Kolumbien zeigt sich vom ersten Moment an von einer wunderschönen Seite: wir segeln mit der „Micamale“ im Sonnenuntergang auf die Hafenstadt Cartagena zu. Langsam wirft sich die Stadt durch viele bunte Lichter in ihr Abendkleid. Traumhaft schön und heiß. Heiß auch, weil es in Cartagena tagsüber geschmeidige 40 Grad Celsius hat.

Die letzte Nacht verbringen wir an Bord des Segelschiffes und bekommen am nächsten Morgen unsere Reisepässe wieder – wir dürfen offiziell kolumbianischen Boden betreten! Mit der Segelcrew verabreden wir uns auf ein Abschiedsbier am Abend. Es ist so heiß, wir wollen sofort in unser Airbnb-Apartment mit Pool! Schnurstracks marschieren wir zum erstbesten ATM, ohne uns im Vorfeld über den Wechselkurs oder die Währung informiert zu haben. Der Automat bietet unterschiedliche Summen zwischen 20.000 und 200.000 Pesos an. Wir nehmen 60.000 und stellen nach einem kurzen Supermarktbesuch und einer Taxifahrt fest, dass das gerade mal 19 € sind und wir damit nicht weit kommen werden :-)

Das Apartment im Viertel Boca Grande (direkt am Hafen mit Blick auf die gesamte Stadt und den direkt angrenzenden Strand) hält, was es verspricht: Das Zimmer ist groß, sauber und mit Meerblick. Die Klimaanlage tut ihr bestes, um die 41 Grad vergessen zu machen. Noch besser gefällt uns der Pool im 3. Stock des Hochhauses, in dem wir uns abkühlen. Unser Gastgeber Gabriel ist jung, smart und sehr hilfsbereit.

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Am Abend stürzen wir uns an der Plaza de la Trinidad ins Nachtleben. Hier treffen sich viele junge Leute auf dem Platz, trinken, essen und tanzen zu lauter Musik. Ausgelassene Stimmung an einem Freitag-Abend und wir begegnen der gesamten Segelcrew inklusive Captain Andrea und Mirjam. Für Mirjam ist es der letzte Abend, weil sie nach zwei Monaten an Bord der Micamale Kolumbien bereisen und dann Richtung Heimat aufbrechen wird. Später landen wir schließlich in einer typisch kolumbianischen Bar mit lauter Salsa-Musik und kriegen das komplette Klischee geboten:

Tanzeinlagen, die nur im entferntesten an tanzen erinnern, sondern eher nach Liebesspiel aussehen und Kokain Angebote von allen Seiten.

Crazy night in Kolumbien: Check!

Am nächsten Tag machen wir alle gemeinsam eine „Free Walking Tour“ durch die Altstadt, die natürlich nicht wirklich „free“ ist, sondern sich am Ende jeder Tour per Trinkgeld finanziert. Wir haben Glück und der Gründer Edgar ist unser Tourguide. Er spricht sehr gut Englisch, ist ein stolzer Kolumbianer und hat ein breites Fachwissen, wie er uns eindrucksvoll beweist. Auf Anhieb kann er sich alle unsere Namen und Nationalitäten merken und bindet jeden von uns geschickt und unterhaltsam in die Tour mit ein. So vergisst man all die Fakten über Cartagena nicht so schnell. Besonders oft nimmt Edgar Tobias an die Reihe, hat er sich im letzten Urlaub doch in Italien verliebt. So muss er immer wieder nach seinen Anweisungen versteckte Hinweise suchen und seine Ergebnisse in der Gruppe vortragen :-) Die Stadt ist so bunt, wie kaum eine andere und wir fühlen uns total wohl – angeblich ist es die sicherste Stadt in Kolumbien.

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Wir wollen aber auch was anders sehen und ziehen weiter Richtung Norden, zum Nationalpark Parque Tayrona. Nicolas (oder „Chile“, wie wir ihn liebevoll nennen) und Anita aus der Schweiz sind auch zufällig da und wir beschließen spontan, sie für zwei Tage zu treffen. „Zufällige“ Treffen mit den beiden ergeben sich die nächsten Tage häufiger. Wir werden an einen Punkt kommen, an dem wir die Verabschiedungen und Begrüßungen nicht mehr zählen können…

Aus dem Bus ausgestiegen erkundigen wir uns, wo unser Hostel ist. Bereitwillig gibt man uns Auskunft und wir marschieren los. Angeblich müssen wir 800 m gerade aus, dann nach links. Passt, auf geht’s! Mit einem großen und einem kleinen Rucksack sind 800 m bei über 35 Grad aber ganz schön weit und Simone fällt schön langsam in den Unterzucker (was nicht immer angenehm ist) und nach einem gefühlten Kilometer sind wir überzeugt, dass wir falsch abgebogen sind. Ein Trucker klärt uns auf und sagt nur kurz „Vamos!“, zeigt auf die freie Fläche zwischen seiner mächtigen Zugmaschine und seinem Anhänger und gibt ungeduldig Gas. Wir zögern nicht und springen auf. Ziemlich cool und bei uns daheim ein Ding der Unmöglichkeit, auf so einem amerikanischen Truck, an der Frischluft stehend, mitzufahren! Schlussendlich kommen wir in einem der schönsten Hostels der Reise an (bis dato zumindest). Drei fast nur aus Bambusstöcken gebaute Hütten sind das Zentrum der elegant und stilvoll angelegten Anlage „Jasayma“.

Das besondere daran: alle Räume sind an mindestens einer Seite offen, man blickt direkt in den Dschungel und atmet frische Luft.

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Keine betonierten Wände, keine Fenster. Auch das Häuschen, in der sich die Duschen und das WC befinden, ist abenteuerlich offen gestaltet. Im dritten Haus befindet sich die „WIFI-Zone“, ein unverzichtbarer Service, den selbst die abgefuckteste Bude bieten muss, um im heutigen Tourismus zu überleben. Zusammen mit Nicolas und Anita genießen wir die wunderschönen Strände und den Dschungel. Am beliebtesten Strand Cabo San Juan del Cuia lassen wir die Seele baumeln und relaxen nach dem stundenlangen Spaziergang.

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Am Strand Casa Grande buchen wir eine Stunde Surfunterricht, der mit Aufwärmübungen, Balanceübungen auf der Slackline sowie abschließenden Yoga-Moves Lust auf Meer macht. Der Service an dem Strand ist unterirdisch, weil gerade renoviert und umstrukturiert wird. Wir bestellen am Strand liegend Fisch mit Gemüse, bekommen aber 90 Minuten später mitgeteilt, dass dies nicht machbar wäre. Die Alternative sei Fischsuppe und Kokosnuss. Nun gut, man ist ja flexibel und es ist wieder mal eine gute Übung sich in Geduld zu üben… :-) Am letzten Abend sind wir die einzigen Gäste im Hostel und werden bewirtet wie Könige. Der Abend und die Nacht sind aber nicht nur deshalb unvergesslich,

sondern auch weil das brutalste Gewitter über uns herein bricht, das wir je erlebt haben.

Drei bis vier Stunden lang erhellen gewaltige Blitze die gesamte Anlage taghell und der darauffolgende Donner lässt unsere Bambushütte beängstigend wackeln. Wir halten uns mit beiden Händen die Ohren zu, aber der Donner und der Regen sind so laut, dass wir unser eigenes Wort nicht mehr verstehen. Nach dieser Nacht, in der Simone dachte zu sterben, kann uns so schnell kein Gewitter mehr schocken! Unfassbare Naturgewalten mitten im Dschungel!

Nach einer Nacht in Santa Marta geht es mit einem günstigen Inlandsflug weiter nach Medellín. Beim geneigten Leser klingelt es jetzt in den Ohren: stammt nicht der weltberühmteste Drogenboss, Pablo Escobar, aus dieser Stadt? Genau, richtig! Hier hat er sein Drogenimperium, das berüchtigte Medellín-Kartell aufgebaut und die kolumbianische Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt.

Angeblich gehen knapp 500 Polizisten-Morde und knapp 50 Auftragsmorde an Richter auf sein Konto.

Das muss man sich erst einmal vorstellen… schlussendlich wurde er im Alter von 44 Jahren von einer kolumbianisch-amerikanischen Spezialeinheit getötet. Tobias hat sich aus Spaß einen Escobar-Gedächtnis-Schnauzer wachsen lassen, passend zum Movember. Mit, nun ja, mäßigem Erfolg :-)

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Nach all den Erlebnissen in den letzten Wochen sind wir müde vom reisen und beschließen 5-6 Tage in Medellín zu bleiben, um Kräfte zu sammeln. Die Stadt hat wirklich viele Gesichter: von modernen Vierteln über die legendäre Comuna 13 bis zum wohlhabenden Viertel El Poblado. Die Stadt ist weitläufig und in die hügeligen Berge hinein gebaut. Wir haben eine nette Unterkunft im Hotel – wieder einmal über airbnb gefunden – und ein junger, smarter Spanier macht unseren Aufenthalt perfekt: er versorgt uns mit einem Stadtplan, unzähligen Tipps und ist uns bei allen Fragen behilflich. Javier und sein Team sind zu 100% empfehlenswert!

Zum ersten Mal auf der Reise besteigen wir einen Hop-On-Hop-Off Bus, weil wir zu müde sind, um alles selber zu organisieren. So kriegen wir ein gutes Gesamtbild und einen Überblick über die Stadt.

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Zufälligerweise finden an diesem Wochenende Wahlen in Kolumbien statt und es ist verboten, am Abend zuvor Alkohol zu konsumieren. So kann man auch ein Zeichen setzen in der Bevölkerung und um Aufmerksamkeit bitten :-) Die Fahrt mit der Metro ist am Wahltag kostenfrei und überhaupt wird alles getan, um die Leute an die Urne zu kriegen. Am nächsten Tag erreicht uns eine freudige Nachricht von Nicolas und Anita. Sie haben ihre Pläne geändert und kommen doch schon nach Medellín. Wir fühlen uns allmählich verfolgt aber freuen uns natürlich und schauen mit Ihnen gemeinsam den Botanischen Garten

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sowie das Museum Antioqua an, in dem Werke des berühmtesten kolumbianischen Künstlers zu bestaunen sind: Fernando Botero. Er stellt alle Menschen, Tiere oder Objekte im dicken/fetten/überzeichneten Zustand dar. Simone will unbedingt hin und wir sind froh, dass wir bei leichtem Regen nicht draußen rum latschen. Eine sehenswerte Ausstellung!

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Zum Schluss dürfen wir noch unsere Zeichenkünste zur Schau stellen und Simone nutzt die Gunst der Stunde, um vielleicht doch noch entdeckt zu werden.

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Ansonsten lassen wir es in Medellín ruhig angehen, planen jeden Tag nur ein kleines Abenteuer und chillen stundenlang in Cafés oder im Hotel. Die Batterien sind so schnell wieder aufgeladen!

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Kleine story am Rande: in einer Seilbahn sitzend wird Simone von einem begeisterten Einheimischen für eine Baywatch-Schauspielerin gehalten :-)

Wo Österreich liegen soll, weiß er nicht, es ist ihm auch egal. Aufgeregt kriegt er sich gar nicht mehr ein und freut sich über seine Begegnung des Monats einen Ast ab.

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Zusammen mit Nicolas und Anita schließen wir uns einer Tagestour nach Guatapé an. Sie soll komplett auf Spanisch stattfinden und unser Spanisch ist aktuell doch noch überschaubar. „Chile“ will den Übersetzer mimen, aber das wird schwieriger als gedacht. Leider erwischen wir eine weibliche Tourguide mit einer gelinde gesagt unfassbar nervigen Stimme. Die außerordentlichen Höhen in ihrer Tonlage überfordern selbst die Lautsprecheranlage im Bus. Unter den Teilnehmern wird ihre Stimme zum running gag und jeder muss sich damit abfinden. Wie es sich für eine echte Kolumbianerin gehört, redet sie viel und laut, was es für Nicolas nahezu unmöglich macht, zu übersetzen.

Guatapés Highlight ist ein riesen großer, natürlicher Felsen inmitten einer künstlich entstandenen Seenlandschaft. Diese wurde im Zuge eines Staudamm-Baus erschaffen, der 30% des gesamten Strombedarfs in Kolumbien deckt. Der Felsen, genannt „La Piedra, El Peñol“ lädt zu 740 Treppen ein, die erklommen werden wollen. Schwitzend und keuchend jagen wir das 70 Mio. Jahre alte Gestein hoch und blicken trotz Nebelwetter weit in die sattgrüne Landschaft hinein.

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Interessantes Souvenir

Interessantes Souvenir

Nach einem typischen Mittagessen, das uns ein krächzendes Gesangs-Duo mit lauter Gitarrenbegleitung gehörig versalzt, geht es auf dem Wasserweg mit einem Boot weiter. Mittlerweile sehnen wir uns alle einfach nach ein bisschen Ruhe… Die stimmgewordene Peinigerin aka Tourguide peitscht uns aber von einem Event zum anderen und wir müssen nur noch Lachen, so schrullig gestaltet sich der Tag mittlerweile. Als ob wir von ihrer Stimme und dem Gesangsduo nicht schon genügend Entertainment für unsere Ohren gehabt hätten, gibt es auf dem Boot den letzten Todesstoß für unser Trommelfell: der Kapitän des Bootes dreht die massiven Partylautsprecher auf Anschlag auf und bespielt sie mit traditioneller Volksmusik, damit die kolumbianischen Gäste ihre Volkstänze zum Besten geben können. Das tun sie auch und das Deck des Schiffes wackelt und ächzt unter den Schwingungen. Der Rest der Truppe, also wir beide, Nicolas und Anita, ein australisches Pärchen und ein anderer Chilene lachen sich mittlerweile tot, welch feine Klänge man uns bei dieser Tour kredenzt.

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Den letzten Tag in Medellín widmen wir der berüchtigten „Comuna 13“. Im Südwesten der Stadt erstreckt sich ein Armenviertel, in dem viele 1000 Leute unter ärmsten Bedingungen hausen.

Hier hat Pablo Escobar viele seiner Auftragskiller rekrutiert und auch viele Morde geschehen lassen.

Hunderte von Leuten sind hier umgekommen und die Ecke gilt auch heute noch als gefährlich. Die Stadt tut aber einiges, um das Image zu verbessern und den Bewohnern zu helfen bzw. den Touristen den Weg dorthin zu erleichtern. Beispielsweise wurde 2011 „die längste Rolltreppe der Welt“ für 8,6 Mio. € in den steilen Hang gebaut. In mehreren Teilabschnitten führt die Rolltreppe umgerechnet 28 Stockwerke in die Höhe. Auch eine Bibliothek wurde errichtet, um den Bewohnern den Zugang zu Wissen zu erleichtern.

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Unser Tourguide ist ein junger Local, trägt ein schräg aufgesetztes Cappy und lebt den Hip Hop-Lifestyle wie kein Zweiter. Wir treffen uns in einem Zentrum, in dem Graffiti-Kunst gelehrt und Hip-Hop-Musik produziert wird – allgemein weht ein Geist der Kunst durch die Räume. Und auch durch die Stadt. Wir erfahren, dass die Comuna 13 für Kunst und Kreativität bekannt ist. Gleich zu Beginn darf jeder von uns sein eigenes Graffiti auf eine Wand sprühen, um den Spirit besser zu verstehen.

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Nach und nach kapieren wir, dass wir in keine reguläre Tour geraten sind, sondern in eine Gruppe von Reisebüro-Angestellten, die aus den Nachbarländern kommen, um sich Medellín/Kolumbien genauer anzuschauen. Wir schlendern durch enge, geschäftige Gassen und bekommen den tieferen Sinn hinter großflächigen Graffitis erklärt, die als Mahnmal für geschichtliche Ereignisse stehen.

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Eines zum Beispiel für einen Einfall des Militärs in die Comuna 13, der sieben Menschen das Leben gekostet hat. Auch ein Kind wurde dabei getötet. Damit das niemand vergisst, hat man zusätzlich eine große, dreispurige Rutsche gebaut, die wir auch ausprobieren dürfen. Die Tour zeigt uns, was für ein besonderes Viertel das hier für Medellín ist und wie viel Geschichte, Leid, Leidenschaft und Kreativität sich hier finden. Wir erhalten hausgemachtes Kokos- und Mangoeis von einer netten Dame und erfahren, dass die Häuser nicht von Architekten, sondern von Jedermann selber gebaut wurden. Es war weder Geld noch das Know-How vorhanden, aber gebaut hat man trotzdem irgendwie. Und zwar bunt und ideenreich. Als wir den letzten Rolltreppenabschnitt erreichen und einen tollen Ausblick über die ganze Stadt haben, geraten wir in eine witzige Situation.

Der Tourguide, der seine Tour selbst als „mui loco“ (sehr verrückt) bezeichnet, fordert uns alle auf, einen Kreis zu bilden.

Wir klatschen gemeinsam, machen mit einfachsten Mitteln Musik, müssen unser Lieblingstier nennen und es pantomimisch und mittels Laute darstellen. Wir machen so was ähnliches wie rappen, aber hauptsächlich machen wir uns zum Affen. Zumindest sind wir für kurze Zeit eins mit der Comuna 13 :-) Zum Abschluss trägt der Guide unter Applaus einen selbst verfassten Rap vor und appelliert darin an alle, das Leben positiv zu sehen, sich über jeden Tag zu freuen und es zu genießen! Ein unerwartet cooles Erlebnis geht zu Ende und wir sind froh, dabei gewesen zu sein. Wieder einmal verabschieden wir uns von Nicolas und Anita, auch wenn wir alle wissen, dass es vermutlich wieder nicht der endgültige Abschied gewesen sein wird :-)

Kolumbien ist uns mittlerweile ans Herz gewachsen. Unser letzter Stopp ist Salento,

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eines der berühmtesten Kaffee-Anbaugebiete des Landes. Ein wunderschönes Fleckchen Erde in den Bergen. Unser Hostel mit 360 Grad Bergblick und sehr guter Küche lädt förmlich zum Relaxen ein. Wenn du mal dort sein solltest, geh’ unbedingt ins „La Serrana“!

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Wir wandern ins Valle de Cocora, wo es die höchsten Palmen der Welt gibt. Sie wachsen bis zu 50-60 m hoch und stehen unter Naturschutz.

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Ebenfalls bewundern wir dort unzählige Colibris, jene faszinierende Vogelart, die über 300 Mal in der Minute mit ihren Flügeln schlagen kann.

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Als hätten wir es nicht schon geahnt, erreichen uns am zweiten Tag Nicolas und Anita, die in einem benachbarten Ort eine schlechte Erfahrung mit der Unterkunft gemacht haben und vorzeitig nach Salento reisen. Der running gag der sinnlosen Verabschiedung mit den Beiden hat sich also manifestiert: zum x-ten Mal sagen wir „Bye bye“ und bald darauf wieder „Hello again“! :-)

Mit den Zweien ist es immer lustig und mittlerweile sind wir ein eingespieltes Reiseteam. Zusammen besichtigen wir eine traditionelle Kaffee-Plantage und erfahren alles Wissenswertes über die schwarze Bohne. Der interessante und komplexe Produktionsablauf wird uns im Detail erklärt und wir dürfen selber dabei mitmachen. Das heißt, wir sollen in 10 Minuten so viele reife Kaffeefrüchte pflücken, wie möglich. Dabei versteckt sich der Mitarbeiter in der Plantage und mimt das Kaffee-Monster. Wir spielen mit, auch wenn uns das ganze Spektakel für einen Moment etwas fragwürdig erscheint. Simone erschrickt sich aber trotzdem :-) Wir staunen, wie lange der Weg von der bergigen Plantage bis zur täglichen Kaffeetasse dauert. Von nun an werden wir die Arbeit, die hinter einem Päckchen Kaffee steckt, mit anderen Augen betrachten beim Einkaufen mehr auf Qualität und Herkunft achten.

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Auf dem Rückweg erreicht uns ein Regenschauer und wir werden patschnass. Beim Zurücklaufen verliert Tobias den Schlüssel vom Schließfach und wir müssen unser Vorhängeschloss im Panzerknackerstil öffnen. Wir schaffen den check-out aber rechtzeitig und mampfen noch genüsslich einen Riesenburger, der auf der Karte…

…mit den Worten „Du wirst die ganze Woche nichts mehr essen müssen!“ angepriesen wird.

Wie recht der Wirt doch hatte! Danach nehmen wir den Bus Richtung Quito – eine geschmeidige Busfahrt von 1+3+11+5 Stunden. Macht 20h in diversen Bussen, mit Wartezeiten sogar 26! Auch das gehört zu einer echten Weltreise!

Das Beste kommt zum Schluss: am letzten Abend in Salento spielen wir mit einer Gruppe gemeinsam „Tejo“, den kolumbianischen Nationalsport für Jedermann. Es ist grob vergleichbar mit Kegeln, aber eben nur grob :-) Aus einer Distanz von 8-15 m (je nach Spielniveau) wirft man einen handtellergroßen Eisenklumpen (in Form eines Eishockeypucks) auf eine 45 Grad schräg stehende Lehmkiste. Diese ist ca. 1 x 1 m groß und komplett mit Lehm gefüllt. In der Mitte liegt im Lehm klebend ein Eisenring (1 cm stark, Durchmesser ca. 15 cm). Auf diesem Ring werden vier quadratische, flache Schießpulver-Päckchen aus Papier platziert. Trifft der heranfliegende „Puck“ auf eines der Päckchen, explodiert das Schießpulver durch die Reibung am Eisenring. Eine laute, rauchende Explosion ist das lustige Ergebnis! Je nach Platzierung des „Pucks“ in der Lehmkiste gibt es unterschiedliche Punkte. Man kann sich vorstellen, wie es in einer Halle mit fünf Spielbahnen und ein paar beduselten Kolumbianern zugeht! Das verrückte daran: es gibt jeweils links UND rechts der Bahn eine dieser Lehmkisten, was bedeutet, dass man den ganzen Abend von links nach rechts und wieder zurück von rechts nach links spielt. Die Bahnen sind untereinander aber nicht abgetrennt – außer durch jeweils ein klappriges Holzregal in der Mitte, wo man sein Bier abstellt. Das bedeutet, dass die ziemlich schweren „Pucks“ quer durch die Luft fliegen und theoretisch jeden am Schädel treffen könnten :-)

Das interessiert aber niemanden und schließlich gibt es auch keinen nervigen TÜV wie in Deutschland, der die Halle zertifizieren möchte/muss.

Wir fanden es trotz der Lebensgefahr 😉 sehr witzig, auch wenn wir insgesamt am Abend nur fünf Explosionen geschafft haben! Bei den Profis nebenan knallt es alle zehn Minuten… Nach diesem kulturellen Highlight geht es für uns weiter nach Quito (Ecuador) und diesmal verabschieden wir uns WIRKLICH zum allerletzten Mal von Nicolas und Anita… wer’s glaubt!