Wie heißt es so schön: „Der erste Eindruck zählt“. In der Tat ist es oft nicht so einfach, seine Meinung zu ändern. Im Falle von San Francisco war das anfangs etwas schwer… mit dem Zug gelangen wir am späten Abend vom Flughafen in die Stadt. Unseren geliebten Mietwagen lassen wir nur ungern zurück. An der UN-Plaza steigen wir aus dem Untergrund nach oben, nur einige wenige Laternen spenden uns Licht. Wir drehen uns um und sofort bellt uns ein aggressiver Terrier an. Zum Glück ist er angeleint. Sein Herrchen bemerkt uns und grinst uns wissend an. Offensichtlich ist er ein Obdachloser. Wir gehen ein paar Meter weiter und orientieren uns – in welche Richtung müssen wir? Aha, quer über den Platz und drei Blocks weiter. Auf dem Weg begegnen wir mindestens 150 weiteren Obdachlosen, die auf Kartons, Matratzen oder dem blanken Beton schlafen, lauthals diskutieren, musizieren und teilweise Drogen konsumieren.

 Ein unerwarteter und ungewöhnlicher Einstieg für das „erste Mal“ mit einer Stadt.

Auch vor unserem Hotel nächtigen einige Obdachlose – die Rezeptionistin beruhigt uns aber und sagt, das gehöre zum Stadtbild von San Francisco einfach dazu. Die Leute wären nicht gewalttätig, sie würden uns bestimmt nichts tun oder uns belästigen. Sie sollte Recht behalten. Nichts desto trotz muss Tobias Simone jedes Mal bis zur Toilette (die sich am Ende des Flurs befindet) und wieder zurück begleiten. Sicher ist sicher.

An Tag 1 begeben wir uns Richtung Norden und schauen uns die Geschäfte rund um den Union Square an. Simone ist kurzzeitig im Shopping-Fieber, was Tobias innerliche Luftsprünge machen lässt. Er kann es zwar nicht zeigen, aber Simone ist sich sicher, dass er großen Spaß hat :-) Wir gelangen wenig später nach China Town, was schwer zu verkennen ist angesichts des Geruchs und der Billig-Souvenirs, die es im Überfluss zu kaufen gibt.

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Kurz vor der berühmten, kurvigen Lombard Street stoßen wir auf „Mama’s Café“ – ein Insider Tipp aus dem Internet: hier soll es das beste Frühstück der Stadt geben. Offensichtlich hat der schwärmerische Artikel des Autors schon die Runde gemacht, denn vor dem Gebäude mit seiner gepflegten Fassade, tummelt sich eine 40m lange Menschenschlange. Amüsiert stehen zwei Hippie Damen aus San Francisco auf der gegenüberliegenden Straßenseite und beschreiben uns ein gängiges Szenario: die wartende Kundschaft besorgt sich erstmal von Starbucks einen coffee-to-go, um mit dem nötigen Koffeinkick für die mindestens einstündige Wartezeit versorgt zu sein. Absurd!

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Die Lombard Street ist sehr gepflegt und gut besucht, viele Touristen fahren oder besser gesagt schleichen hupend mit dem Auto die Serpentinen hinab.

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Wir spazieren die steilen Straßen runter zum Hafen bis zum Fisherman’s Wharf. Von hier hat man einen guten Blick auf Alcatraz, in dem die Gefangenen als einzige in den USA ausschließlich mit warmen Wasser duschen konnten, damit sie sich auf einer eventuellen Flucht nicht an die eiskalten Fluten des Pazifiks gewöhnen würden. Vor unserem (oder besser Tobi’s) inneren Auge sehen wir Sean Connery und Nicolas Cage, wie sie im Hollywood-Blockbuster The Rock die Stadt retten!

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Am Pier 39 werden wir von dem Geschrei fünf junger Breakdancer angezogen. Mit ein paar Plastikeimern, einem Seil und einem CD-Player mit Wackelkontakt begeistern sie über 100 Menschen mit ihrer Tanzshow, die definitiv großes Comedy Potenzial birgt. Sie verbrüdern sich mit den Afro-Amerikanern, machen sich über die Spießigkeit der Deutschen lustig, denen einfach das Rhythmusgefühl in der Hüfte fehlt und greifen die Fotowut der Asiaten auf. Viele talentierte Künstler versuchen entlang der Promenade ihr Glück um endlich ihre langweiligen Jobs an den Nagel hängen und stattdessen von ihrer Leidenschaft leben zu können.

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Die Strandpromenade spazieren wir bei schönstem Sonnenschein weit runter bis zum Baseball-Stadion der San Francisco Giants. Leider gibt es in diesen Tagen kein Spiel (und dass, obwohl sich Simone extra noch mit den Giants Merchandising Artikeln ausgestattet hat), aber die Atmosphäre lässt sich durch die vielen Tafeln, Statuen und Heldengeschichten vor dem Stadion erahnen.

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Die Bilder der übermäßig zahlreichen Obdachlosen, denen wir im Laufe des Tages begegnen, wollen uns nicht loslassen und wir fragen uns, warum das so ist.

  • Das milde Klima zieht viele Bedürftige an: angeblich werden viele Obdachlose von der Ostküste hierher verfrachtet, weil die Winter nicht so hart sind und die Chance zu überleben damit höher ist.
  • In San Francisco gibt es – mit anderen US Städten verglichen – höhere Sozialleistungen und zahlreiche private Initiativen, die viel Hilfe möglich machen. Ja, die Einwohner hier tun tatsächlich einiges und wir erleben das auch hautnah, als ein Geschäftsmann einem Obdachlosen, der in einem Restaurant Schutz sucht, Essen und Trinken ausgibt.
  • Und San Francisco ist/war natürlich die Hochburg der Hippies und nicht alle sind von ihrem LSD Trip von damals wieder runtergekommen.

Amerika ist gnadenlos und eben nicht für alle „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Vom Schlafplatz eines Obdachlosen in der Mainstreet bis zum Millionär im Silicon Valley sind es nur 39 Meilen oder eine Autostunde. Hier zeigt die Schere zwischen Arm und Reich ihre hässlichste Fratze.

Am nächsten Tag haben wir genug vom Rumlatschen und satteln von zwei Beinen auf zwei Räder um. Beim Golden Gate Rides – Bike Rental (übrigens sehr zu empfehlen!) leihen wir uns nagelneue, sehr leichte Sporträder von Cannondale aus. Damit cruisen wir schnell und bequem zum Alamo Square, um die fünf bemalten Frauen anzuschauen.

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PAINTED LADIES

Auf dem Weg ins hippe Viertel Haight Ashbury kommen wir zufällig am allerersten Eisladen von Ben & Jerrys“vorbei.

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In einem vierteltypischen Hippie-Café, das uns empfohlen wird, holen wir uns die nötige Power für unsere bevorstehende große Radtour und radeln durch den leider etwas ungepflegten und unspektakulären Golden Gate Park: wir erwarten uns so was ähnliches wie den Hyde Park in London oder den Central Park in New York. Zumindest wurde er uns so angekündigt – sogar noch besser! Aber irgendwie können wir das gewisse Etwas nicht finden. Es ist einfach wenig los, außer ein eiskalter Wind, der uns um die Ohren pfeift! Wir haben ja schon von mehreren Seiten gehört, dass die Sommer in San Francisco ungemütlich sein können. Aber dieses raue Wetter hat uns dann doch überrascht. Das spannendste in dem Park sind noch die vier netten Opis, die mit ihren elektrisch gesteuerten Segelbooten eine Regatta veranstalten und ihr Rentner-Dasein in vollen Zügen genießen!

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Im Westen kommt man an die äußerste Grenze – vom Park und von der Stadt. Hier hat man einen herrlichen Blick auf die Weiten des kalten Pazifiks. Raue Wellen, grauer Nebel: der Strand empfängt uns etwas düster und wir cruisen vom Ocean Beach, vorbei an den Sutro Baths, hoch bis zur Golden Gate Bridge.

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Eine sehr schöne Route für einen Radausflug, einige Höhenmeter, viele Kilometer und ständig eine tolle Sicht aufs Meer. Kurzzeitig radeln wir auch durch ein wohlhabendes Villenviertel, in dem Tobias’ Weg von einem röhrenden, dunkelgrauen Lamborghini Diablo SV gekreuzt wird. Der 1995 gebaute Sportwagen lässt sein Herz höher schlagen und auch Simone macht innerliche Luftsprünge, auch wenn sie es sich nicht anmerken lassen will :-)

Es gibt mehrere Blickwinkel, von denen die legendäre Golden Gate Bridge beobachtet werden kann. Wir begutachten sie von allen Seiten und fahren natürlich auch – bei extrem starken Seitenwind – über die Brücke und wieder zurück. Ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst!

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Die Stadt hat viele versteckte kleine Perlen… und während wir so die Stadt erkunden landen wir plötzlich auf der angeblich steilsten Straße der Stadt: die Jones-Street. Zuerst müssen wir den „Berg“ hoch und wir radeln – besser gesagt Tobias radelt, Simone schiebt – keuchend nach oben. Eine nette Dame erklärt uns für verrückt: warum um alles in der Welt wir gerade diese Straße wählen und hilft Simone kurzerhand das Rad zu schieben. Die versucht noch es ihr auszureden, um sich ein kleines bisschen Würde zu bewahren. Aber nein, die freundliche Dame lässt sich ihr Vorhaben nicht ausreden. Irgendwann dreht auch Tobias Hinterrad durch und auch er muss absteigen. Da dachte er noch, dass er durch zahlreiche Mountainbike-Touren in den Südtiroler Bergen ausreichend gestählte Wadeln hätte… leider nicht!

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Den dritten und letzten Tag in San Francisco nutzen wir, um ein paar Klassiker zu besuchen: Die Einkaufsmeilen, die Transamerica Pyramid und das italienische Viertel, in dem jede Laterne mit der Tricolore (die italienische Nationalflagge, grün-weiß-rot) bemalt und somit markiert ist. Wir kommen am Café Trieste vorbei, das der Treffpunkt vieler Künstler wie Regisseure, Schauspieler oder Musiker war, um den besten Espresso der Stadt zu schlürfen.

Angeblich hat Francis Ford Coppola viele Seiten seiner Drehbücher zu „Der Pate“ hier geschrieben.

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Durch den Financial District laufen wir genauso wie am Union Square und Washington Square entlang. Zurück nehmen wir zum Abschluss eins der berühmten Cable Cars, damit wir SF nicht verlassen, ohne den Touri-Magnet schlechthin ausprobiert zu haben. Die Fahrer wissen ihre Passagiere mit kleinen Showeinlagen zu unterhalten und fahren brav die immer gleichen Strecken hoch und runter. Am Ende jeder Strecke wird der Stahlkoloss von Bahnwagen per Hand gewendet und weiter geht’s!

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Fazit: San Francisco hat sehr viele Gesichter, man muss der Stadt Zeit geben und wahrscheinlich findet man auch nach vielen Monaten versteckte, interessante Spots, die einem auf den ersten Blick nicht auffallen. Wir kommen wieder!

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Aus familiären Gründen unterbrechen wir die Reise an dieser Stelle, haben sie aber mittlerweile in Costa Rica wieder aufgenommen.