Ein Nachtbus bringt uns über die wunderschönen kolumbianischen Bergstraßen vor die Tore Ecuadors. Im Morgengrauen kurven wir im Sonnenaufgang bis an die Grenze. Dort wollen uns gleich mehrere düster drein schauende Männer US-Dollar andrehen, die offizielle Währung in Ecuador. Wir lehnen dankend ab und gehen zu Fuß über eine Brücke…

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…um unseren Reisepass im dahinter liegenden Grenzbüro von Ecuador stempeln zu lassen. Für unglaublich günstige 5$ fahren wir 5 Stunden lang von Armenia mit dem Bus nach Quito. Es ist die zweithöchst gelegene Hauptstadt der Welt (2.850 m). Die höchste ist La Paz mit 3.600 m in Bolivien, auch wenn technisch gesehen Sucre (2.808 m) die bolivianische Hauptstadt ist. Whatever. Allerdings werden wir in Quito nicht mit offenen Armen empfangen: das gebuchte Hostel mit den tollen Bewertungen ist einfach mal geschlossen :-) Wir überqueren die Straße und buchen ein Zimmer im erstbesten Hotel.

Die Altstadt von Quito ist sehr gepflegt und voller Kirchen. Alle Bauten sind aus weißem Stein und glänzen in der warmen Sonne. Ein Hügel, genannt „El Pancillo“ gegenüber der Altstadt bietet einen tollen Überblick über Quito und seine wichtigsten Gebäude. Auf dem Hügel trohnt eine riesige Statue, die Virgin de Quito. Fast Dreiviertel der Bevölkerung in Ecuador ist katholisch und die Kirche ist omnipräsent.

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Auf der Plaza de Independencia ereilt uns der Hunger und wir wollen frühstücken: wir sprechen zwei ältere Damen an und fragen, ob es in der Nähe ein nettes Café gäbe.

Die beiden überlegen kurz, rufen „Vamos!“, haken sich bei Tobias ein und starten mit ihm in die nächste Gasse.

Bei einem ausschließlich von Einheimischen besuchten Café genießen wir Instantkaffee von Nescafé. Wie in Kolumbien gibt es offenbar auch hier keine wirkliche Kaffeekultur, unglaublich, wird er doch in der Region angebaut. Dazu gibt es frisch gepressten Orangensaft, frisches Brot und deftige Speisen. Wir sind pappsatt und freuen uns, dass wir viel weniger als 5$ bezahlen – immerhin ein ausgiebiger Brunch für zwei Personen.

Ecuador war früher das einzige Land der Erde, in dem der Äquator mit geografischen Markierungspunkten festgelegt werden konnte. Hier ist also die geographische Breite 0°. Die Mitte der Erde, el „Mitad del Mundo“, wollen wir uns deshalb natürlich nicht entgehen lassen! Überraschenderweise gibt es zwei (!) Orte, an denen der Äquator zu verlaufen scheint. Das liegt daran, dass 1736 mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln eine Stelle als Äquator festgelegt wurde. An diesem Ort wurde ein imposantes Denkmal, ein Monolith mit Erdkugel an der Spitze, inklusive großem Park, Museum und Planetarium gebaut. Von hier aus kann man bei guter Witterung den Vulkan Cotopaxi (5897m hoch) sehen. Der übrigens ausgebrochen ist, weshalb der Nationalpark gerade gesperrt ist. Den Äquator kennt man aus der Schule nur als Begriff. Erstmals wird er für uns zur Realität: ein Schritt nach links und wir sind auf der Südhalbkugel, ein Schritt nach rechts und wir sind auf der Nordhalbkugel, schon eine witzige Vorstellung!

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Im digitalen Zeitalter und mit moderner Technologie wurde der Äquator neu ausgemessen und man stellte fest, dass er sich eigentlich 240 m weiter nördlich befindet. Auch dort gibt es eine Art Museum und ein mit viel Liebe zum Detail aufgebauter Streifzug durch die Geschichte Ecuadors: traditionelle Hütten, Statuen, Gräber etc.

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Wir gehen hin und machen bei interessanten Experimenten mit.

Zuerst müssen wir ein Ei auf einem Nagel balancieren – und das ist überraschenderweise auf dem Äquator recht einfach. Ein weiterer Beweis, dass am Äquator andere Bedingungen herrschen als anderswo, ist das Balancieren auf der Erdmitte. Es fällt uns schwer, das Gleichgewicht zu halten, wenn wir einen Fuß vor den anderen setzen und gerade aus marschieren. Ein paar Meter weiter rechts oder links ist es tatsächlich leichter.

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Der offensichtlichste Beweis ist aber ein Experiment mit Wasser: exakt auf dem Äquator fließt es kerzengerade nach unten und bildet keinen kreisenden Strudel. Auf der Nordhalbkugel hingegen, nur einen Meter entfernt, fließt das Wasser gegen den Uhrzeigersinn und fließt unregelmäßig, gestreut ab. Auf der Südhalbkugel ist es dasselbe Spiel, allerdings kreist das Wasser in die andere Richtung. Wir sind beeindruckt, auch wenn sich das wissenschaftlich (nach kurzer Recherche) nicht beweisen lässt, weil die Corioliskraft auf die geringe Wassermenge eine wohl zu schwache Auswirkung hat, im Gegensatz zu Tornados und Co.

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Wie dem auch sei, am Mittelpunkt der Erde erfahren wir auch noch viel über die Ureinwohner im Amazonas. Sie liefen jahrelang nackt durch die Gegend und führten ein kurioses, interessantes Leben: sie haben sich gegenseitig lebendig begraben, Tee aus Kakteen produziert, der zu Halluzinationen führt (der übrigens noch heute getrunken wird) und Menschen und Tiere skalpiert. Den Kopf haben sie dann in einen Topf voller Kräuter eingelegt, bis dieser zu einem faustgroßen Ball geschrumpft ist und sich diesen dann als Amulett um den Hals gehängt – die so genannten shrinking heads! Eine eigenartige Vorstellung mit dem Kopf der Großmutter um den Hals herumzuspazieren.

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Bei denen wurde es also nie langweilig! Heute leben ihre Nachfahren etwas moderner im östlich gelegenen Amazonasgebiet.

Simone ist total begeistert vom Mittelpunkt der Erde, nur mit Müh’ und Not zerrt Tobias sie in den nächsten Bus Richtung Baños. Das ist ein beliebter Ort im Zentrum Ecuadors. Ein kleines Städtchen mit knapp 20.000 Einwohner, direkt am sehr aktiven Vulkan Tungurahua gelegen. Banós ist berühmt für viele Action-Sportarten, die man dort betreiben kann. Wir entscheiden uns für eine Canyoning-Tour und haben wieder mal Glück in eine kleine Gruppe (mit Guide sind wir zu viert) zu geraten. Low Season sei Dank. Tobias überwindet sogar seine Höhenangst und schmeißt sich – nachdem vor ihm zwei Mädels bereits in den Abgrund gesprungen waren – notgedrungen 45 m hinunter ins Nichts.

Das krasse daran: Man konnte nicht sehen, wohin der Sprung führte.

Das Seil hält und alle überleben 😉

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Anschließend heizen wir unsere ausgekühlten Körper in einem der zahlreichen „hot springs“ wieder auf. Das vom Vulkan erhitzte Wasser speist öffentliche Bäder, in denen zwei unterschiedlich heiße Becken angeboten werden. Einmal knapp über Körpertemperatur (38 Grad) und einmal ein sehr heißes Bad mit 42 Grad Celsius. Man wird ganz gaga im heißen Becken und sollte nur fünf Minuten darin verbringen. Simone will erst gar nicht, da ihre Haut schon beim Hinsehen verbrennt, aber Tobi „zwingt“ sie zum heißen Bad. Erstens wird man porenrein sauber und zweitens muss man einfach alles ausprobieren auf so einer Reise 😉

Unser Hostel in Baños hat ein angeschlossenes Restaurant mit sehr guter Küche zu unschlagbar günstigen Preisen. Auch viele Einheimische kommen mittags zum Lunch vorbei und genießen die regionale Küche – das ist immer ein gutes Zeichen! Wenn trotzdem was übrig bleibt frisst es einfach „Google“, der dicke Hostel Hund :-)

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Zweimal, während wir in Baños sind, bricht der Vulkan aus.

Am Anfang sind wir beeindruckt, lernen aber schnell, dass es hier kaum jemanden juckt.

Das gehört zum täglichen Leben und die Leute sind nur beunruhigt, wenn der Vulkan wirklich stark ausbricht. Dafür gibt es mittlerweile oft geprobte Evakuierungspläne, die auch für all die tausend Touristen ausgelegt sind, wenn der Ernstfall eintritt – das letzte Mal im Jahr 2014.

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Trotz Nebel und schlechtem Wetter machen wir eine Mountainbike-Tour, um die zahllosen Wasserfälle zu sehen, die es entlang des PastazaTales gibt. Zip-Lining über die Schluchten und zum Wasser machen wir dann aber nicht, weil es zu stark regnet und wir die MTB-Tour abbrechen. Ein klappriger, kleiner Lastwagen hat Erbarmen, als er uns im Regen stehen sieht und bringt uns samt Mountainbikes zurück ins Dorf.

Die letzte Station unseres kurzen Ecuador-Abenteuers ist Cuenca. Wir spazieren durch die Altstadt und sind begeistert: alles ist sehr gepflegt und fast jede Ecke mit wunderschönen Bauten gesegnet! Das fällt offenbar nicht nur uns auf, denn die Altstadt wurde 1999 auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt. Cuenca gilt als das „Athen Ecuadors“.

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Wieder einmal haben wir Glück und finden spontan ein tolles Hostel mit integrierter Bar/Restaurant, in dem wir uns sehr wohl fühlen. Wir besuchen das Museum Pumapungo und kriegen so einen groben Überblick über die Geschichte Ecuadors.

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Vom Vorort Turi hat man einen wunderschönen Ausblick auf das gesamte Stadtgebiet und die angrenzenden Berge.

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Direkt neben unserem Hostel fließt der Fluß Tomebamba entlang. Wir spazieren über die Brücken, durch die Grünanlagen und begegnen dabei überraschenderweise… BATMAN! :-) Wie immer taucht er aus dem Nichts aus und ist sogleich auch wieder verschwunden. Simone ist aber schnell und sichert sich ein Beweisfoto*.

*nachdem ihm Tobias 50 Cent als Gegenleistung zusteckt.

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Mit dieser surrealen Begegnung verabschieden wir uns per Nachtbus Richtung Peru, um im Städtchen Piura unseren Last-minute-Flug nach Lima zu erwischen.

P.S.: Und da sich Simone am selben Tag noch die Haare von einem singenden Ecuadorianer schneiden lässt, dieser dann die Haar erstens viel zu kurz schneidet (kleines bis großes Drama) und auch nicht richtig trocken föhnt (bei kaltem Wind und Regenschauer keine gute Idee), erkältet sich Simone auch noch… aber Wundermittel Aspirin Complex lässt sie die anstehende Busfahrt gut überstehen.