Wir steigen in den Flieger von Air Tahiti, um nach Auckland zu fliegen. Eigentlich ist so ein Flug nichts außergewöhnliches, aber der Unterschied zu anderen Fluggesellschaften ist deutlich! Erst einmal haben vom ersten bis zum letzten Mitarbeiter alle ein entspanntes und ehrliches Lächeln auf den Lippen, man fühlt sich sofort wohl. Die obligatorische Blume im Haar wird natürlich auch vom Personal vorgeführt und findet sich als türkises Motiv sogar aufgedruckt auf den angenehmen Ledersesseln und an der Innenwand des Flugzeuges wieder. Dazu erklingt entspannende, traditionelle Musik aus Tahiti und es duftet herrlich.

Wer hier nicht fröhlich ist und lächelt, dem ist nicht mehr zu helfen! 🙂

Das Essen schmeckt auch erstklassig und so landen wir nicht nur wegen unseres Insel-Aufenthaltes, sondern auch wegen des Air Tahiti-Service tiefenentspannt in Auckland. Und aufgrund der Zeitzonen haben wir einfach mal fast einen ganzen Tag (23 Stunden) übersprungen und sind nun 12 Stunden vor Europa. Verrückte Welt! Die Neuseeländer nehmen den Check bei der Einreise sehr ernst. Sie wollen verhindern, dass unachtsam Bakterien, Insekten, Kleintiere, Samen, Früchte, Obst oder sonstiges durch Touristen auf ihre Insel gelangen. Deshalb gibt es außergewöhnlich genaue Kontrollen, inklusive Schnupper-Hunde und saftige Strafen, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Tatsächlich kommt eine nette Security-Dame mit ihrem Bagel auf Tobi zugerannt, der Hund erschnüffelt in seinem Rucksack irgendwas.

Wir sind schon beunruhigt und fragen uns, was er wohl wittert.

Die Dame fragt uns, ob wir Obst im Rucksack haben oder hatten. Tobias fühlt sich ertappt und denkt zurück an den chilenischen Grenzübergang. Tatsächlich hat er vergessen, vor der Einreise einen Apfel weg zu schmeißen. Schon wieder! Leugnen hilft nicht. Wir warten auf die drakonische Strafe, die aber dann doch nicht kommt. Die Dame gibt dem Hund zufrieden ein Leckerli, schmunzelt uns breit an und wünscht uns einen guten Aufenthalt. Vor dem Flughafen brennt die Sonne vom strahlend blauen Himmel, Neuseeland empfängt uns königlich. Der Flughafenbus Skybus ist überraschenderweise sogar mit schnellem WLAN ausgestattet und bringt uns zu unserm Hostel, dem Verandahs Backpacker. Das Hostel steht auf einem Hügel mit Blick auf die Innenstadt, es sind nur wenige Minuten zur Queensstreet und alles ist blitzsauber. Sehr zu empfehlen!

Am nächsten Tag machen wir uns auf in die Innenstadt. Auckland ist die größte Stadt des Landes, aber nicht die Hauptstadt. Dieses Privileg hat sich Wellington, am Zipfel der Nordinsel gelegen, für sich erkämpft. Alles wirkt sehr modern, sauber und gut funktionierend. 1,5 Millionen Einwohner tummeln sich in der Metropole, was ein Drittel der Gesamtbevölkerung Neuseelands ausmacht.

Auf der Insel leben nämlich „nur“ 4,5 Millionen Menschen.

Witzigerweise entdecken wir einen Laden, der Churros verkauft. Seit Lima lieben wir die Dinger! Eine gute Geschäftsidee, es gibt sogar mehrere Filialen und die Expansion läuft, wie wir von der Mitarbeiterin erfahren. Wir erliegen der Versuchung und bestellen uns einen Jumbo Churro. Wenn schon, denn schon.

Churro

Simone ist nach all den südamerikanischen Städten froh, mal wieder andere Klamotten als die kitschigen lateinamerikanischen in den Schaufenstern zu sehen. Hier wimmelt es nur vor cooler Boutiquen und Läden. Tobias versucht sie vor einem angehenden Kaufrausch zu bewahren. Leider nur mäßig erfolgreich, also beugt er sich seinem Schicksal und liest derweil Zeitschriften, schließlich haben wir alle Zeit der Welt.

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Am Ende der Queensstreet befindet sich das berühmte Ferry-Building, an dem heute noch viele Fähren an- und ablegen. Von dort kann man einen schönen Spaziergang durch das Hafengelände machen, welches sehr weitläufig ist. Architektonisch sehr schön gestaltete Brücken, große Hallen, abwechslungsreiche Restaurants und vieles mehr sind zwischen all den Segelbooten und Yachten zu finden. Eine besonders große und schöne segelt unter amerikanischer Flagge – ein Prachtstück!

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Schoene Yacht

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Plötzlich entdecken wir das Rennboot des neuseeländischen America’s Cup-Team. Doch vollbepackt mit Touristen dämmert uns schnell, dass es sich wohl nur um eine Replik handelt, mit der ein bisschen Geld fürs Team dazu verdient wird. Trotzdem sieht das Boot spektakulär aus und hat alle Sponsoren-Aufkleber dran.

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Wir genießen gutes und günstiges Sushi (Fisch gibt es hier natürlich zuhauf) und schlendern durch die Stadt. Auf dem Rückweg zum Hostel kaufen wir im Kathmandu (weitverbreitetes Sportgeschäft) Equipment ein. Um etwas Geld zu sparen und Neuseeland authentisch zu erleben, wollen wir campen. Da kommt uns der sogenannte Boxing-Day, bei dem alle Waren mit sehr guten Rabatten zum Jahresende hin verkauft werden, sehr gelegen. Wir ergattern ein Zelt, eine Camping-Matratze und ein dazugehöriges Aufblasgerät für jeweils 50%. Schnäppchen!

Der Camping-Spaß in Neuseeland kann kommen!

Im hippen Britomarkt mit Mini-Park legen wir uns nieder. Tobi lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen, während Simone kurz die umliegenden Shops abcheckt. Kann ja nicht schaden. Danach gibt es noch eine kurze Italienisch-Einheit. Tobias fragt Simone ab und stellt stolz fest, dass die Zeit in Tahiti viel gebracht hat: Simone beherrscht fast alle Vokabeln fehlerfrei! Español ade, Italiano olé! Oder so ähnlich.

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Am nächsten Tag besorgen wir uns einen Adapter für Neuseeland und Australien, weil zum ersten Mal keiner von unseren vier Reise-Adaptern, die uns in Italien noch als weltweit passend verkauft wurden, mehr passen will. Und dann geht auch schon die bei uns mittlerweile beliebte Free Walking Tour los. Es herrscht so viel Andrang, dass der Gründer einen Freund anruft, der in einigen Wochen sowieso ins Sightseeing-Business einsteigen wollte. So kommt es, dass wir bei seiner Premieren-Tour dabei sind. Schnell stellt sich heraus, dass der Neuling sehr viel weiß, total locker und offen ist und immer wieder Witze einstreut.

Mit einem herzlichen „Kia Ora!“ (Hallo) begrüßt er uns auf Maori und beginnt gut vorbereitet mit seiner Tour.

Er weiß wirklich eine Menge über seine Heimatstadt, die aufgrund ihrer vielen Segelboote auch „City of Sails“ genannt wird.

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Zum Beispiel, dass Neuseeland 1893 das erste Land der Erde war, das den Frauen das Wahlrecht eingeräumt hat. Vorbildlich! Von wegen „am Ende der Welt“… hier war man allen anderen weit voraus! Oder zumindest verkauft man das heute so, damals hatte man nämlich was gänzlich anderes im Sinn: zu jener Zeit gab es auf der Insel ein starkes Alkoholproblem unter den Männern. Um das einzudämmen dachte die Regierung an die pflichtbewussten Frauen, die sich bestimmt auf ihre Seite schlagen würden, wenn sie denn wählen dürften. Wählen durften sie, aber den gewünschten Erfolg brachte es nicht. Denn die Frauen haben sich blöderweise auch FÜR den Alkohol ausgesprochen 🙂

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Der Guide singt ein Lied der Maoris, tanzt mit uns einen traditionellen Haka wie man ihn von Rugbyspielen kennt (was unter vielen Teilnehmern ein hohes Schamgefühl auslöst) und zeigt uns, wie in Auckland Moderne und Traditionen verschmelzen.

Die Neuseeländer sind nämlich stolz auf ihre Einheimischen, was man mit Skulpturen, Pflanzen und Maori-Malereien überall spürt.

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Ach, da war noch was: Jahreswechsel! Silvester feiern wir zum ersten Mal auf der Südhalbkugel. Und dazu noch in einem der Länder, die weltweit als erstes dran sind – dank der Zeitverschiebung. Zuhause sind unsere Familien und Freunde erst 12 Stunden später dan. Wir spazieren spät abends an den Hafen, wo schon zigtausende Menschen auf das Feuerwerk warten, das hoch oben auf dem Sky Tower, dem mit 328m höchsten Gebäuder der südlichen Hemisphäre, stattfinden soll.

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Es herrscht verrückterweise eine ruhige, sehr gemütliche Atmosphäre. Irgendwie haben wir uns die Partystimmung aufregender und größer vorgestellt, aber die Leute hier nehmen das Spektakel nicht so ernst und sind völlig locker drauf, im Gegensatz zu vielen anderen Orten dieser Welt. Erst später erfahren wir, dass das Kaufen von Feuerwerkskörpern in Neuseeland strengstens verboten ist und nur an ein paar wenigen Tagen im Jahr überhaupt erlaubt ist. Silvester gehört lustigerweise nicht dazu…

Um kurz vor Mitternacht zählt die Menge runter: „Ten, nine, eight, …“ und wir genießen das Spektakel: bunte Lichtstreifen schießen durch die Nacht und spiegeln sich im Hafenbecken wieder, schöne Jachten erstrahlen elegant im Schein des Feuerwerks und die Skyline leuchtet unterstützend mit all ihren Lichtern in den Hochhäusern.

2016, herzlich willkommen!

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Ein paar Gläser Wein in einer Hafenkneipe später nehmen wir ein Taxi ins Hostel – das war natürlich keine gute Idee, weil wir im Stau ewig brauchen, aber der Fußweg wäre wohl auch über 40 min gewesen, also was soll’s. In Südamerika hatten wir immer lustige Taxifahrer, die was zu erzählen haben und mit denen wir viel gelacht haben, aber in dieser Nacht erwischen wir einen stolzen, schweigenden Perser, der uns den ersten Tag im neuen Jahr kommunikationsmäßig nicht sehr einfach macht 🙂

Am ersten Morgen des neuen Jahres ist es mit Sonne und Wärme in Neuseeland schlagartig vorbei: heftiger Dauerregen vermasselt uns den Jahresbeginn. Nur mit Müh und Not schaffen wir es trocken in die Autovermietung von Omega Rental Cars. Dort holen wir unser Auto (Nissan) ab, das überraschend gut und neu aussieht, und fahren im Regen Richtung Ostküste. Vielleicht wird das Wetter dort ja besser. Beim Cruisen an der Küste entlang stellt sich sofort wieder das Roadtrip-Gefühl ein, das wir in Kanada und den USA hatten. Großartig! Wir freuen uns schon sehr auf alle Abenteuer, die uns auf der Nordinsel in Neuseeland erwarten!