STECKBRIEF:

Name: Brent M.

Alter: 64

Beruf: Autor/Künstlermanagement

Geboren/aufgewachsen in: Los Angeles, Kalifornien

Wohnhaft in Kanada seit: 1971

Lieblingsland: Kanada

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T: Brent, du kommst aus Los Angeles, Kalifornien. Warum bist Du 1971 nach Vancouver, Kanada gezogen?

Brent: Als Kind und Teenager habe ich immer davon geträumt eines Tages in der Wildnis zu leben und eine eigene Pferderanch zu besitzen. Mit 19 wurde ich dann von der US-Army einberufen und hatte somit die Wahl: entweder in einem Krieg zu kämpfen, an den ich nicht glaubte, ins Gefängnis zu gehen oder nach Kanada zu fliehen. Ich wanderte also über die nördliche Grenze von Washington nach British Columbia mit meiner Frau und unserem Baby mit nicht mehr als 20 $ in der Tasche. Seitdem bin ich in Kanada. So konnte ich meinen Traum von der eigenen Ranch verwirklichen und gleichzeitig dem Krieg aus dem Weg gehen.

S: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich US Amerikaner gerne über die Kanadier lustig machen. Warum ist das so?

Ich habe nicht das Gefühl, dass sich die Amerikaner über die Kanadier lustig machen. Amerikaner denken gewöhnlich mehr an sich selbst, als sich mit ihren Nachbarn zu beschäftigen. In beiden Ländern, USA und Kanada, gibt es große regionale Unterschiede… von der West-Coast zur East-Coast, vom Großstadtbewohner bis zum ländlich lebenden Volk gibt es große Unterschiede in beiden Ländern. Generell neigen Kanadier mehr dazu – im Gegensatz zu US-Amerikanern – auch die restliche Welt, außerhalb von Kanada, wahrzunehmen. Die US-Amerikaner sind mehr mit sich selbst beschäftigt und interessieren sich für den Rest der Welt nur in Bezug darauf, was sie zu Hause selber betrifft.

T: Du arbeitest im Film Business. Worin genau besteht deine Aufgabe?

Ich arbeite in der Filmindustrie in der Produktion und gleichzeitig auch als Autor von fiktionalen Drehbüchern. In beiden Jobs sitze ich stundenlang vor dem Computer, ich mag das. Früher habe ich Klavier gespielt und selber komponiert, jetzt sitze ich vor dem Computer und schreibe Geschichten! Beim Job in der Filmindustrie erhalte ich vom Casting Direktor Informationen über die Darsteller und das Setting für den nächsten Drehtag. Ich bearbeite und filtere die Informationen und schicke sie den Darstellern sowie all unseren Mitarbeitern. Dabei ist es mein Job sicherzustellen, dass alle Informationen verstanden werden und dass alle Verantwortlichen am Drehort auftauchen, damit reibungslos gearbeitet werden kann. Für diese Aufgabe bedarf es eines großen Verständnisses, was an einem Filmset passiert, die Fähigkeit einen Produktionsplan zu lesen und Anweisungen an alle relevanten Abteilungen/Sets zu delegieren – im Großraum Vancouver und Umgebung.
Nun zu meinem anderen Job: Das Schreiben habe ich schon immer geliebt, bereits in meiner Kindheit habe ich Geschichten geschrieben.

S: Hast Du jemals mit jemand Berühmtes gearbeitet und hast interessanten Klatsch und Tratsch parat? 🙂

Ich habe mit einigen berühmten Leuten gearbeitet, aber in meiner Position muss ich damit strikt vertraulich umgehen. Tut mir leid, kein juicy Gossip zum weitererzählen! (lacht)

S: Schaaade. Wir haben uns schon an Tag eins in Vancouver verliebt. Was macht die Stadt so besonders?

Vancouver bietet ein tolles Ambiente, direkt neben dem Ozean und die Berge sind zum Anfassen nahe. Das Klima ist nie zu warm oder zu kalt, gut temperiert. Und die Luft ist durch das Meer immer frisch und gut. Ich glaube die tolle Umgebung macht die Leute hier jeden Tag glücklich, in Vancouver sein zu dürfen. Außerdem ist es für die Einheimischen – und für Kanadier im Allgemeinen – sehr wichtig, ihre Umwelt sauber zu halten und auch zu erhalten. Selbst in der Innenstadt. Die Natur und die Umgebung sind ein unverzichtbarer Teil all jener, die sich dafür entschieden haben, in Vancouver zu leben. Ich mag eigentlich alles an dieser Stadt!

T: Bitte beschreibe uns deinen typischen Tag in der Stadt!

Ich schreibe am Computer von früh morgens bis ungefähr zur Mittagszeit. Dann mache ich gewöhnlich eine Pause von drei bis vier Stunden und nehme mir die Zeit, einen Spaziergang am Meer entlang zu machen. Oder ich gehe in der Zeit ins Fitnessstudio, schwimme im Pool oder fahre eine Runde mit dem Fahrrad. Gegen 16 Uhr beginne ich meine Arbeit für die Filmindustrie, das dauert dann bis um Mitternacht. Das ist ein typischer Tag für mich!
Mein Lieblingsplatz in Vancouver ist übrigens der Stanley Park. Ich genieße es, dort am Strand entlang zu gehen, die frische Luft einzuatmen oder in den Wäldern umher zu kraxeln / streunen. Ebenso mache ich am Rugbyfeld mein work out, dort gibt es einen eigenen Abschnitt dafür. Und ich fahre oft mit dem Fahrrad an der Strandpromenade entlang. Wenn es nicht regnet, mache ich jeden Tag Yoga im Park. Ich liebe es, so oft wie möglich, im Freien zu verbringen – ich liebe das Meer und die Wälder.

S: Am Ende geht es immer ums Geld: wir haben gehört, dass die Kanadier ein sehr sparsames Volk sind, wohingegen die Amerikaner nicht unbedingt für ihre Sparsamkeit berühmt sind. Was denkst du darüber?

Meistens denken die Kanadier, dass es unhöflich ist, mit jemandem über Geld zu sprechen, auch wenn sie selbst betroffen sind. Ich selbst bin sehr streng mit meinem Budget – das ist der einzige Weg, alle meine Freunde treffen zu können und Dinge zu kaufen, die ich haben will. Kulturell gesehen haben Kanadier von klein auf gelernt, Dinge im Ausverkauf zu ergattern. Warum sollte man $10 für etwas bezahlen, wenn man es auch für 5$ haben kann? Niemand ist sich zu schade dafür, nach einem Schnäppchen Ausschau zu halten – die Kanadier brüsten sich sogar damit, wie wenig sie für etwas bezahlt haben! Im Gegensatz dazu geben US-Amerikaner damit an, wie viel sie bezahlt haben…

T: Was denkst du über die Europäer?

Ich war nur in London, aber trotz des kalten Januar-Wetters habe ich es geliebt! Die Gebäude und deren historische Aspekte haben mich begeistert – ich würde gerne noch mal dorthin reisen oder generell irgendwas anders in Europa sehen. Die Europäer finde ich sehr kultiviert und weltoffener als die meisten anderen Kulturen. Die Europäer, die in Kanada leben oder hierher reisen, scheinen empfänglicher dafür zu sein, die Welt als einen großen Ort zu betrachten und sich nicht nur mit dem kleinen Teil zu beschäftigen, in dem sie wohnen.

S: Was bedeutet Glück für dich – bist du ein glücklicher Mensch?

Ich glaube, ich bin generell ein glücklicher Mensch, einfach weil es meiner Natur entspricht. Wenn ich die Wahl habe, pessimistisch oder optimistisch zu sein, entscheide ich mich immer für den Optimismus. Ich denke, dass es beim Glücklichsein weniger darum geht, was in deinem Leben passiert, sondern darum, wie du es akzeptierst und damit umgehst.

T: Was wünschst du dir für die Zukunft?

More money, more love, more work published – probably all in one!

Frage 11: Was schätzt du an deiner Heimat am meisten?

Als meine Heimat würde ich wahrscheinlich Los Angeles bezeichnen, da ich dort geboren wurde und bis zu meinem neunten Lebensjahr dort gelebt habe. Am meisten liebe ich die Strände dort und die Tatsache, wie viele Menschen sich dort aufhalten, schwimmen gehen, surfen oder einfach nur am Strand entlang spazieren. Los Angeles ist in dieser Hinsicht Vancouver sehr ähnlich: mildes Wetter, die frische Meeresluft und all die Menschen, die sich gerne draußen aufhalten.