Mit der Fähre geht’s von Wellington über die Marlborough Sounds auf die neuseeländische Südinsel. Die Fahrt alleine bietet schon eine fantastische Aussicht und ist eine tolle Überleitung zur umschwärmten Südinsel. Viele Reisende finden diese nämlich landschaftlich gesehen noch beeindruckender als die Nordinsel. Wir wollen uns selbst ein Bild machen…

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Knappe vier Stunden später kommen wir in Picton an und machen uns über kurvige Straßen auf zu unserem ersten Ziel: Abel Tasman. Der 225 Quadratkilometer große Nationalpark ist berühmt für seine zahlreichen Buchten mit Sandstränden, türkisfarbenem Wasser und Granitklippen.

Kriechen viele Touristen die Serpentinen im Schneckentempo hoch, geht uns Alpenkindern beim Fahren von den engen Kurven das Herz auf und starten das eine oder andere Überholmanöver.

Was sofort auffällt: hier geht es noch ursprünglicher zu als auf der Nordinsel.

Gefühlt gibt es hier weniger Verkehr, weniger Shops und Restaurants, dafür noch mehr Natur.

Irgendwann entdecken wir dann endlich – wir sind schon knapp am verhungern und verdursten – ein kleines Schild mit der Aufschrift „Food – OPEN“. Wir biegen ab und fahren zu einem scheinbar verlassenen Hof mitten im Nirgendwo. Spinnweben an Türen und Fenster machen nicht unbedingt den Eindruck, als würde sich öfter jemand hierhin verirren. Aber der Schein trügt. Als wir endlich den Eingang finden präsentiert sich uns eine sehr urige Gaststube, die bis oben hin voll ist mit verstaubten Sportartikeln. Es ist dunkel und man spürt direkt die Aura der betrunkenen Stammgäste. Wir bestellen potato wedges (noch das gesündeste auf der Speisekarte) und genießen das Wild-West Flair. Ein Stammkunde betritt den Laden, sein Akzent kaum verständlich, sieht uns skeptisch an und bestellt sein obligatorisches Bier.

Der Typ kommt uns nicht ganz koscher vor und wir verkrümeln uns mit unserem fettigen Snack nach draußen.

Etwas später landen wir in dem Dörfchen namens Kaiteriteri – ein beliebtes Wochenendziel der Einheimischen und nur wenige Minuten entfernt vom Eingang des Abel Tasman Nationalparks. Auch wir könnten uns vorstellen, hier ein Wochenendhäuschen zu haben, der Ort liegt am Strand, ist klein, nicht so überlaufen und richtig süß. Wir machen einen Strandspaziergang und Simone lässt Tobi nach langer Führung beim Minigolf gewinnen. Für die Harmonie muss man eben manchmal Opfer bringen 😉

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Für den nächsten Tag nehmen wir uns viel vor, zum Glück hat die Nordinsel unsere Wanderkondition nach oben schnellen lassen. Von Marahau wandern wir vier Stunden bis nach Anchorage und dann wieder vier Stunden zurück. Proviant besorgen wir uns zuvor in einem Food Truck im Dorf, der von eingefleischten Kiwis und mit ganz viel Liebe geführt wird. Sie schwärmen von ihrem Land, während sie im kleinen Gärtchen nebenan frische Kräuter für unser Sandwich pflücken.

Auch dieses Mal lohnt sich die Anstrengung wieder, traumhafte Strände, strahlend blauer Himmel und ein sehr gepflegter Wanderweg. Die Kiwis lieben ihre Nationalparks! Zum Baden ist das neuseeländische Meer eindeutig zu kalt, aber uns reicht es schon diese wunderschönen, satten Farben zu bestaunen.

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Unser Endziel „Cleopatra’s Pool“ macht seinem Namen alle Ehre – bis auf die eisige Temperatur des Wassers hätte Cleopatra hier sicher gerne ein Bad genommen. Besonderes Detail an dieser Lagune: es gibt eine natürliche Rutsche.

Heißt: ein Felsen wurde vom Wasser über Jahrtausende wie eine Rutsche geformt.

Wäre das Wasser nicht so verdammt kalt, würden wir sie gerne ausprobieren, aber schon die Zehen frieren beim Wassertest ein.

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Nach acht Stunden sind wir richtig gut ausgepowert, genießen Burger und Wrap in der Abendsonne und machen uns auf nach Nelson, wo wir die nächste Nacht verbringen wollen. Leider ist Wochenende und die Unterkunftssuche wird fast zu einem Ding der Unmöglichkeit. Alles ausgebucht. In einem der Hostels bitten wir um WLAN und Telefon, damit wir mit der Suche schneller vorwärts kommen. Tobi recherchiert, Simone telefoniert. Perfekte Arbeitsteilung, mittlerweile sind wir routiniert.

Es klingelt auf der anderen Leitung, eine etwas unmotivierte, schüchterne Stimme meldet sich. Nach langer Stille, Simone erkundigt sich zwischendurch mehrfach, ob noch jemand dran sei, die Erlösung: Ja, ein Doppelzimmer ist noch frei. „Wie viel kostet eine Nacht?“ will Simone wissen. Nochmal: lange Stille. Ob er denn nicht wüsste, wie viel eine Nacht koste? Schön langsam wird das Gespräch immer eigenartiger. Nein, er wisse es im Moment nicht. Wie das denn möglich wäre – warum kann er uns den Preis nicht nennen? Simone wird ungeduldig. Die Stimme am anderen Ende muss seinen Papa fragen, aber der ist im Moment nicht da.

Hmmm, Simone glaubt mittlerweile, dass das alles ein schlechter Scherz sei und derjenige auf der anderen Leitung nicht ganz dicht ist.

Nach einer halben Ewigkeit nennt er endlich den Preis und wir schlagen, aufgrund mangelnder Alternativen, zu. Noch etwas verstört von diesem sehr seltsamen Telefonat bewegen wir uns wieder Richtung Ausgang. Da hören wir eine vertraute Stimme: Andreas, den wir auf der Nordinsel eine Woche lang im Auto mitgenommen haben, sitzt im Aufenthaltsraum. Was ein Zufall! Wir unterhalten uns, verabreden uns lose für die nächsten Tage und machen uns auf den Weg zu unserem Motel. Mittlerweile ist es schon sehr spät und wir können uns kaum noch auf den Beinen halten.

Im Motel angekommen, lüftet sich dann das Geheimnis des Telefonates. Simone hatte mit einem kleinen, ungefähr 8jährigen Jungen telefoniert. Wir erledigen mit ihm die Formalitäten und gehen auf unser Zimmer. Kurz bevor wir uns hinlegen, klopft es an der Tür und eine unheimliche Stimme säuselt: „Hello?“. Simone hat den Jungen schon längst wieder vergessen und vermutet einen Perversen auf der anderen Seite, will die Tür nicht öffnen. „Hellooo?“, säuselt er wieder. Bis Tobi reagiert: „Das muss der Junge sein, mach auf!“ Und ja, er ist es wieder. Ganz eingeschüchtert steht er vor der Tür, weil er vorhin vergessen hatte unsere Namen im System zu vermerken. Ein junger, aber mutiger Hotelmanager 🙂

Nach dem langen letzten Tag lassen wir es heute ruhiger angehen. Wir passieren Blenheim, DIE Weingegend Neuseelands mit angeblich hervorragendem Sauvignon Blanc. Spontan entscheiden wir uns für eine kleine Weinverkostung und fragen bei den Einheimischen nach, welche der Weingüter sie empfehlen würden. „Cloudy Bay! Ihr werdet es lieben!“

Ein Familienbetrieb, gepflegt, edel, nicht zu groß und einfach wunderschön. Die Sonne zeigt sich auch, ein perfekter Tag für eine kleine Weinverkostung! Die nächsten Stunden verbringen wir also auf deren Terrasse mit Sicht auf die Weinreben, …

…bei ein paar Gläser Wein, feinstem Büffelmozzarella und Ciabatta. Herrlich!

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Als wir uns dann endlich aus den Liegestühlen schälen können, fahren wir weiter nach Kaikoura. Der wohl beste Ort in Neuseeland, um Wale und sonstige Meeresbewohner live zu beobachten. Wir fahren die wunderschöne Küste entlang und kommen an der Seals Bank vorbei. Und tatsächlich sonnen sich hier einige Seelöwen und spielen im Wasser – Natur pur!

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In Kaikoura angekommen finden wir ein nettes Hostel, mit Ben, einem ehemaligen Backpacker als Manager. Er weiß, worauf es ankommt und führt das Unternehmen mit viel Liebe. Günstige und gute Angebote, herzliches und familiäres Flair mit wöchentlichen auf Spenden basierendem BBQ. Alles ist sauber und cool eingerichtet ist es auch noch. Super Konzept! Wir fragen Ben nach Whalewatching Möglichkeiten und er gibt uns den Tipp, das Segelflieger Angebot zu nehmen. Warum auch immer, ist es günstiger als mit dem Boot aufs Meer zu fahren und man sieht die Wale vor allem von oben in ihrer vollen Pracht anstatt nur vom Boot aus, höchstens den Schwanz. Er telefoniert kurz mit dem Anbieter und fragt, ob wir schon in einer Stunde am Flughafen sein könnten. Ben rät uns dringend dazu, weil noch Plätze frei sind auf dem letzten Flug und heute der perfekte Sonnentag ist. Morgen soll es schon wieder Regen geben. Wir überlegen nicht lange, beziehen unser Zimmer und fahren sofort los.

Wenig später starten wir auch schon mit der Mini Propellermaschine und können unser Glück kaum fassen: nach nur fünf Minuten Flug entdeckt der Pilot zwei Pottwale, die gerade an die Oberfläche schwimmen, um Luft zu holen.

Ein einmaliger Anblick, denn die beiden schwimmen parallel! Fast wie Synchronschwimmen 🙂

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Es ist faszinierend ihnen zuzusehen, vor allem ihre beachtliche Größe: sie sind die größten bezahnten Tiere der Welt. Bullen werden bis zu 20 Meter lang und 50 Tonnen schwer. Pottwale ernähren sich hauptsächlich von Tintenfischen.

Dann entdecken wir auch noch einen Schwarm Delphine, die lustig und verspielt in die Luft springen und ein paar Grindwale, die sich unter die Menge mischen. Atemberaubend, wir sind voller Endorphine!

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Es ist der letzte Flug des Tages für den Piloten, er dreht nochmal eine extra Runde mit uns und danach trinken wir zusammen ein Feierabendbier.

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Als wir ins Hostel zurück kommen ist das BBQ schon in vollem Gange und wir gesellen uns dazu. Zufrieden, satt und glücklich lassen wir den Abend mit einem Schweizer Pärchen ausklingen, mit denen wir uns auf Anhieb super verstehen.

Wie erwartet regnet es am nächsten Tag und wir sind zu einer Zwangspause verdammt, die uns nicht so ungelegen kommt. Also chillen wir im Hostel, planen die nächsten Tage und lesen in unseren Büchern. Das einzig spannende an dem Tag: ein neuer Mitbewohner zieht in unser vier Personen Zimmer ein.

Er zieht seine stinkenden Käseschuhe aus und verlässt den Raum, um auf der Terrasse Bier zu trinken.

Danke dafür! Irgendwann kann Simone nicht mehr atmen und bevor sie den Erstickungstod stirbt, trägt sie ihm seine Schuhe hinterher.

Wer sich mittlerweile fragt, was aus unserem Camping Abenteuer geworden ist: nicht viel. Das Wetter ist zu wechselhaft, abends wird es richtig kalt, außerdem hat unsere Matratze immer noch ein Loch und wir hatten immer noch keine Gelegenheit sie umzutauschen. Simone soll es Recht sein. Dieses Zelten war sowieso von Anfang an eine blöde Idee 😉

Die Sonne scheint wieder, was Simone sogleich veranlasst ihre Flip Flops anzuziehen für unseren Spaziergang über die Peninsula. So warm wie es aussieht ist es aber nicht und Tobi wundert sich mittlerweile nicht mehr, wenn Simone wieder eine Erkältung plagt. Sie hingegen nennt es Vorbeugung und Abhärtung gegen die nächste Krankheit. Aha.

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Wir legen einen Boxenstopp in Christchurch ein und treffen Tobis Kumpel Daniel aus Südtiroler. Die beiden kennen sich seit über 15 Jahren. Bei ihm werden wir nach unserer Südinsel Tour ein paar Tage bleiben (Christchurch Artikel folgt). Dem Campingausstatter Kathmandu statten wir einen Besuch ab um unsere Zeug zurückzugeben. Sie erstatten uns nur noch das Geld der kaputten Matratze zurück, auf dem Rest bleiben wir sitzen. Wir werden es mit Daniels Hilfe online verkaufen.

Unser Roadtrip führt uns weiter zu den Moeraki Boulders – eine einzigartige und außergewöhnliche Ansammlung von runden Steinformationen! Die Kugeln haben einen Durchmesser von 0,5 bis 2m und sind teilweise nahezu perfekt rund.

Ein völlig surrealer Anblick!

Sie bestehen aus Schlamm, feinem Lehm und Ton, alles zusammen wird von Calcit gekittet. Die Entstehung vor Millionen Jahren ist kompliziert zu erklären, hier kann man mehr lesen.

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Schließlich landen wir in Oamaru, einem sehr ungewöhnlichen Städtchen, wo wir nach längerer Suche in einem Hostel landen, mit einem noch ungewöhnlicheren Manager. Er trägt langes Haar, hat aber keine Zähne. Er riecht nach Alkohol und läuft in Ganzkörper Ledermontur rum. Dafür hat er blendende Laune und reißt unaufhörlich schlechte Witze. Wir sind amüsiert und genießen das Spektakel, außerdem ist es ein guter Einstieg in die Stadt, die sich dem Thema Steampunk verschrieben hat. Hier besuchen wir wohl das eigenartigste Museum unserer Reise, in dem sich viele Requisiten mit Horrorfilm Qualität befinden.

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Das Herzstück des Museums ist der abgefahrene Spiegelsaal, in dem wir eine fünfminütige Lichtershow bestaunen. Simone will diese in der zukünftigen Wohnung ebenfalls installieren:

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Das Wetter spielt uns momentan nicht so in die Karten, es ist kalt und grau und schlägt uns langsam aber sicher aufs Gemüt. Die Sonne Südamerikas fehlt uns! Ein kurzes Aufflackern der Stimmung (zumindest bei Tobi) gibt es, als wir in ein Oldtimertreffen geraten und er schöne Autos sieht. Und ein weiterer kurzer Lichtblick gibt es für uns, als wir die Pinguine am Hafen entdecken. Ansonsten denken wir an das Traumwetter und die warmen Temperaturen der letzten Monate zurück. Der Mensch will eben immer das, was er nicht hat 🙂

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Das positive an der Sache, wir haben ein paar Stunden Autofahrt vor uns und verpassen daher nicht viel. Während der Regen auf die Scheiben prasselt, versuchen wir uns mit Gesang und Gesprächen bei Laune zu halten (die Radiosender kann man hier allesamt vergessen: entweder wird nur geredet oder man hat eh keinen Empfang).

Aber selbst ein vorbei fliegender Vogel schmeißt sich vor unser Auto und wir können seine Verzweiflung ein Stück weit nachvollziehen.

Unser Humor und unser von der Reise geprägtes positives Denken retten uns aber immer wieder. Wir lassen uns nicht unterkriegen, denn immerhin machen wir gerade die Reise unseres Lebens! Ein Roadtrip durch Neuseeland muss halt auch regnerisch sein, so ist das hier nun mal. Könnte wirklich schlimmer sein!

Und siehe da: je näher wir nach Dunedin kommen, unserem nächsten Stopp, desto weniger wird der Regen. Bis er pünktlich zur Ankunft sogar komplett verschwindet und wir für die Stadtbesichtigung strahlenden Sonnenschein haben. Leider nicht 🙂

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Seit langer Zeit haben wir mal wieder eine Unterkunft über Airbnb gebucht und sind richtig zufrieden mit unserer Wahl. Wir haben ein komplettes Haus für uns alleine zur Verfügung und ein wirklich gemütliches Zimmer. Außerdem einen tollen Ausblick über das Tal.

Die Besitzerin lernen wir erst spät abends kennen, nachdem wir von unserem Kinobesuch (The Revenant, super Film, Oscar ist verdient!) zurückkommen. Sie schläft im Wohnwagen vor der Tür, war auf einer Geburtstagsparty und ist zieeemlich angetrunken. Sie hat einen Hund, der im Dunkeln aussieht wie ein aggressiver Kampfhund. Nicht gut. Der Hund sieht uns nämlich zum ersten Mal und versperrt uns den Weg, bellt wie verrückt unser Auto an. Wir trauen uns gar nicht auszusteigen, zumal Simone vom chilenischen Hundebiss noch traumatisiert ist und Tobi sowieso großen Respekt vor Hunden hat. Wir versuchen der Besitzerin durchs Fenster schreiend klar zu machen, dass sie bitte den Hund sonst wohin sperren soll. Aber durch ihren Alkoholeinfluss ist sie nicht besonders schnell von Begriff und wird von tiefer Trauer übermannt, weil sie nicht fassen kann, wie man sich vor ihrem Hund fürchten kann. Irgendwann verschwindet der Hund endlich in den Wohnwagen und wir steigen aus. Es tut ihr alles so leid, sie umarmt uns und würde am liebsten noch ein Versöhnungs-Getränk (vermutlich alkohlischen Ursprungs) mit uns trinken.

Nach acht Stunden göttlichem Schlaf in unserem persönlichen Himmelbett wollen wir die steilste Straße der Welt, die Baldwin Street, besichtigen.

Die Straßen von San Francisco kamen uns steiler vor (kann aber auch daran liegen, dass wir sie hochgeradelt sind), aber das Guiness Buch der Rekorde wird schon seine Hausaufgaben gemacht und richtig recherchiert haben.

Wir glauben also mal, dass es sich um die steilste Straße der Welt handelt, …

… nehmen ein bisschen Anlauf mit unserem Mietauto und – scheitern! Scherz. Oh Wunder, wir schaffen es bis ganz nach oben, aber ja, steil ist sie schon sehr!

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Und wenn wir schon mal da sind fahren wir auch noch zum höchsten Punkt der Peninsula, wo man einen schönen Blick über Dunedin und Umgebung hat.

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Dann geht es weiter nach Invercargill und wir haben schon wieder Glück mit einer grandiosen Airbnb Wohnung. Generell merken wir, dass wir für Airbnb gleich viel zahlen wie für ein Hostel, allerdings das Doppelte an Leistung bekommen. Als kleiner Tipp für Neuseelandreisende 🙂 Mittlerweile haben wir auch schon 3.000 Kilometer auf dem Tacho und sind schon so ans links fahren gewöhnt, dass wir zurück in der Heimat wahrscheinlich wieder Probleme mit Rechtsverkehr haben werden.

In Bluff, das nächste Dörfchen nach Invercargill, ist der südlichste Punkt Neuseelands und hat vor allem einen tollen Rundweg:

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Nach Invercargill kommt man eigentlich nur, wenn man dem Nationalpark The Catlins einen Besuch abstatten will. Bis auf das Motorrad von „The fastest Indian“ hat die Stadt aber nicht recht viel mehr zu bieten.

Wir starten den nächsten Tag Richtung Catlins, haben uns schon eine Route mit der einen oder anderen Wanderung zurechtgelegt, da erspähen wir einen bärtigen jungen Mann mit großem Rucksack am Straßenrand.

Er streckt den Daumen raus und da wir großartige Laune haben, halten wir an.

Geoff ist ein Feuerwehrmann aus Vancouver Island und wir verstehen uns auf Anhieb prächtig. Insgeheim hoffen wir natürlich, dass wir bei unserem nächsten Vancouver Besuch einen Schlafplatz bei ihm vorfinden 😉

Es ist eine Premiere für uns auf dieser Reise, dass wir einen Hitchhiker mitnehmen. Wenn die Bekanntschaften beim Autostopp immer so nett sind, sollten wir das definitiv öfter machen. Eigentlich will Geoff nur bis zur nächsten größeren Kreuzung mitfahren, am Ende verbringen wir aber den ganzen Tag gemeinsam, wandern versteckte Pfade zu zwei absoluten Traum-Wasserfällen und erkunden die Catlins.

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Darunter Curios Bay, das für seine Seelöwen bekannt ist – die wir an dem Tag aber leider nicht sehen, die Cathedral Caves – Höhlen, die an dem Tag leider geschlossen haben (wegen wahnsinnigen Touristen, die ein Selfie mit den Robben machen wollten, eine davon hat sie dann angegriffen). Das einzige, was dann in der Ecke aber doch noch zu besichtigen ist, sind die McLean Wasserfälle, die sehr hübsch anzusehen sind. Wir tragen es mit Fassung, dass wir die Höhlen nicht sehen können, schließlich sind wir mit Geoff in guter Gesellschaft und die Natur war in Neuseeland trotzdem wieder einmalig.

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Wir lassen Geoff auf seinen Wunsch hin auf der Straße stehen und fahren zurück in unsere gemütliche Airbnb Wohnung in Invercargill, wo wir mit dem Familiengrill ein paar Lammkoteletts inklusive Gemüse auflegen. Da beim Einkauf die Augen wie so oft größer waren als der Magen, haben wir zu viel Fleisch. Ein paar Lammkotelettes schenken wir deshalb den Kindern der Gastfamilie, die grad ein paar Freunde zu Besuch haben. Gut erzogen bedanken sie sich ungefähr 100 Mal. Auch nochmal ausführlich am nächsten Morgen. Nette Kinder!

Wir brechen auf zu den berühmten Milford Sounds und hoffen, dass uns das Wetter nicht im Stich lässt.

Von Tobis Kumpel Daniel aus Christchurch bekommen wir einen tollen Tipp für unsere Unterkunft im Städtchen Te Anau. Wieder mal wird das Hostel „Rosis Backpacker“ mit viel Liebe geführt und alle Gäste fühlen sich wie zu Hause, bilden eine Familie. Ein einmaliges Hostel, wir haben genügend Vergleiche gesehen!

Der nächste Tag beginnt früh, denn wir haben viel vor. Auf dem Weg zu den Milford Sounds, die wichtigste Attraktion im Südwesten der Insel, gibt es viele lohnenswerte Stopps mit Spiegelseen, Wasserfällen, Tälern, Bergen, Wanderungen…

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Benannt wurde der 15 Kilometer lange Fjord, der von bis zu 1200m hohen Felswänden umgeben ist, nach dem walisischen Ort Milford Haven 1823 durch den europäischen Entdecker John Grono. Entstanden ist das heutige Weltnaturerbe der UNESCO durch die Gletscherbewegungen der Eiszeiten. Jährlich fallen hier bis zu 8000mm Niederschlag, weshalb der Milford Sound auch zu den regenreichsten Gebieten der Erde zählt.

Charakteristisch sind die nach jedem Regenfall Dutzende vorübergehende Wasserfälle an den Steilhängen, von denen einige eine Länge von einem Kilometer erreichen! Von diesem Fleckchen Erde könnten wir stundenlang erzählen, aber wir zeigen euch lieber Fotos. Trotz schlechtem Wetter ist die Natur hier einzigartig!

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Abends sind wir richtig ausgepowert, kochen uns Pasta und Couscous und fallen ins Bett.

Queenstown is „the place to be“, wenn man sich auf der Südinsel befindet und Action erleben möchte. Wunderschön am See gelegen ist es vor allem bei den jungen Leuten heiß begehrt. Denn hier wurden einige Actionsportarten quasi erfunden: zum Beispiel gab es hier den ersten Bungee Sprung der Welt und ein Einheimischer hat die Shot Over Jet Boote erfunden (später mehr dazu).

Hier gibt es alles was das Adrenalinherz begehrt!

Wie so oft in Neuseeland führt uns unser Roadtrip nach Queenstown wieder an einer atemberaubenden Küstenstraße entlang, mit vielen Aussichtspunkten, bei denen es sich wirklich lohnt anzuhalten und ein Foto zu schießen.

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Außerdem kommen wir mittags an einem kleinen aber feinen Foodtruck vorbei, wo wir mit Sicherheit einen unserer besten Burger unseres Lebens essen. Fantastische Zutaten, super Gewürze! Hier treffen wir auf einen eingefleischten Kiwi, der uns im tiefsten Neuseeländer Akzent seinen Ärger über die Chinesen verkündet. Wir verstehen zwar nur die Hälfte aufgrund seines Dialektes, aber es ist sehr amüsant. Er regt sich furchtbar darüber auf, dass die Chinesen viele Immobilien in Neuseeland aufkaufen und man sich mit ihnen nicht mal unterhalten könne, weil sie so schüchtern seien und schlecht Englisch sprächen. Ein lustiger Kauz!

In Queenstown angekommen, ist es erstmals auf der Südinsel sehr hektisch. Alles ist sehr touristisch, top organisiert und die Stadt voller Leute. Darauf stehen wir gerade nicht und fahren weit hinein ins Tal und freuen uns schon sehr auf einen bevorstehenden Adrenalinkick: wir haben uns nämlich für eine Fahrt im Shotover Jet Boat entschieden! Das sind hochmotorisierte Boote, die extrem schnell und wendig sind. Damit wird man zusammen mit 10-15 anderen Leuten durch einen wunderschönen Fluss gefahren und glaubt an jeder Kurve, dass man gegen die Felsen knallt. In letzter Sekunde reißt der Pilot das Ruder rum und weiter geht die rasante Fahrt im 250.000 $ teuren Boot. Die Boote benötigen nur 10 cm Wassertiefe, um zu funktionieren! Wasser wird über den Unterboden angesogen und mit extrem hoher Geschwindigkeit von einer Turbine wieder ausgespuckt (200 Liter pro Sekunde!).

Zwei V8-Motoren sorgen für die nötige Power.

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Nach sechs 360-Grad-Drehungen auf dem Wasser und 30 Minuten Fahrt ist es dann leider schon vorbei. Hier ein Videolink, damit ihr einen realistischen Eindruck davon habt.

Bei unserer späteren Stadtbesichtigung treffen wir plötzlich ein bekanntes Gesicht: Kati aus Schweden, mit der wir auf der Nordinsel eine Weile gereist sind, läuft uns wieder über den Weg! Die Welt ist so klein und Neuseeland sowieso 🙂

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Auch wenn wir selbst nicht springen, bleiben wir eine halbe Ewigkeit bei der ältesten Bungee Jump Brücke der Welt stehen, wo wie am Fließband die Touristen in die Tiefe springen. Wirklich tief ist es nicht, aber wunderschön! Es ist alles top organisiert, alles durchoptimiert, man fühlt sich sicher und Simone überlegt auch kurz, ob sie es wagen soll. Aber erst einmal mal beobachten wir das Schauspiel mit einer Familie, die am Rand steht und ihre beiden kleinen Jungs anfeuert, die als nächstes dran sind.

Der ältere ist um die 10 Jahre, der jüngere vielleicht 8. Muss das in dem Alter schon sein? Aber anscheinend haben die zwei so lange gebettelt, bis sich die Eltern erweichen lassen haben. Der ältere will zuerst springen, kneift dann aber kurz vorm Sprung. Er bringt es nicht übers Herz und weint aus vollem Herzen, viele Leute schauen zu, das ist natürlich ein Alptraum für ein Kind. Dann springt sogar sein jüngerer Bruder, die Last auf dem älteren steigt, er probiert es noch einmal – und scheitert wieder. Bei diesem Anblick möchte man ihn in die Arme nehmen und trösten. Nicht hingegen seine Mutter, die ihn anschreit, dass er jetzt endlich springen und sich nicht so anstellen soll! Wahnsinn. Auch Tobi hält es nicht mehr aus mitanzusehen, wie seine Mutter ihn vor versammelter Mannschaft bloß stellt.

Der kleine Junge zittert und schluchzt vor Angst und Scham.

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Tobi ergreift die Partei des Jungen, versucht der Mutter ins Gewissen zu reden, es auch mal gut sein zu lassen. Sie lässt sich aber nicht beirren, immerhin habe dieser Sprung viel Geld gekostet und es gäbe keine Rückerstattung. Manche Menschen sind einfach unverbesserlich!

Irgendwann wird es spät und wir müssen noch weiter nach Wanaka. Dort finden wir ein nettes Hostel und beenden den ereignisreichen Tag mit einer Flasche Wein und Oliven, wir haben keine Lust mehr, essen zu gehen oder zu kochen.

Hier in Neuseeland kommt man ums Wandern einfach nicht drum rum, es gibt einfach zu viele und zu schöne Trails, die erkundet werden wollen. Wie zum Beispiel der zum Rob Roy Glacier, den wir uns für den nächsten Tag vorgenommen haben. Wer weiß, wie lange der Gletscher noch zu sehen ist, bevor er weiter schmilzt? Über eine Stunde dauert die Anfahrt über eine nicht mehr enden wollende holprige Schotterpiste. Ein kleines Autorennen mit einem einheimischen Van über Stock und Stein verlieren wir, unser kleiner Nissan ist einfach nicht für diese Straßen gemacht.

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Schafe, Kühe und sonstige Tiere beobachten uns bei der Fahrt ins Tal und pünktlich als wir den Parkplatz erreichen, fängt es an zu regnen! Oh, Neuseeland – sei doch mal ein bisschen gnädig mit uns! Wir wandern natürlich trotzdem los, was haben wir schon für eine Wahl? Aufgeben ist nichts für uns, die richtige Kleidung ist entscheidend! Und trotz des Nebels, lohnt sich der dreistündige Aufstieg wieder mal, wie man sehen kann:

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Gleichzeitig werden wir auch melancholisch, als wir Zeuge davon werden, wie große Gletscherbrocken weg brechen und krachend in die Tiefe stürzen.

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Unsere Kinder werden den wahrscheinlich nicht mehr zu Gesicht bekommen. Nachdem wir die Schotterpiste auch wieder eine Stunde lang zurück fahren müssen (verdammte Straße!) belohnen wir uns mit einem Cappuccino direkt am See. Auch, wenn der das doppelte als sonst kostet.

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Wir wollen noch ein bisschen Strecke machen, müssen immerhin wieder zurück nach Christchurch…

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…und landen irgendwann erschöpft in dem kleinen, unbedeutenden Städtchen namens Twizel. Wir wollen nur übernachten und gleich weiter fahren, können es nicht fassen, dass hier alle Hotels, Hostels und Motels ausgebucht sind. Was zum Teufel machen die Leute hier? Am Ende finden wir dann aber doch noch eine kleine freie Campingkabine aus Holz im Wald. Ohne Strom, ohne Luxus. Irgendwie cool!

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Außer einem Bett gibt es nicht viel in der Hütte, wir schlafen aber trotzdem göttlich. Nach einem riesigen Frühstück und ein paar Stunden Fahrt kommen wir endlich in Christchurch an. Mittlerweile haben wir fast 5.000 Kilometer auf dem Tacho, ganz schön viel für so ein „kleines“ Land! In der von Erdbeben gezeichneten Stadt treffen wir wieder auf Tobis Kumpel Daniel inklusive seiner Freundin Johanna, mit ihnen verbringen wir ein paar sehr schöne Tage. Aber das ist eine andere Geschichte…

Tacho