Mit Aspirin Complex vollgepumpt starten wir die neunstündige Busfahrt von Cuenca in Ecuador nach Piura in Peru. Unser ausgeklügelter Plan sieht vor, dass wir nach diesen 9 Stunden weitere 11 Stunden auf unseren Flug nach Lima warten und danach mit dem Taxi in die Wohnung von Tobis Freunden fahren. Gesamt-Reisezeit: ca. 26 Stunden! In Anbetracht der Tatsache, dass Simone krank ist, erscheint uns unser ausgeklügelter Plan plötzlich ziemlich bescheuert.

Kurz vorm Grenzübergang, der super schnell und einfach verläuft, passiert es dann: Simone bekommt Ohrenschmerzen. Und im chaotischen Piura angekommen ohne Rückzugsort und Schlafmöglichkeit werden diese auch nicht besser. Wir beschließen einen Arzt aufzusuchen. Falls es sich um eine Mittelohrentzündung handelt, sollte man besser was dagegen tun. Wir werden von Pontius nach Pilatus geschickt und kommen viele Umwege und Taxifahrten später im Krankenhaus an. Der Ohrenarzt tritt erst in zwei Stunden seinen Dienst an und kein anderer Arzt hat die Kompetenz (oder Lust) Simones Ohren zu untersuchen. Aus den zwei Stunden werden vier, da schenken wir uns den Arztbesuch. Hier gelten einfach andere Regeln!

Irgendwann endet dann auch der „Tag des Wartens“, wir steigen in den Flieger und landen pünktlich in Lima! Der Flug verschlimmert zwar die Ohrenschmerzen noch ein wenig, dafür bekommen wir beim Verlassen des Flugzeugs noch ein spannendes Spektakel geboten: ein Beziehungsstreit oder sowas ähnliches. Die junge Frau (Ende 20) bittet die Stewardessen um Hilfe, ihr Freund (etwas älter, optischer Typ: Psychopath) hält sie eng umschlungen fest. Sie versucht sich immer wieder aus seiner Umarmung zu befreien und zu fliehen, er läuft ihr hinterher und hält sie wieder fest. Die Flugbesatzung ordert Psychologen und rät dem Mädchen sich zu trennen und die Sim Karte auszutauschen. Andere Menschen schalten sich ein, es wird wild diskutiert. In der Gepäckausgabe angekommen, läuft sie erneut weg. Er lauert im einzigen Ausgang der Halle auf sie. Psychologen rücken an. Den Ausgang der Geschichte kriegen wir nicht mehr mit, aber mit einem Happy End ist wohl nicht zu rechnen.

Um 22 Uhr kommen wir endlich an: San Isidro heißt das noble Viertel, in dem uns Tobis Freunde willkommen heißen. Der Aufzug geht direkt in die sehr großzügig geschnittene Wohnung. Unser riesiges Zimmer mit Balkon, begehbaren Kleiderschrank und Badezimmer ist einfach nur perfekt!

Nach all den Busfahrten, Strapazen und den letzten Hostel Unterkünften ist eine „eigene Wohnung“ der absolute Luxus für uns!

Nachdem wir ausgeschlafen haben in diesem federweichen Bett erwartet uns schon ein reichlich gedeckter Frühstückstisch – es wird immer besser! Frisch gestärkt machen wir uns, voll bepackt mit Insidertipps der Gastgeberin, auf in die Innenstadt. Wie sich das für richtige Backpacker gehört tun wir das im bestellten Taxi 🙂 Der Verkehr ist wahnsinnig, aber die 50min Fahrt eine gute Investition in unsere Spanisch-Kenntnisse. Mittlerweile hat Tobi (weil er mit seinem Italienisch natürlich klar im Vorteil ist, was Simone wiederum als sehr unfair empfindet) den Dreh schon ziemlich raus und kann schon sehr gute Small Talk führen. Außerdem versteht man die Peruaner generell richtig gut: sie sprechen langsam und deutlich und verwenden einfaches Vokabular. Zum Lernen perfekt!

Der Hauptplatz Plaza Mayor ist majestätisch und top gepflegt. Auch die nahe gelegene Kirche San Francisco ist einen Besuch wert. Wunderschöne und riesige Katakomben befinden sich in den Untergeschossen, mit großem Horrorfilm Potential. Gerippe, Totenköpfe, enge, dunkle Gänge… genau nach Simones Geschmack (sie liebt Horrorfilme).

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Alle schwärmen vom tollen Essen in Peru und wir können es kaum erwarten wieder mal etwas anderes außer Hühnchen mit Reis zu probieren.

Also gehen wir in die traditionelle Bar nebenan und essen die erste „Causa“ unseres Lebens. Es kommt daher wie ein Törtchen, ist aber statt süß salzig. Die Grundlage oben und unten bildet eine Art Kartoffelpüree, gefüllt ist das Ganze mit einem Mix aus Hühnchen (da ist es wieder), Mayonnaise und Gemüse. Schmeckt super lecker!

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Wir schlendern anschließend weiter durch die Stadt und wollen ein paar Besorgungen machen: Zahnpasta, Duschgel und was man sonst noch so braucht. Nichts Besonderes – würde man meinen. Aber in der ganzen Stadt ist es nahezu unmöglich ein Duschgel zu kaufen! Und wenn, gibt es nur EINE Marke. Wir können es erst nicht glauben, macht Lima doch einen sehr fortschrittlichen Eindruck. Irgendwann geben wir entnervt auf. Später erfahren wir, dass es hier bis vor kurzem noch nicht mal eine Marke Duschgel gab, sondern original keine einzige. Die Leute hier duschen sich mit Seife; Duschgel kam erst vor ein, zwei Jahren und das auch eher wegen den Touristen.

Abends sind wir mit unseren Gastgebern zum Essen verabredet. Peru ist aus kulinarischer Sicht wirklich ein Hochgenuss – wir werden es in diesem Artikel noch ein paar Mal erwähnen müssen und wollen.

Lima hat tolle Restaurants zu bieten, ist sogar im weltweiten Vergleich ganz vorne mit dabei. Wir gehen in eines der Top 10 Restaurants der Stadt (Cala), es ist direkt am Meer gelegen. Die Preise sind natürlich im lokalen Vergleich viel höher, aber für europäische Verhältnisse noch erschwinglich. Und man gönnt sich ja sonst nix als Low Budget Backpacker 😉

Wir bestellen auf Vorschlag unserer Freunde drei große Vorspeisenteller um so viele Sachen wie möglich zu probieren: Ceviche, Meeresfrüchte, Jakobsmuscheln, Tintenfisch… es schmeckt einfach zu gut! Und dann ordern wir auch noch DAS Nationalgetränk das Landes: Pisco Sour.

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Eine große Liebe mit diesem köstlichen Getränk beginnt.

Auch das werden wir in diesem Artikel noch öfter erwähnen 🙂 Pisco wird aus Trauben gewonnen und hat einen Alkoholgrad zwischen 38 und 48 Prozent. Grob vergleichbar mit einem italienischen Grappa. Gemixt wir der Pisco mit Zitronensaft, Zucker, Eis und Eiklar on top. Verheerend ist das Getränk insofern, als dass die köstlichen Zutaten den starken Alkohol übertünchen und man das Glas schneller leert als man sollte…

Peru besteht darauf, dass der Pisco Sour aus Peru kommt. Es gibt eine kleine Fehde mit den Chilenen, die behaupten, dass der Pisco von ihnen erfunden wurde. Generell sind die Peruaner nicht ganz so gut auf die Chilenen zu sprechen, die behaupten wohl gerne, dass peruanische Sachen aus Chile kommen… wir werden das überprüfen!

Nach einem ausgiebigen Frühstück (mit Nutella!!! – nach so langer Nutella-Abstinenz kann man sich auch wirklich mal ein bisschen freuen) zeigt uns unsere Gastgeberin ihr Viertel. Und auch die angrenzenden Viertel Miraflores sowie Barranco. Mit dem Taxi fahren wir erst einmal ins Künstlerviertel Barranco und merken auch recht schnell, warum es Künstlerviertel genannt wird.

Viele Bars und Restaurants finden sich hier, alles ist bunt, überall stehen Skulpturen und wunderschöne Häuser. Genau nach unserem Geschmack.

Die Häuser stammen noch aus der Zeit, in der die wohlhabenden Peruaner ihre Sommerresidenzen hierher verlegt haben. Im Sommer kann es im Zentrum richtig heiß werden, da ist so ein Häuschen am Meer, und das in unmittelbarer Nähe zum eigentlichen Heim, schon sehr verlockend. Mit der Zeit haben allerdings zu viele Leute diese Idee, weswegen die Anwesen von da an andernorts gebaut wurden. Nun sind viele der leerstehenden Häuser zu Bars und Shops umfunktioniert worden.

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Das Nachbarviertel Miraflores ist mindestens genauso hip und zählt ebenso zu den wohlhabenderen Vierteln von Lima. Mitten im Hang ist vor zwei Jahren das riesige Einkaufszentrum „Larcomar“ errichtet worden. Quasi ein Freiluft Shoppingerlebnis mit Blick aufs Meer. In solchen Momenten ist es besonders schwer aufs Einkaufen zu verzichten, zu gern würde man sich mal wieder neue Klamotten gönnen. Aber erstens ist sowieso kein Platz im Rucksack und zweitens würden schöne und teure Sachen zu sehr in Mitleidenschaft gezogen bei unseren kleinen und großen Abenteuern. Also bleibt mal wieder nur Schaufenstershopping übrig (Tobias freut sich insgeheim) und das Bestaunen des architektonischen Meisterwerks…

Man hat einen tollen Blick auf die Küste, kann den Surfern zuschauen und sieht das allgegenwärtige Kreuz am Strand, erbaut auf einem Hügel. Es wurde als Erinnerung an die Zeiten des Terrorismus errichtet und soll die Menschen nicht vergessen lassen, dass so eine schwere Zeit sich nie wiederholen darf.

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Wenn man schon nicht shoppen kann, dann gönnt man sich zumindest etwas Süßes. Und das sind in unserem Fall ein Monster-Eisbecher und einer dieser spanischen „Churros“. Ein Churro ähnelt von der Konsistenz einem Krapfen, ist aber eine längliche Stange, die mit unterschiedlichen Füllungen angeboten wird: dulce de leche (Karamell), Vanille, Schoko, …

Die sind so unglaublich lecker, dass wir sogar die nächsten Tage noch davon träumen.

Churro

Im Parque Kennedy sehen wir dann was einzigartiges und auch eigenartiges: der Park ist voller Katzen!! Alles fing damit an, dass Leute ihre Katzen hier ausgesetzt haben. Mittlerweile kümmert sich die Stadt um die Streuner, gibt ihnen was zu fressen und viele der Besucher kommen zum Streicheln. Wenn man mag, darf man sich auch eine mitnehmen.

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Unser letzter Programmpunkt des heutigen Tages besteht darin, den Park der Liebe (Parque del amor) zu besuchen. Hier wird geknutscht was das Zeug hält, Selfies dienen als Liebesbeweis und der Mittelpunkt des Parks bildet eine Skulptur – natürlich ist es ein knutschendes Pärchen.

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Abends lassen wir mit unseren herzallerliebsten Gastgebern unseren Lima Aufenthalt ausklingen, es gibt ein traditionelles peruanisches Gericht: italienische Pasta! 😉

Dann heißt es leider wieder mal Abschied nehmen. Dieses Mal fällt es uns besonders schwer, da wir uns wirklich mehr als wohlgefühlt haben und nur ungern unser Luxusdomizil wieder aufgeben.Vielen, vielen Dank nochmal für diese tolle Gastfreundschaft und für die lustigen Tage!

Es geht weiter nach Cusco, in die ehemalige Hauptstadt der Inkas und von da weiter zum Machu Picchu auf den wir uns schon seit Beginn der Reise freuen. Wir sind schon gespannt, ob und wie uns der Höhenunterschied (Cusco liegt auf 3.400m über dem Meeresspiegel) zu schaffen macht, leiden doch viele unter Übelkeit, Kopfschmerzen oder anderen Symptomen. Als wir dann mit einer zweistündigen Verspätung in Cusco landen, rechnen wir schon mit allem und dann passiert auch erst mal… nichts. In der Innenstadt, am Plaza de armes (Platz der Waffen)

Wir haben mittlerweile gelernt, dass es den „Waffenplatz“ in praktisch jeder südamerikanischen Stadt gibt

merken wir es, vollbepackt mit unseren Rucksäcken, aber dann doch langsam. Die Luft ist dünn, schon bei der kleinsten Steigung kommen wir außer Atem. Und noch etwas Merkwürdiges passiert, von diesem Symptom hat uns bisher niemand erzählt: wir fühlen uns irgendwie high. Simone bekommt einen fünfminütigen Lachflash und merkt richtig, wie ihr Kopf mit dem Sauerstoffmangel kämpft 🙂

Irgendwann kriegt sie sich aber wieder ein und wir beziehen unser Hostel. Die Unterkunft ist zwar spartanisch, aber dafür hat sie eine Dachterrasse mit Blick über die ganze Stadt.

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Steinmauer

Dann ist Ruhe angesagt, Simone fühlt sich immer noch etwas kränklich (bei unserem Programm auch kaum verwunderlich) und erst als es dunkel wird, treibt uns der Hunger ins Freie. Auf der Suche nach einem netten Restaurant kommen wir unweigerlich an all den Ständen mit den beliebten peruanischen Souvenirs vorbei. Ein bisschen Shopping geht Simone natürlich auch mit einer Erkältung erstaunlich leicht von der Hand. Und Sekunden später trägt sie schon ihren neuen Alpaka-Pulli!

Am nächsten Morgen steht uns ein großes Wiedersehen mit Sacha aus Quebec City bevor – ihn haben wir in Panama verabschiedet und damals schon ausgemacht uns irgendwo in Peru wiederzutreffen. Heute ist der Tag gekommen. Wir wollen gemeinsam bei einer Free Walking Tour mitmachen (diese beliebten Touren basieren auf Trinkgeld). Seit dem letzten Treffen ist einiges passiert und Sacha ist mittlerweile ein sehr guter Freund geworden und fühlt sich auch ein bisschen nach Heimat und Familie an (so komisch das klingt). Wir freuen uns wie irre ihn zu sehen und überschlagen uns förmlich mit gegenseitigen Erzählungen.

Unser motivierter Tourguide ist aus Cusco, eigentlich Bartender, liebt aber seine Stadt und verdient sich ein bisschen was dazu, indem er Touristen aus aller Welt mit viel Elan die Geschichte der Inkas für ein paar Stunden näher bringt.

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Hier eine Kurzfassung der wichtigsten fun facts:

  • Wer es noch nicht wusste: Tonic Water kommt aus Peru! Ja, das beliebte Mixgetränk für Gin Tonic kommt aus der Hauptstadt der Inkas.
  • Warum ist Lima heute die Hauptstadt von Peru? Als die Spanier einfielen hat ihnen die Höhe in Cusco so zu schaffen gemacht, dass sie sich ein niedrigeres Plätzchen suchen mussten.
  • Für uns ist die Höhe in der Tat gewöhnungsbedürftig. Manche vertragen sie besser, manche schlechter. Was wirklich hilft (nein, keine Tabletten) sind laut den Einheimischen wenig Wasser (ist der Bauch zu voll, wird einem schneller übel), flach hinlegen und natürlich die Allzweckwaffe Coca Blätter. Man sieht sie ganz oft, die Peruaner, die mit einem riesigen Ball im Mund kauend am Straßenrand sitzen – wir haben uns natürlich auch eine Packung gekauft und sind unterschiedlicher Meinung: Simone findet sie eklig – ihre Zunge wurde auch taub, Tobi kaut ab jetzt öfter.
  • Die Peruaner kauen aber mehr wegen dem leicht puschenden Effekt als wegen der Höhenkrankheit. Die macht ihnen nämlich nichts aus, was ihnen bei Fußballspielen immer wieder einen großen Vorteil bringt: sie kommen im Gegensatz zu der gegnerischen Mannschaft nicht so schnell außer Atem. Angeblich gibt es mittlerweile sogar eine FIFA-Ausnahmeregelung dazu.
  • Alpaka ist nicht gleich Lama (und das Nationaltier Perus ist auch nicht das Lama, sondern der rote Felsenhahn) und der Unterschied ist nicht nur der Hals und die feinere Wolle, sondern auch die Ohren. Die der Lamas stehen nach vorne, die Ohren des Alpakas nach hinten.

Und wenn wir schon beim Alpaka sind. Mittags essen wir mit Sacha ein gegrilltes Alpaka und trinken dazu den typischen Maisdrink China Morada. Dazu wird der lilafarbene Maiskolben gekocht und dann das Wasser mit Zucker versehen. Listo! („fertig“ auf Spanisch). Schmeckt ganz gut, aber wird bestimmt nicht unser neues Lieblingsgetränk. Dies ist und bleibt unangefochten der Pisco Sour, den wir später auch noch trinken.

Am Nachmittag grasen wir stundenlang die ganze Stadt nach Churros ab. Sie schmecken einfach zu gut. Irgendwann erfahren wir, dass diese erst am späten Nachmittag produziert werden und dass es nur ein einzigen Laden gibt, der den Aufwand betreibt. Drei Stunden später, um 16 Uhr, ist es dann soweit. Und wie ist das so oft, wenn man voller hoher Erwartungen ist? Man wird enttäuscht. Die Churros sind ok, aber nicht überragend wie in Lima.

Wenigstens konnten wir in der Zeit endlich ein neues Vorhängeschloss kaufen, das Tobias in Kolumbien geschrottet hat. Und mit 4 Soles (ca. 1 €) haben wir mal ein richtiges Schnäppchen gemacht. Hat unseres in Europa noch umgerechnet 52 (ca. 14 €) gekostet. Vielleicht fällt es auch beim ersten Einsatz auseinander oder der Schlüssel passt nicht – wir lassen es drauf ankommen.

Abends sind wir doch ein bisschen geplättet, von der Sightseeing Tour und der Churro-Jagd, aber noch haben wir einiges vor. Um 19 Uhr treffen wir uns zum Briefing mit unserer Jungle Trek Gruppe für die nächsten Tage. Wir wollen die viertägige Abenteuervariante zum Machu Picchu mitmachen. Downhill Biking, Zip Lining und jede Menge Wandern steht uns bevor. Kurz bevor wir unsere Unterkunft verlassen, bricht ein derartiges Gewitter los, dass wir erst versuchen ein Taxi zu bestellen. Aber keine Chance. Die Gassen haben sich mittlerweile in Flüsse verwandelt und es blitzt und donnert was das Zeug hält.

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Irgendwann haben wir keine andere Wahl mehr, um noch rechtzeitig zum Briefing zu kommen: Regenjacken an und los geht’s! Wir sprinten hoch und runter (Cusco ist wirklich sehr steil und hügelig, auf 3400m Höhe fühlt sich laufen an, als würde man jeden Moment ersticken) und versuchen gleichzeitig noch mit Google Maps auf Kurs zu bleiben. Dann plötzlich: ein lauter Knall, die Straße auf der wir laufen leuchtet ein paar Meter weiter gelb-blau-weiß, ist taghell erleuchtet.

Wir springen zurück, halten uns reflexartig die Hände vors Gesicht und realisieren ein paar Sekunden später: hier hat gerade der Blitz eingeschlagen!!!

Wir können es nicht fassen, das hätte auch anders ausgehen können!

Sacha holt uns nach dem Briefing ab, denn wir wollen, bevor wir Cusco verlassen, unbedingt noch das Nationalgericht probieren. CUI! Cui heißt Meerschweinchen und als wir es serviert bekommen, mit einer halben Tomate auf dem Kopf, die Zähnchen gefletscht und die verkohlten Beinchen über den Tellerrand stehend, dreht sich bei Simone schon der Magen um. Es sieht wirklich nicht besonders appetitlich aus und gleicht eher einer Ratte. Den Jungs schmeckt es hervorragend, Simone lässt sich nur zu ein paar Bissen überreden. Und ganz objektiv betrachtet, wenn man mal außer Acht lässt, dass es ein Haustier ist, schmeckt es wirklich nicht besonders extravagant. Es ist kaum Fleisch an dem Tierchen, man isst eher Haut (die sehr adrig ist). Aber wenn man den Geschmack beschreiben müsste, liegt es irgendwo zwischen Schwein und Hühnchen.
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Dann müssen wir aber schnell ins Bett, um 5 Uhr morgens klingelt schon unser Wecker und wir müssen los zu unserem großen Machu Picchu Abenteuer. Diese Tage sind definitiv eine eigene Story wert, deshalb gibt es HIER einen eigenen Artikel darüber!

Die Anstrengung des Inka Jungle Treks entfaltet sich so richtig am Tag danach. Erst mal schöpfen wir die Check out Zeit bis auf die letzte Minute aus, dann packen wir unsere Sachen und ziehen um ins Loki Hostel. Wir entspannen im Innenhof bei schönem Wetter und auf gemütlichen Kissen und versuchen unseren Muskelkater mit Fassung zu ertragen. Treppen laufen wird an dem Tag zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Wir spielen ein bisschen Tischtennis, arbeiten an unseren Artikeln, trinken Pisco Sour und essen gut. Wir gehen früh schlafen und wachen erst wieder auf, als der verdammte Hahn anfängt zu krähen. Da ist es 4 Uhr morgens.

Zum letzten Mal treffen wir Sacha zum Frühstück – dieses Mal verabschieden wir uns für längere Zeit. Auf der Reise werden wir uns nicht mehr sehen, aber hoffentlich bald in Kanada oder Europa. Es fällt uns wirklich nicht leicht einen guten, neuen Freund ziehen zu lassen…

Per Taxi fahren wir zum Busbahnhof, heute geht es weiter nach Puno – ein kleines Städtchen am Titicaca See. Als eingefleischter Pipi Langstrumpf Fan, wird für Simone ein Kindheitstraum war.

Aber erst steht uns noch die schlimmste Busfahrt bevor, die wir in Südamerika erleben. Es geht schon am Busbahnhof los: bei zwei dubiosen Jungs kaufen wir unsere Tickets für 30 Soles. Sie bejahen unsere Frage, ob der Bus um 10 Uhr los fährt (ein beliebter Trick bei den Busunternehmen, weil sie wissen, dass die Touristen sonst zu einem anderen Unternehmen gehen, welches früher abfährt). Schlussendlich fährt er eine Stunde später. Aber das ist nicht das Problem – dank dieser Wartezeit haben wir Zeit unser Ticket genauer zu betrachten. Da stehen dann plötzlich 15 statt 30 Soles. Eigenartig… Tobias erkundigt sich. „Das ist die Nummer der Rampe, von der der Bus startet“, wollen sie uns weißmachen. Nein, die hat die Nummer 12. Sie probieren alles, aber sie stellen sich einfach zu dumm an und irgendwann werden wir richtig sauer. Am Ende geben sie uns das Geld kleinlaut zurück. Zum Glück, denn mehr ist dieser Ekel-Bus auch kaum wert. Es ist dreckig, klebrig und stinkt wie die Pest. Nach ein paar Stunden ist es kaum noch auszuhalten, da steigt auch noch eine Peruanerin zu und verkauft Hähnchen. Mit ihren bloßen Händen holt sie die Schenkel und eingelegte Kartoffeln hervor, der ganze Bus stinkt nach verfaultem Fleisch. Während sich Simone fast übergeben muss, freuen sich die Chinesen in der ersten Reihe. Sie bestellen eine Portion, machen Fotos und genießen freudig und mampfend ihr Essen.

Es ist eben alles eine Frage der Perspektive 🙂

Am Titicaca See gibt es die Besonderheit der „floating islands“. Damals, als die Spanier in Peru eingefallen sind, sind die Einwohner vom Festland geflüchtet, haben erst auf Schilfbooten gelebt und irgendwann diese schwimmenden Inseln mitten im Wasser errichtet. Die sind ebenfalls aus Schilf gebaut und müssen ständig „von oben“ erneuert werden, damit sie nicht untergehen. Auch heute leben hier noch Menschen und leben mittlerweile hauptsächlich von den Touristen, die sie auf ihren Inseln besuchen. Ca. 13 zusammengebundene Schilfblöcke braucht man für eine kleinere Insel. Diese werden dann mit noch mehr Schilf bedeckt – dies geschieht wöchentlich, da Schilf natürlich mit der Zeit verrottet. Dieses Schilf ist sehr vielseitig und die Einwohner bauen ihre Häuser damit, ihre Kajaks, Sonnenschirme, Dekoration und das weiße Fleisch kann man sogar essen. Beeindruckend! Übrigens: die Kinder auf diesen Inseln müssen einen der gefährlichsten Schulwege der Welt zurücklegen, da sie jeden Tag mit ihrem Schilfkajak auf das Festland rudern und der Wellengang, je nach Wetterlage, sehr heftig werden kann.

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Auf diesem Trip lernen wir ein sehr nettes Pärchen kennen: Ben (aus Melbourne, Australien) und Raphaelle (aus Frankreich, mittlerweile aber auch in Melbourne lebend). Die nächsten paar Tage verbringen wir mit den beiden gemeinsam in Bolivien. Aber das ist eine andere Geschichte…