQ treffen wir auf viele Franzosen und es gibt Käse, Käse und noch einmal Käse :-) Selbst in die Pilze, die auf dem Grill zubereitet werden, stopfen die Franzosen ihren Käse. Es ist nicht bloß ein Klischee, bei den Franzosen dreht sich wirklich alles um ihren Käse! Er schmeckt aber auch zu gut! Wir genießen frischen Fisch vom Grill, verschiedene Weine, Weißbrot, Gemüse und natürlich Käse! Bis spät in die Nacht unterhalten wir uns mit interessanten Leuten, die von der ganzen Welt nach Neuseeland gekommen sind, um ihr Studium oder ihre Arbeit zu machen.

Am nächsten Tag schlafen wir aus und genießen den tollen Garten im Haus von Daniel und Johanna, sie wohnen im Viertel Cashmere auf den Hügeln namens „Port Hills“. Ein kleines Paradies, mit fantastischem Blick auf die Stadt!

Dann schnappen wir unseren Nissan und fahren zur Banks Peninsula.

Das ist eine über 1000 km² große Halbinsel im Südosten Christchurchs. Auch die Fahrt dorthin ist schon sensationell, die weite Aussicht und die wunderschöne Natur machen den kleinen Roadtrip zu etwas besonderem. Wir sehen Hasen und einen Fuchs, bevor wir in Akaroa ankommen. Teilweise fühlt man sich, als wäre man mitten in den Alpen, die Vegetation sieht ähnlich aus.

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In einem Bistro (zufällig ein Franzose) essen wir wirklich sehr gut zu Mittag und genießen den Tag. Simone hat den Führerschein im Rucksack „vergessen“, weshalb Tobias auch die Strecke zurück fahren muss. Das freut ihn besonders! 😉 Müde und zufrieden chillen wir im Haus, lesen und lassen es uns gut gehen. Johanna und Daniel kommen später von der Arbeit nach Hause. Wir überraschen die beiden mit italienischer Pasta á la Tobias, von der es gefühlt 3kg gibt. Verhungern wird heute niemand!

Simone und Johanna tauschen sich über diverse Frauenthemen aus, Johanna hat zu allem ein Magazin parat…Simone ist begeistert, endlich interessiert sich mal wieder jemand für Klamotten, Nagellack und Frisurentrends :-) Im Garten auf der Terrasse schauen wir der Sonne zu, wie sie schön langsam am Horizont verschwindet und wir romantischerweise parallel von den Mücken zerstochen werden. Irgendwann müssen wir aufgeben und überlassen den Garten den Kleintieren.

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Den letzten Tag verbringen wir sehr entspannt ohne Sightseeing, wir sind müde von unseren ganzen Wandertouren auf der Südinsel. Da entdeckt Tobias auf dem Couchtisch Johannas Buch „Couchsurfing im Iran“ – und verschlingt es in wenigen Stunden auf der Couch sitzend. Wie passend! :-)

Der Autor erlebt ein Iran, das kein Reiseveranstalter jemals in seinen Katalog schreiben würde. Statt in Hotels kommt er in Privathäusern unter und lernt so das Land hinter verschlossenen Türen kennen, wo es keine Tabus mehr zu geben scheint. Unglaublich spannende Geschichten, die er da erlebt.

Wir frühstücken ausgiebig, lesen Bücher und Magazine, während Johanna Home Office macht. Fürs Mittagessen zeigt sie uns ein sehr nettes Café, das stilvoll und urig eingerichtet ist. Man kann hier auch zu Mittag essen und kleine Spezialitäten kaufen, wie zum Beispiel Manuka-Honig, der auch traditionell als Naturheilmittel verwendet wird.

Manuka nennen die Maori diese Südseemyrthe, die wiederum ihren Ursprung in den Bergregionen Neuseelands sowie in Südost-Australien hat.

Schmeckt ausgezeichnet! Später gehen wir fürs letzte Abendessen einkaufen, tanken den Mietwagen voll und warten auf Daniel, der abends von der Arbeit nach Hause kommt.

Oh, wie tut es gut nach all den Wanderungen unser Leben in einem „zu Hause“ zu genießen! Vor allem in so einem netten Haus mit Garten. Wenn man alle 2-3 Tage Hostel/Hotel wechselt, freut man sich wirklich sehr, wenn man für einige Zeit eine feste Bleibe hat. An dieser Stelle noch mal Danke an Daniel und Johanna für eure Gastfreundschaft!


Dieses Mal ist Simone dran mit ihren Köstlichkeiten und sie überrascht unsere Gastgeber mit einer österreichischen Spezialität:

Fleischlaberl“ mit Kartoffelpüree, Erbsen und selbst gemachten Ketchup.

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Dazu gibt es wieder guten Wein und wir genießen einen tollen Abschieds-Abend. Tobias und Daniel, die sich seit über 15 Jahren kennen, nutzen die letzte Gelegenheit und reden bis 1 Uhr morgens über Gott und die Welt. Wenn man 18.000 km weit auseinander wohnt, hat man sich natürlich einiges zu erzählen :-)

Nach vier Wochen ist unser Abenteuer in Neuseeland zu Ende. Von Christchurch fliegen wir über Auckland weiter nach Australien und freuen uns schon auf wärmere Temperaturen, traumhafte Strände und vier Freunde, die wir auf der Reise kennen gelernt haben. Auf nach „downunder“!