Vorerst kehre ich München den Rücken. Ob es ein Abschied für immer ist oder nur vorübergehend, wird die Zeit zeigen. Wenn es nach einer alten österreichischen Redensart geht, dann ist das Kapitel aber vorerst abgeschlossen. Denn:

„Aufgwärmt is nur a Gulasch guat“

Ich hatte nie wirklich ein Heimatgefühl – erst als ich immer mehr und immer länger im Ausland war, habe ich dieses Wort „Heimat“ erstmals begriffen. Man merkt sehr wohl Unterschiede in der Mentalität, ob man sich mit Amerikanern, Engländern oder sonst wem umgibt. Einige meinten, Austria wäre Australien – „oh cool, where the kangaroos live“ oder haben mich charmant aufgefordert doch bitte einmal auf österreichisch „geh scheißn“ zu sagen – das wäre doch zu lustig. Bis dahin war mir gar nicht bewusst, wie oft man als Österreicher in die Fäkalsprache rutscht.

Ja, im Ausland beschäftigt man sich zwangsläufig mehr mit der Frage,
wo man denn her kommt, als man dieser Frage zu Hause nachgeht.

Was man auch mehr zu schätzen lernt, wenn man nur ab und zu nachhause kommt, ist die Natur. Für mich ist Österreich mittlerweile ein Ort geworden, wo ich hinfahre, wenn ich Kraft tanken will oder Ruhe brauche. Und wenn ich den ersten Atemzug nehme, eine kräftige Brise „Odl“ (Als Jauche, im mittelbairischen Sprachraum auch Ådl und im alemannisch-schwäbischen Sprachraum Gülle oder Bschütti, bezeichnet man eine Sammlung flüssiger Exkremente von Tieren und Menschen in entsprechenden Auffangbecken) einatme und die ersten „Fleischlabal mit Erdäpfelpüree“ (zu deutsch: Frikadellen mit Kartoffelpüree) esse, weiß ich, dass die Erholung JETZT beginnt.
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Wien ist anders!

Und wem es etwas städtischer mehr „taugt“ (dt.: gefällt), der sollte einmal im Leben die österreichische Hauptstadt besuchen. Denn „Wien ist anders“.Vier Jahre habe ich dort verbracht und so einige Ober, alte Damen oder Busfahrer fluchen hören „der Wappler, der g’schissene“ (ich glaube tatsächlich, dass in keiner anderen Stadt so viel geflucht wird – außer vielleicht in der Bronx in New York City) – aber die Stadt ist an ihrer architektonischen Schönheit kaum zu überbieten und ob der Steffl, Schloss Schönbrunn oder die Hofburg – sie alle versetzen einen regelmäßig in die Zeit der K.u.K Monarchie zurück.

Ob Österreich das Land ist, wo ich mich eines Tages niederlassen will, wird sich zeigen. Erst mal freue ich mich, dass es nach anfänglichen Schwierigkeiten mit meiner Heimat „Geh‘ bitte, sind hier alle engstirnig und ist hier alles kla“ (klein) mittlerweile in „Ach, ist hier alles schön ruhig und sind hier alle entspannt“ umgeschwappt ist. Was kann schöner sein?