Aufgrund des Streik-Chaos in Chile (siehe Artikel Chile) haben wir… Trommelwirbel… insgesamt sechs Stunden Zeit auf der Osterinsel! :-) Und davon nur knapp drei, bis die Sonne untergeht. Ahhhhh. Also keine Zeit verlieren!

Die Landung mit dem großen LAN-Flugzeug ist ziemlich spektakulär! By the way: selbst das chilenische Essen im Flugzeug ist überdurchschnittlich gut. Die Insel ist klein (ca. 10 km lang) und dementsprechend gibt es nur einen mini kleinen, netten Flughafen. Wie es so oft ist, wenn man es eilig hat, muss Simone sehr lange auf ihr Gepäck warten, ihr Rucksack kommt tatsächlich als letzter (!) über das Kofferband geschwebt. Wir haben doch keine Zeit!

Die Warterei nutzt Tobias, um einen Taxifahrer zu finden. Unser Plan ist, mit dem Taxi die wichtigsten Orte zu besuchen, die einzige Chance, möglichst viel zu sehen. Nach knallharten Verhandlungen, Tobias‘ Lieblingsbeschäftigung, sinkt der Preis von 55.000 auf 40.000 chilenische Pesos.

Der Fahrer, Fernando, ist um die 40 Jahre jung, lebensfroh, Musiker und Surfer.

Er interessiert sich für uns und unsere Reise, wir erfahren im Gegenzug viel über die Insel. Und unsere in Südamerika erworbenen Spanisch-Kenntnisse können wir mit ihm einem finalen Test unterziehen, weil er kein Englisch spricht. Fernando ist ein netter Kerl, besser hätten wir es nicht treffen können!

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Die malerische Straße entlang der Küste versetzt uns gleich ins relaxte Insel-Feeling, hier gibt es nicht viel außer Natur pur. Das entspannt Einheimische wie Touristen. Tiefblaues Meer, sattgrüne Wiesen und hier und da ein paar Moai, den weltberühmten Steinstatuen. Von ihnen gab es insgesamt angeblich 1000 Stück, ihr Zweck sorgt bis heute für Diskussionen:

Man glaubt, dass es berühmte Häuptlinge sind, die als Bindeglied zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt fungieren.

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Fernando erzählt, dass es auch eine Art Statussymbol unter den Familien war, die die Moai haben errichten lassen: je höher die Statue und je feiner die Gesichtszüge im Stein ausgearbeitet sind, desto angesehener und reicher war die Familie.

Zuerst besichtigen wir Ahu Tongariki. Das ist die Ansammlung von 15 in einer perfekten Linie aufgereihten Moais. Ein beeindruckender Anblick! Die Statuen sind unterschiedlich groß, die größte wiegt 86 Tonnen (!!). Eine beachtliche Leistung von den Erschaffern, so einen Koloss ohne ausgeklügelte technische Hilfsmittel herzustellen, zu transportieren und aufzustellen. Einer hat sogar eine Art Hut auf dem Kopf. Während eines Bürgerkrieges wurden alle Statuen umgeworfen und 1960 von einer Tsunami-Welle überflutet. In den 90ern wurden sie wieder aufgestellt und sind seitdem, wie die gesamte Insel, UNESCO-Weltkulturerbe.

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Das hindert einen Touristen neben uns allerdings nicht, mit seiner Drohne Luftaufnahmen zu machen. Aber er wahrt zum Glück einen gewissen Respekt vor den Moais und fliegt nicht zu nahe ran. Moderner Tourismus: Selfie-Sticks und Drohnen, alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird abgefilmt!

Speziell Tobias ist total begeistert, weil für ihn mit dem Besuch der Osterinsel (polynesischer Name: Rapa Nui) ein lang gehegter Traum in Erfüllung geht – irgendwie haben es ihm die Statuen schon immer angetan. Aber warum heißt die Osterinsel eigentlich Osterinsel? Sie hat ihren Namen an einem Ostersonntag bekommen, von dem niederländischen Admiral Jakob Roggevee, der 1722 per Schiff unterwegs war und die Insel rein zufällig entdeckt hat.

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Nach 45 Minuten des Staunens begeben wir uns zurück ins Taxi und Fernando überrascht uns mit einer „Bonusfahrt“, die er uns gerne schenken möchte. Wir sagen nicht nein und er macht einen Schlenker zum Rano Raraku, dem erloschenen Vulkan der Insel. Das besondere daran:

Auf dem Südhang befindet sich der Steinbruch, in dem alle Moais erschaffen wurden.

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Von dort wurden sie dann zu ihrem Bestimmungsort gebracht: gezogen/geschoben/gerollt. Wenn man genügend Zeit mitbringt, die wir natürlich nicht haben, kann man hier gegen Bezahlung eines Eintrittsgeldes alle knapp 400 Statuen begutachten, die sich in diesem Bereich befinden. Generell darf man die Moais nicht anfassen oder gar besteigen.

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Dann geht es weiter an den nördlichen Rand der Insel zu einem wunderschönen Strand: Anakena Beach. Der Wind pfeift, die Wellen peitschen und der Sand ist extrem fein. Es ist sehr angenehm, darauf zu laufen. Wir gönnen uns in der Bar einen frisch gepressten Mangosaft und genießen die Atmosphäre.

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Hinter dem Strand, etwas versteckt, stehen ein paar Moais, die wir aus nächster Nähe sehen wollen.

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Auch hier wieder aufgereiht auf einer sogenannten Zeremonialplatte. Vier von sieben haben einen Hut, einen sogenannten Pukao, auf dem Kopf. Dieser wurde getrennt von der Steinfigur produziert und im Nachhinein drauf gesetzt. Was auffällt:

Fast alle Figuren blicken mit dem Gesicht ins Landesinnere, nur wenige auf das Meer hinaus.

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Simone legt sich ins Gras und will entspannen. Als sie sich wieder erhebt, hat sie zahllose, widerspenstige Graskügelchen in Haar und Kleidung, die sich nur mit viel Mühe entfernen lassen. Wie gut, dass wir genügend Zeit haben! :-)

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Die Sonne macht sich schön langsam aus dem Staub, weshalb wir den Rückweg antreten müssen. Fernando schmeißt lokal produzierte Gute-Laune-Musik ein und wir cruisen mit dem Fahrtwind im Gesicht Richtung Flughafen. Leider ist der Kurzausflug auf die Osterinsel fast wieder vorbei… Wir genießen auf dem Rückweg den Anblick vom weiten, grünen Nichts und die wundervollen Farben, die uns das Abendlicht beschert.

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Simone zeigt aufgeregt aus dem Fenster und wir entdecken…

…eine Ansammlung von Wildpferden auf der Wiese

Braune, anmutige und scheue Pferde, die ohne Landwirte ihr Leben zwischen all den Moais alleine bestreiten. Kurze Zeit später muss Fernando bremsen, weil eine andere Gruppe von Wildpferden auf der Straße steht. Langsam und vorsichtig rollt er vorbei, damit wir ein Foto schießen können. Aber sobald wir die Autotür öffnen, wittern die Wildpferde bereits Gefahr und machen sich schnell aus dem Staub…

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Wir bedanken und verabschieden uns von Fernando in Hanga Roa, dem Hauptort der Insel (und wie uns scheint der einzige Ort überhaupt) und setzen uns in ein nettes Restaurant. Die Osterinsel gehört geographisch zu Polynesien, politisch aber trotz einer Distanz von 3.500 km zu Chile. Wir kratzen alle Münzen zusammen und geben unsere allerletzten chilenischen Pesos für eine Empanada de carne (unfassbar lecker!) und ein Bier (solala) aus, während wir auf den Flug warten, der um 23:40 Uhr abheben wird.

Im Wartesaal eines der kleinsten Flughäfen der Welt, lernen wir einen aufgedrehten Amerikaner kennen.

Blake sein Name. Er trägt Jeans, ein weites T-Shirt und wie es sich für einen Ami gehört, ein Baseball-Cap. Wir tauschen uns über Reisepläne aus und sprechen über Gott und die Welt. Es fällt uns auf, dass er sehr hibbelig und aufgedreht ist. Die ganze Zeit geht er irgendwo hin, entweder auf die Toilette, oder zum Rauchen, er verlegt ständig seine Sachen, gibt uns ungefragt battery-packs, damit wir unsere Handys aufladen können, bietet uns Schlaftabletten auf pflanzlicher Basis an und und labert ohne Punkt und Komma. Wirklich ein einzigartiger Kauz, der Hummeln im Arsch hat und den gesamten airport abschreitet, teilweise mit lauter Mucke auf den Kopfhörern, um seine endlose Energie loszuwerden. Wahhhh!!! Beinahe werden wir auch noch nervös in Blakes Anwesenheit! Nicht verwunderlich, dass er gestresst ist: er ist erfolgreicher Jungunternehmer, hat drei Angestellte und packt in seinen dreiwöchigen Urlaub eine Reise, für die man sich locker auch drei Monate Zeit nehmen könnte. Wir amüsieren uns mit ihm und sind froh, dass er uns bei Laune hält, denn mit ihm verfliegt die Wartezeit im Nu. Ein sympathischer Kerl!

Die Osterinsel ist definitiv ein absolutes Highlight auf unserer Reise (neben den San Blas Inseln, neben Yellowstone, neben Galapagos, neben Machu Picchu und vielen anderen Perlen dieser Erde…), das wir nie vergessen werden. Vor allem oder gerade weil wir nur wenige Stunden auf diesem unberührten Fleckchen Erde verbringen durften. Eine höchst exklusive und bemerkenswerte Insel, die wir hoffentlich irgendwann liebend gerne noch einmal in Ruhe besuchen dürfen! Wir steigen in den nur wöchentlich abhebenden Flieger nach Tahiti und schlafen nach einem 20stündigen Tag nicht nur dank der Pillen von Blake wie Babies :-)

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