Den Besuch im Yellowstone Nationalpark haben wir ganz spontan beschlossen – ursprünglich stand dieser nämlich nicht auf unserer Bucketlist, aber die schwärmerischen Erzählungen von Brentley („…there I saw the weirdest things in my life“) haben uns dann doch ins Grübeln gebracht. Wenn wir schon mal „in der Nähe“ sind (sofern man in den unendlichen Weiten Amerikas überhaupt von Nähe sprechen kann) wollen wir uns das Naturspektakel dann doch nicht entgehen lassen. Statt entlang der Küste von Seattle nach San Francisco zu fahren, was bestimmt auch wunderschön ist (aber eins lernt man beim Reisen wirklich schnell: alles kann man einfach nicht sehen und machen), machen wir den Abstecher zum Yellowstone Nationalpark im Bundesstaat Wyoming. Das sind inklusive der Fahrt nach San Francisco geschmeidige 2.697 km – kein Problem, wir lieeeben Roadtrips! Wie es sich für einen ordentlichen Roadtrip gehört, gönnen wir uns ein passendes Mietauto. Wenn, dann fährt man so eine Strecke standesgemäß in einem großen amerikanischen Auto: in einem Jeep Grand Cherokee. Innerhalb von zwei Minuten ist die freundliche Dame der Autovermietung bei unseren Verhandlungen auf die Hälfte des Preises gesunken. 70$ Aufpreis für einen doppelt so großen Wagen klingt nach einem guten Deal! Tobias ist glücklich und Simone nimmt es zur Kenntnis :-)

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Man kann die Größe des Landes erst richtig fassen, wenn man sich auf die Straße begibt. Beim stundenlangen gerade ausfahren durch verschiedenste Vegetationen kann man sich plötzlich gut vorstellen, warum die Amerikaner in „big, bigger, biggest“ denken.

Platzprobleme gibt es hier definitiv nicht!

Irgendwo im Nirgendwo, nämlich in Butte (liegt im Bundesstaat Montana und die sprechen ihr Butte „Biu“ aus) machen wir unseren ersten Stopp. Bis auf das abartig große Frühstück am nächsten Morgen ist es aber ein nicht allzu erwähnenswertes Fleckchen Erde. Erwähnenswert sind allerdings die unfassbar riesigen Pancakes, die mit einem Schubkarren Ahornsirup und einem Becher Cream serviert werden. Auch der „Fitnessteller“ von Tobias mit einem Kilo Bratkartoffeln, 10 Paar Würstchen und einem Gitter Eier ist wohl für eine Kleinfamilie und nicht eine einzelne Person gedacht. Nun gut, für den Rest des Tages hatten wir essenstechnisch ausgesorgt!

Dann ist es endlich soweit und wir passieren den Eingang des Yellowstone Nationalparks. Für 50$ pro Auto dürfen wir uns sieben Tage im Yellowstone sowie im  angrenzenden Nationalpark Teton aufhalten.

Yellowstone ist rieeesig und ohne Auto wärst du verloren (wie fast überall in den USA) – zu Fuß sind diese Strecken nicht zu meistern (außer natürlich für ausgesuchte Wanderungen). Die Geschwindigkeitsbeschränkung liegt bei 45mph – kommt einem erst mal langsam vor, …

aber wenn man bedenkt, dass es jeden Tag zu einem
Zusammenstoß mit einem Tier kommt, …

macht das schon Sinn. Und ja, jederzeit könnte aus den Wäldern und Feldern ein Bison, Elch, Bär oder ähnliches auf die Straße laufen – und so einem Tier würde selbst unser fetter Jeep nicht standhalten. Also halten wir uns vorbildlich an die Geschwindigkeitsbegrenzung und sind wachsam. Das sind wir sowieso, denn wenn Tobias im Yellowstone Nationalpark auch wieder keinen Bär sieht, dann dreht er wahrscheinlich noch durch!

1872 wurde der Park vom US-Kongress zum weltweit ersten Nationalpark gemacht und wurde somit Vorbild für viele andere Parks dieser Welt. Mit fast 9.000 Quadratkilometer Fläche (ca. die Größe von Korsika) zählt er zu den größten Parks der USA und liegt überall deutlich über 2.000 m über dem Meeresspiegel. Vor allem nachts merkt man, dass der Park in den Rocky Mountains liegt – es wird nämlich ziemlich kalt, auch im Sommer. In unserer rustikalen, unbeheizten Blockhütte haben wir trotz warmer Kleidung zum ersten Mal richtig gefroren.

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Über den West Entrance kommen wir in den Park und starten auch schon unsere Tour. Es gibt zwei kreisförmige Straßen mit einigen Abzweigungen, die alle wichtigen Spots miteinander verbinden. So kann man sich nur schwer verfahren und vor allem nichts auslassen. Im östlichen Teil des Parks sieht man vor allem die atemberaubende Tierwelt und im westlichen Teil die nicht weniger spektakuläre Vulkanlandschaft. Nirgends sonst auf der Welt gibt es so eine dichte Ansiedlung von Geysiren.

Plötzlich fühlt man sich in die Zeit von Dinosauriern und Co. zurückversetzt …

… wenn sich diese Landschaft vor einem auftut. Es dampft und raucht, es blubbert und es ist teilweise richtig laut. Als würde man eben mit einem Dampfkochtopf Kartoffeln kochen. Aber das zu beschreiben ist nicht einfach, das muss man einfach gesehen haben!

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Genauso, wie man den legendären Geysir Old Faithful gesehen haben muss, der alle 40-90 min ausbricht und Wasser zwischen 30 und 50m hoch spuckt.

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In verschiedenen Foren lesen wir, dass man abends mehr Glück hat, einen Bären zu sehen. Dann, wenn es ruhiger geworden ist, sich die Besucher in ihre Motorhomes oder Hütten zurückgezogen haben und die Straßen leer sind, beschließen wir mit ein paar Bierchen bewaffnet auf „Bärenjagd“ zu gehen. Wir suchen uns einen guten Spot und warten ab. Irgendwann wird dann ja hoffentlich einer vorbei kommen.

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Gesagt, getan… zwei Stunden später und lange nach dem Sonnenuntergang (man sieht noch nicht mal mehr seine eigene Hand in der Finsternis) brechen wir ab und fahren geknickt, aber voller Hoffnung für den nächsten Tag zurück zu unserem Campingplatz. Auch hier hatte Tobias die Idee etwas Essbares vor der Hütte zu „vergessen“, um ein kleines, süßes Bärchen anzulocken. Aber der Campingplatzbesitzer hat uns schon vorab gewarnt: „Hier laufen nachts Ranger das Gelände ab um zu überprüfen, ob auch wirklich nichts ‚vergessen’ wurde. Und glauben Sie mir: sie finden IMMER die schuldige Peron, die es liegen gelassen hat“. Okay, dann eben nicht.

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Am nächsten Tag setzt sich das Naturspektakel fort – dieses Mal erkunden wir den Osten (Lamar Valley, Hayden Valley etc.). Und es dauert tatsächlich nicht lange, dann sehen wir schon unsere ersten Bisons. Sie sind praktisch überall. Riesige Herden, die nicht selten neben der Straße campieren und diese auch gerne mal überqueren, wenn sie auf der anderen Seite noch saftigeres Gras vermuten. So müssen sich die Menschen in „Jurassic Park“ gefühlt haben. Diese Bisons sind riesig und trotz ihres gelangweilten Blicks angsteinflößend, wenn sie einen Meter entfernt an deinem Autofenster vorbei marschieren! Spätestens jetzt hat sich das Auto-Upgrade ausgezahlt. Nicht auszudenken, wären wir, wie in Kanada, in einem Ford Fiesta gesessen 😉

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Man könnte diese mächtigen Tiere ewig beobachten, der Anblick macht demütig und entspannt einen irgendwie. Aber noch haben wir unsere Mission nicht erfüllt. Wo ist der Bär, verdammt nochmal? Viele Bisons, Elche, Pronghorns, Pelikane, Adler und Geysire später stoßen wir plötzlich auf einen Menschenauflauf. Natürlich halten auch wir sofort am Straßenrand und befragen die Leute, was denn los sei.

Wir vermuten schon, dass es sich nicht um ein Bison handelt, sondern vielmehr um einen… Bären!!!!! Aber nicht der kleine Schwarzbär – nein, ein großer Grizzly!!! :-) Der anwesende Ranger erklärt, dass dieser von einem Wolfsrudel im Wald vertrieben wurde und deshalb auf das darunterliegende Feld gelaufen ist. Was ein Glück! Aber wo ist er nun? Okay, mit freiem Auge konnte man nur einen kleinen braunen Punkt ausmachen, der sich hin und her bewegt, aber manche Besucher waren mit Spezial-Fernrohren ausgestattet, mit dem du wirklich die einzelnen Bären-Haare sehen konntest. Eine nette, face-geliftete Familie aus L.A. hat uns sofort angeboten ihr Fernrohr zu benutzen und so konnten wir ihm tatsächlich in die Augen blicken: ein abgefahrenes Gefühl, einen wilden Grizzly in freier Wildbahn zu sehen! Etwa eine Stunde lang haben wir den Moment voll ausgekostet und sind dann in höchster Zufriedenheit wieder Richtung Camp aufgebrochen.

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Mehr ging nicht. Wir haben alles gesehen, was wir sehen wollten und so haben wir nach insgesamt drei Tagen im Yellowstone Nationalpark, der wirklich wärmstens zu empfehlen ist, unseren Roadtrip um ein atemberaubendes Naturspektakel erweitert.

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Und jetzt geht’s wieder zurück Richtung Westküste. Next stop: San Francisco!!!