Doha ist in letzter Zeit vor allem wegen der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft 2022 im Visier der Öffentlichkeit. Unser Rückflug nach München geht über die Hauptstadt von Qatar, also beschließen wir gleich ein paar Tage zu bleiben, um den Wüstenstaat und Freunde von Simone zu besuchen! Der Flughafen ist wunderschön, riesig und sehr gepflegt.

Alles wirkt neu, etwas kühl und hypermodern – das trifft auf das gesamte Stadtbild zu.

Bei der Einreise sind 100 Qatari Rial (ca. 25€) pro Person fällig. Nach einem vollautomatischen Komplettcheck sind wir bis zur Marke unserer Unterhose in deren System erfasst. Das ist sehr wichtig und gut zu wissen: wer in Qatar nämlich etwas illegales anstellt, Leuten Geld schuldet oder sonst irgend eine Straftat begeht, darf das Land nicht mehr verlassen, bis der Fall geklärt ist. Man ist in Qatar gefangen und das kann seeehr ungemütlich werden. Wir beschließen daher, unseren ursprünglich angedachten Überfall erstmal ad acta zu legen 😉

Wir nehmen ein Taxi in die Stadt und kurven durch die Hauptstraße Richtung „The Pearl-Qatar“, eine künstliche Halbinsel, auf der viele Expats und auch die Freunde von Simone wohnen. Eine riesige Wohnung im 18. Stock mit Blick auf den Yachthafen und auf die Skyline von Doha ist unser bescheidenes Heim für die nächsten drei Tage. Not bad!

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Bei einer köstlichen Pasta Bolognese, selbst gemacht von Manu, beginnt das kurze Abenteuer und der Einblick in abermals eine ganz andere Welt. Unsere kleinen Handicaps die nächsten Tage: Simone kämpft noch mit einer verschleppten Erkältung aus Myanmar und Tobi mit den beiden Hunden, die Manu von der Straße gerettet hat. So viel Stress hatte er nicht einmal mit den Straßenkötern in Südamerika :-) Die Therapie macht langsam Fortschritte, sie nähern sich an. Aber Best Buddies werden die drei wohl nicht mehr.

Bei strahlendem Sonnenschein schauen wir uns am nächsten Tag eine der wenigen Sehenswürdigkeiten an: auf in die Altstadt! Die einzige Möglichkeit dort hin zu kommen ist ein Taxi. Jeder, der zwei Hände und zwei Füße hat, fährt hier ein Auto. Benzin kostet nicht viel (28 Cent/Liter), deshalb ist die normale Motorisierung auch im Bereich von 4.0 bis 6.0 l Hubraum, Wahnsinn! Das interessiert Tobi sehr, Simone nicht im geringsten, ist klar.

Wir schlendern durch den Souq Waqif, ein großer, altertümlich gestalteter Markt, auf dem man von Souvenirs über Möbel, Lederwaren, Tiere und Gewürze fast alles kaufen kann.

Auf Wunsch des Emirs soll er an vergangene Zeiten erinnern, ein Stück Melancholie inmitten von Glas und Stahl.

Geöffnet ist der Souq Waqif von 9 bis 13 Uhr, danach wieder ab 16 Uhr. In der Mittagshitze arbeitet hier keiner gerne, im Sommer sind 50-55 Grad angesagt! Der Markt ist aber nicht nur für Touristen da, auch von den Einheimischen wird er gerne besucht. Keiner will dir aggressiv etwas verkaufen, alles läuft gesittet und angenehm ab.

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Generell herrscht in Doha keine Hektik (außer im Straßenverkehr), obwohl der Großteil der Bewohner aus dem Ausland stammt und hauptsächlich hier ist, um Geld zu verdienen. Man zahlt nämlich generell keine Steuern. 0 Prozent. Brutto wie netto. Das führt dazu, dass das Preisniveau sehr hoch ist. Und bedeutet gleichzeitig nicht, dass alle “reich” oder wohlhabend sind. Man muss das Gesamtbild betrachten, alleine die Berichterstattung zur WM 2022 spricht Bände.

Auf dem Rückweg kommen wir noch an Geschäften vorbei, die Falken verkaufen. Ein toller Anblick, die edlen Tiere praktisch im Schaufenster zu beobachten. Der Falke ist das Statussymbol der Oberschicht in Qatar, für einen top ausgebildeten Falken werden schon mal 50.000€ oder mehr bezahlt. Gleich nebenan gibt es praktischerweise ein Krankenhaus, in dem die exklusiven Falken behandelt werden.

Es soll keiner sagen, hier gebe es kein soziales Netz 😉

Drei Schritte weiter hat der Herrscher von Qatar, Emir Hamad bin Khalifa al-Thani, einen großen Platz für seine Kamele bauen lassen. Eingezäunt mit dicken Baumstämmen genießen sie das faulenzen unter der Sonne. Wir schauen ihnen beim Nichtstun interessiert zu…

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…und tun es ihnen wenig später gleich. Ein paar Tage vor der Heimreise wollen wir es ja nicht mehr übertreiben :-)

Auch der nächste Tag ist an Entspannung kaum zu überbieten. In einem französischen Frühstücksladen genießen wir nach laaaaanger Zeit sehr gutes, frisches, europäisches Brot und göttlichen Kaffee! Der erste Vorbote westlicher Zivilisation nach einem Monat in Asien. Am Nachmittag wollen wir ins berühmte Museum für islamische Kunst. Beinahe kommen wir zu spät, bevor es schließt, weil wir in die Rush Hour geraten – fast eine Stunde brauchen wir für eine Strecke, die normalerweise in 20 min machbar wäre. Im Stau stehen wir neben hunderten von Autos und zwar nicht irgendwelchen Gefährten, sondern neben Ferraris, Bentleys, Lamborghinis und Rolls Royce.

Wer hier einen Porsche fährt, ist eine arme Sau!

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Das von Stararchitekt I. M. Pei aus New York errichtete Museum ist wirklich traumhaft schön. Direkt am Wasser gelegen, mit majestätischem Aufgang, links und rechts mit riesigen Palmen gesäumt und einem Wasserlauf in der Mitte, gelangt man auf den Vorplatz zum Haupteingang. Erst im Inneren wird einem bewusst, wie groß der Prachtbau von 2008 ist. Stahl, Glas, Beton und viel, viel Platz. Eine goldene Visitenkarte für das Emirat auf der arabischen Halbinsel.

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Danach schlendern wir auf ein Food Festival, das nebenan stattfindet. Mit Blick auf die Skyline kann man hier an unzähligen Ständen verschiedene Speisen aus aller Herren Länder ausprobieren. Auch große Hotels wie das Hyatt oder Marriott sind mit Köstlichkeiten vertreten. Wir probieren alles ein bisschen aus und beobachten die stolzen Frauen aus Qatar, die, man würde es kaum glauben, ihre schwarzen Abayas in den unterschiedlichsten Varianten tragen. In dunkelblau, mit Spitze, Accessoires…man kann mehr damit anstellen, als man denkt.

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Über die Promenade schlendern wir auf das gelb-gold leuchtende Museum zu, rechts davon die bunt strahlende Skyline. Doha at its best!

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Abends gibt es an fast jedem Hochhaus Lichtspielereien mittels LED – schon beeindruckend, was die Araber hier an Architektur auf die Beine gestellt haben. Von den 2,2 Millionen Einwohnern in Qatar wohnen 750.000 in Doha und insgesamt sind nur 400.000 waschechte Qataris. Also weit mehr Ausländer als Einheimische. Unsere Gastgeber erzählen uns, dass die Qataris überdurchschnittlich wohlhabend sind und in öffentlichen Gebäuden oder Restaurants bevorzugt behandelt werden.

Man erkennt sie an ihren traditionellen Gewändern, den Dischdascha, die stets blütenweiß und perfekt gebügelt sind.

Die Frauen sind sehr anmutig und tragen die oben erwähnten Abayas, das Gesicht bleibt aber im Gegensatz zu den Burkas in Saudi Arabien frei. Die religiöse und gesellschaftliche Erwartungshaltung ist also nicht so streng wie im Nachbarstaat.

Den wirklich letzten Tag unserer Weltreise (nach 8 Monaten!!!) wollen wir noch einmal nutzen und etwas Außergewöhnliches erleben: mit dem Geländewagen in der Wüste über die Sanddünen preschen!

Desert Dune Bashing“ nennt sich das Ganze, ist umwelttechnisch völliger Quatsch, macht aber unglaublich viel Spaß :-)

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Ein junger Kerl, Mohammed, in Qatar geboren aber pakistanische Eltern – was ihn aber noch lange nicht zum Qatari macht (ja, die Qataris sind bei der Vergabe der Staatsbürgerschaft äußerst streng), kommt mit seinem weißen Toyota Land Cruiser 5.7l V8 vor das Hochhaus gefahren und wartet auf uns. Wir machen es uns in den beigen Ledersitzen und bei angenehmen 20 Grad auf den Rücksitzen gemütlich. Geschickt führt er uns schnell und zielstrebig durch den Stau, wir müssen auf die andere Seite der Stadt in die Wüste. Mohammed ist entspannt und genießt die Fahrerei: laute Disco-Musik, parallel auf WhatsApp chatten, ein wenig Smalltalk mit uns. Die Zeit vergeht im Fluge und schon bald stehen wir am tatsächlichen Ende einer Straße, von nun an gibt es nur noch eines: Sand, Sand und noch mal Sand!

„Bitte anschnallen!“ heißt es und Mohammed macht dann das, was er sehr gut kann: Auto fahren! In einem Affenzahn rasen wir mit knapp 400 PS über den Sand und auf die Dünen, anfangs recht gemütlich und dann immer schneller, immer gefährlicher. Im Auto vor uns fährt der Bruder von ihm, er steuert auf eine Düne zu, wir sehen nur den blauen Himmelsrand, plötzlich reißt er den Wagen nach links und fällt wie ein Spielzeugauto ins Nichts…Waaaahhhh!!

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Fünf Sekunden später sind wir dran, Mohammed schreit und zieht seine Show ab, auch wir driften seitwärts geneigt die Düne entlang, der Motor dreht hoch, der Geländewagen scheint zu kippen, aber am Ende tut er das natürlich nicht.

Mit 160 km/h (!) brettern wir auf steinhartem Sand auf die saudi-arabische Grenze zu…

… zwischen Qatar und den Saudis gibt es auf dieser Seite nur das Meer. Immer wieder fallen und driften wir seitwärts von den steilen Dünen, Hammer!

Einmal wird es sogar Mohammed kurz mulmig, er verschätzt sich bei einem Manöver und der Land Cruiser rutscht ab, kommt erst ganz unten, am Ende der Düne wieder zu stehen. Die Warnsensoren blinken und piepsen, wir drohen zu kippen. Wir beide – und selbst Mohammed – lehnen uns instinktiv im 45 Grad Winkel Richtung Düne, in der Hoffnung, dass alles gut geht. Der ausgeklügelte 4×4 Antrieb und alle möglichen technischen Spielereien erlauben es Mohammed, sich nach zwei Minuten aus eigener Kraft aus dem Sand zu buddeln. Die jahrzehntelange Expertise und die extreme Geländegängigkeit dieses Schiffs machen sich nun bezahlt: spätestens jetzt wird uns klar, warum in Doha 9 von 10 Geländewagen Toyota Land Cruiser sind. Und wirklich alle sind weiß oder höchsten cremefarben. Wir erinnern uns: 55 Grad im Sommer!

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Am letzten Abend gehen wir mit unseren Gastgebern essen, direkt am Wasser in einem kleinen Hafen. Hochmotorisierte Jet Skis liefern sich ein Rennen und brettern Richtung Sonnenuntergang. Wir bestellen zum ersten Mal Bier, Alkohol ist im muslimischen Qatar natürlich nicht erlaubt. Dennoch wurden an manche (westliche) Restaurants und Hotels Sonderlizenzen vergeben, vor allem ein Zugeständnis an all die westlichen Touristen.

Ein Liter Bier kostet 25€, hier kann man selbst über die Wiesn-Preise in München nur müde lächeln :-)

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Beim Abendessen erfahren wir noch ein paar krasse Geschichten. In Kurzform: die Herrscherfamilie baut gerade ein Anwesen für 1 Milliarde Dollar, wenn der Emir von seinem Privatpalast zu seinem Arbeitsplatz (Emiri Diwan Palace) fährt, werden kurzerhand die Straßen temporär gesperrt: eine riesige Polizeieskorte begleitet sechs identische Fahrzeuge, damit keiner weiß, in welchem der Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani sitzt. Und eine Putzfrau hat man dabei erwischt, als sie umgerechnet 120€ gestohlen hat. Die Konsequenz? Sie kam für drei Monate ins Gefängnis und musste danach das Land verlassen. So schön Doha ist und diese Kultur von außen so interessant wirkt – ob man hier wirklich leben möchte, sollte man sich gut überlegen!

Um 6.15 Uhr klingelt der Wecker, wir brausen zum Flughafen, um pünktlich zum Osterfest zu Hause zu sein. Tobi spricht seit Monaten von Speck und Schüttelbrot, Simone freut sich, wenn sie endlich mal was anderes anziehen kann und vor allem freuen wir uns auf eines: auf unsere Familien und auf unsere Freunde! Die Weltreise ist vorbei – und ein neues, spannendes Kapitel beginnt in unserem Leben! :-)

UNSER STATEMENT ZUM ENDE DER WELTREISE:

An dieser Stelle ein kurzes Dankeschön an alle, die unsere Artikel gelesen, unsere Fotos angeschaut und die Reise auf diese Weise miterlebt haben! Danke für all die Nachrichten, danke für das positive Feedback auf allen Kanälen! Das hat uns angespornt, immer weiter zu machen! Wir sind froh, dass wir zu jedem Land einen Reisebericht haben, weil all die Erinnerungen auf einer Weltreise recht kurzlebig sind. Auch, weil man einfach so unglaublich viel erlebt. Durch die Reiseberichte haben wir eine tolle Gedankenstütze und ihr hoffentlich ein bisschen was über die Länder und Städte gelernt.

P.S.: Wer gerade darüber nachdenkt, eine Weltreise zu machen: nicht überlegen, nicht zögern, machen! Es lohnt sich auf alle Fälle!!! :-)

Simone und Tobias